Beschreibung
That Lucky Old Sun, das neue Studioalbum von Brian Wilson ist musikalisch wohl das schönste Happy End einer Künstertragödie. Dass der ehemalige Beach-Boys-Mastermind nach jahrelanger Selbstzerstörung und ewig langer Therapie wie ein Phönix aus der Asche stieg, war schon ein Wunder für sich. Doch nun legt er mit 66 Jahren jenes Album vor, von dem er lange redete und nun das realisierte, was sich jahrzehntelang nur in seinem Kopf abspielte - die perfekte, zeitlose Pop-Suite, das heitere Manifest eines musikalischen Genies. Allein der Ausgangspunkt des dichtgewebten Konzeptalbums ist genial - That Lucky Old Sun, ein Louis-Armstrong-Klassiker aus dem Jahr 1949, um den sich alle Songs über den perfekten Tag in Los Angeles, die narrativen Zwischenteile und Arrangements weben. Seit Pet Sounds, dem Beach-Boys-Pendant zu Sgt. Pepper gab es kein so geschlossenes und in sich schlüssiges Pop-Werk, aus dem man einzelne Songs kaum herauslösen und loben kann. Sie sind allesamt Höhepunkte an Kompositions- und Arrangementkunst, an instrumentaler Umsetzung zu subtilen, durchaus humorvollen und ironischen Texten. Die meisten stammen von Gitarrist Scott Bennett, die Sprechpassagen über Los Angeles von Wilsons Weggefährtem Van Dyke Parks. Viele Titel sprechen für sich, wie etwa Forever She'll Be My Surfer Girl, California Role, ein hinreissendes Tribut an Hollywood im Dixieland-Stil, sowie die drei autobiografischen, reflektiven Songs Southern California, der ausgelassene Rock`n`Roller Going Home und das ergreifende Midnight's Another Day. Wilson hat seine künstlerische Freiheit als Produzent genutzt, mit vielen alten Freunden das Beste aus Beach-Boys- und Beatles-Harmonien mit Big Band, Latino und groß inszenierten Streicherpartien zu einem sonnigen, lebensfrohen Szenario zu mischen, was bereits das Sixties-Cover verspricht. Brian Wilson ist endlich ganz und gar bei sich angekommen. -- Ingeborg Schober
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Kundenmeinungen
Der Geist von SMiLE..., 29. September 2008
...weht durch "That Lucky Old Sun". Denn wie auch schon bei dem 2004 veröffentlichten "SMiLE"-Album sind alle Songs durch eingeschobene "narrations" kunstvoll miteinander verwoben, so dass sie nahtlos ineinander übergehen. Das immer wiederkehrende Leitmotiv ist ein kraftvoller Pop-Choral: "Maumamayama Glory Hallelujah"...Brian hat bei dieser Produktion alles richtig gemacht: Die Songs sind bis auf zwei Ausnahmen - der Titelsong ist von Dizzy Gillespie/Louis Armstrong gecovert und das hinreißende "Can't Wait Too Long" ist ein alter Beach Boys-Klassiker - alle brandneu für diese Platte geschrieben und produziert worden. (Das war auf den vorangegangenen Alben nicht immer so.) Brian läßt glücklicherweise die Mitglieder seiner fantastischen Band alle Backing-Chöre singen - sicherlich der zweitbeste Pop-Chor der Welt nach den Beach Boys! Brians Gitarrist/Multiinstrumentalist Scott Bennett ist gleichberechtigter Songwriting-Partner bei einigen Songs. Ebenfalls mit an Bord: Brians alter Freund und "SMiLE"-Kollaborateur Van Dyke Parks: Der sorgt für die Texte der "narrations" und das inhaltliche Konzept des Albums ("Ein ganz normaler Tag im südlichen Kalifornien"). Mit diesen Leuten im Rücken gelingt Brian nicht nur die beste Gesangsperformance ever, sondern auch sein mit Abstand frischestes Soloalbum! Kaum zu glauben: Der Mann ist 66 Jahre alt, aber ein Song wie "Good Kind Of Love" klingt wie der eines frisch verliebten Mittzwanzigers! Weitere Highlights: "California Role", "Can't Wait Too Long", "Midnight's Another Day" und "Southern California" (Text: "I had this dream, singing with my brothers, in harmony, supporting each other...").Der rationale Musikhörer mag vielleicht den anachronistischen Sound des Albums bemängeln und einen Punkt abziehen - aber alle Beach Boys- und Brian Wilson-Fans dürfen sich über das mit Abstand beste Brian Wilson-Soloalbum freuen!
goldene jahre, 16. September 2008
ich kann den begeisterten hymnen hier nur zum teil zustimmen, obwohl ich sie gut verstehe.ja, schön zu hören, dass es brian wilson wieder gut geht. ja, ebenso schön zu hören, dass er immer noch ein unvergleichlicher arrangeur ist. ja, das ist eine geradezu klassische "they don't make things like that anymore"-platte. ihre perfekt inszenierte altmodischhaftigkeit (blödes wort... ich weiß kein anderes) hat etwas rührendes und berührendes, auch etwas beglückendes - aber auch etwas befremdliches. 1964 ist doch schon ein, zwei monate vorbei, oder?bei den kompositionen hab ich schon kleinere zweifel. ja, sie evozieren ungemein geschickt die atmo der ganz großen beach-boys-jahre (das ist die beach-boyigste beach-boys-platte seit den sechziger jahren), sie haben herrliche momente, sie sind, immer wieder, kleine pop-symphonien. aber sie nutzen sich auch rasch ab, sind manchmal, ja, banal. eine schimmernde abgründigkeit wie good vibrations erreichen sie nie. wie überhaupt auffällt, dass diese songs eher nach 1963 klingen als nach 1967.großere zweifel habe ich dann bei den texten: diese beschwörungen des goldenen californien, des ozeans, der sonne, der träume und der ebenso goldenen sechziger jahre, der frühen beach-boys-tage, des harmony-singens mit den brüdern - kann man soviel naivität ernst nehmen? muss man sie ernst nehmen? und: erträgt man sie dann?i dunno.die erzählstückln, immer am ende der songs, die find ich wirklich eher ... lächerlich.4 sternderln, in alter verbundenheit und für die herrlichen chöre.
Eine späte Großtat, 5. September 2008
Die große Kunst des Brian Wilson zu seinen besten Zeiten war es ja aus einfachen Rock'n'Roll Mustern durch Arrangements und Orchestrierung und durch harmonische Anleihen in der Klassik große unsterbliche Pop Songs zu machen. ,Wouldn't It Be Nice', `God Only Knows', ,Do It Again', ,I Can Hear Music', ,Sloop John B.' und das größte von allen, `Good Vibrations'. Das waren große Kompositionen (auch fremde die aber in Wilsons Kontext immer zu seinen eigenen wurden), vorwiegend in Dur, mit denen zur gleichen Zeit vielleicht nur noch Paul McCartney mithalten konnte. Daß er den Balanceakt zwischen Kommerz und Kunst meisterte war Wilsons größte stärke in den Jahren 1966 - 1969.Daß er zu dieser Form wieder zurückfinden konnte war unwahrscheinlich, ,That Lucky Old Sun' aber ist der Beweis dafür, daß es ihm gelang, und: er macht dabei keine Kompromisse.Das ist eine herrlich altmodische Platte und schon das cover suggeriert dieses sixties feeling, das man beim Hören dieser Scheibe noch viel stärker vermittelt bekommt. Die Highlights in dieser Song-Kollektion, die nicht einmal mit mittelmäßigem sondern im schlechtestem Fall mit sehr gutem Material aufwartet, sind ,Good Kind Of Love', ,Forever she'll be my surfer girl', ,Mexican Girl', ,California Role', ,Oxygen To The Brain', ,Midnights Another Day' und ,Going Home'; gerade bei letzterem beweist Wilson, daß er nichts von seinen Arrangementkünsten verlernt hat, denn wie er aus einem simplen Rock'n'Roll hier Breitwand Pop zaubert, das können und konnten nicht viele.Auch soundmäßig sucht man hier vergeblich nach elektronischen Instrumenten, das ist alles original sixties und entwickelt gerade deshalb so einen unwiderstehlichen Charme. Ob Wilson damit Airplay bekommt ist fraglich - obwohl viele potentielle Hits hier drauf wären, die nahtlos am Jahr 1969 anknüpfen würden - denn goutiert das heutige Publikum so eine Musik noch?Auf jeden Fall aber ist dieses Werk ein echtes Schmuckstück in Wilsons Schaffen und ein spätes Geschenk an seine treuen Fans und: besser kann man Popmusik eigentlich nicht machen.
schön, dass er so quicklebendig ist, 4. September 2008
In einem Interview sagte Brian Wilson dass seine richtig kreative Phase lange vorbei ist und von ihm nichts Großes mehr zu erwarten ist. Ein zweites Pet Sounds und Smile wird es also nicht geben und insofern mutet es komisch an, dass That Lucky Old Sun mit diesen Perlen der Popmusik auf eine Stufe gestellt wird. Das aktuelle Album von Brian hat zweifelos viel Energie und viele schöne Momente, doch spätestens wenn gegen Ende der Scheibe mit Can't Wait Too Long ein Song aus alten Zeiten kurz eingeblendet wird, ist klar, dass es so schön wie auf Smile, Pet Sounds oder Surf's Up nie wieder werden wird. Ist ja auch nicht schlimm. Brian Wilson hat uns so viel schöne Musik geschenkt wie kaum jemand (niemand?) vor ihm. Nur sollte sich halt niemand auf die Klasse von Songs wie eben Can't Wait Too Long einstellen, denn dann droht eine Enttäuschung.Davon ab ist That Lucky Old Sun aber ein schön zu hörendes Lebenszeichen eines großen Musikers und Mike Love wird sich ein weiteres Mal schämen müssen für sein mangelndes Talent und sein mieses Verhalten gegenüber Brian, wenn dieser unsympathische Mann zu solchen Gefühlen überhaupt fähig ist. Wie in den letzten Jahren, triumphiert Brian mit That Lucky Sun über diesen bösen Menschen und alleine das erfüllt mein Herz mit Freude.
Unglaubliche Musik, 3. September 2008
Einfach unglaublich diese Platte. Überall Akkorde in schönster Folge. Es gibt nur noch diese eine Platte für mich auf der ganzen Welt. Ich fasse es einfach nicht wie schön doch Musik sein kann. Und das Mitte der Sechziger. Toll.
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