Kundenmeinungen
Hat alles, was bei Róisín Murphy noch fehlte:, 9. Oktober 2008
Langezeit war Disco tot, und das auch aus gutem Grund. Eine Musikrichtung, die nach anfänglichem Protest nur noch Komerz war und all ihre Aussagekraft verloren hatte, braucht die Welt nun wirklich nicht. Dennoch regen sich in letzter Zeit immer wieder neue Bestrebungen, dieses tote Genre wiederzuleben: Erst war da Madonna, die mit ihrem ohrenschmerzenbereitenden "Confessions of a Dancefloor" eine Katastrophe ablieferte, dann kam Róisín Murphy, die mit "Overpowered" zwar ein einigermaßen solides, letztendlich aber enttäuschendes Discopop-Nachfolgealbum zu "Ruby Blue" ablieferte.Alles, was auf Overpowered noch falsch lief, machen Hercules and Love Affair hier richtig: Das Debütalbum der Formation aus New York zelebriert dann auch weniger ein Revival als vielmehr einen Neuanfang. Tanzbar sind bei weitem nicht alle Stücke auf dieser Platte. Mit dem Opener "Time Will" sowie "Easy", getragen von der atemberaubenden Stimme des Antony Hegarty, oder "Iris" zählen gerade die langsameren Stücke zu den absoluten Highlights des Albums.Hercules and Love Affair gelingt dabei der Balaceakt, den Disco-Sound einerseits mit einem Augenzwinkern anzusehen, ihn mit ungewohnt vielschichtigen Texten zu versehen, und dennoch dem Genre verpflichtet zu bleiben.Wohl eines der besten Alben 2008, auch für solche, die sonst mit Disco weniger anfangen können.
Zweifellos gut..., 30. Mai 2008
Nicht ganz fair, Musik nur nach der Medienresonanz abzuurteilen. Ob man den Hype nun mag oder nicht, egal. Ob hier nur wieder ein Genre aufgekocht wird, ebenfalls wurscht, fehlt's doch seit Jahren, das wirklich große, wirklich "neue Ding".Wer mit dem Danceflor verwachsen ist und der Disco-Ära irgendetwas abgewinnen kann, wird schon feststellen können, dass hier nicht nur zitiert wird.Es gibt wirklich fesselnde Momente echter Größe, in denen man an all den bekannten Versatzstücken aus der Danceflorhistorie doch neue Nuancen entdeckt. Auch echt packende Grooves, für die ich diese Scheibe wirklich liebe.Daher verzeihe ich kleinere Schwächen gern. 4 Sterne! Einfach reinhören und sich mal bewegen lassen.
Eines der symphatischten Alben dieses Monats, 6. Mai 2008
Hinter dem opulenten und schwülstigen Namen stecken der Produzent Andy Butler, der mit Tim Goldsworthy und dem Sänger Anthony Haggerty ein Discoalbum mit den Sounds der späten 70er und frühen 80er abliefert - gepaart mit partiellen modernern Einflüssen. Neo-Disco eben, die seit den Scissor Sisters wieder salonfähig ist.Ob Imagination - mäßige Bassläufe, kurze Streichersequenzen wie bei beim Munich Sound, Phillysound mit Breitwandarrangements und blubbernde Sequencer wie bei z.B. Divine/Sylvester. Hier finden sich alle Zitate wieder, die einen Discosound ausmachen. Einige Tracks sind nur instrumental und erinnern an eine Mischung aus frühen Kool & The Gang und spätem SOLAR - Sound.Die Tracks mit Gesang von Anthony Haggerty sind nicht immer gelungen, doch halten sie wenigstens den Song zusammen, wenn die Produktion sich ins Uferlose verliert. Doch egal, auf jeden Fall ist Hercules & Love Affair eines der symphatischten Alben dieses Monats. Witzig und trotzdem ironiefrei.
nichttänzer, 9. April 2008
disco-revival, ja eh, aber wenigstens zappeln sollte man dazu können. kann man aber bei denen nicht. disco für nicht- bis wohnzimmertänzer. überschätzt. don't believe the hype!
Ambitioniert, 8. April 2008
~...und sehr kreativ.Zitate von allerlei Stücken und Sounds, die im wesentlichen aus den Achzigern stammen dürften. Hier etwas Jimmy Somerville oder Boy George, dort etwas Christians oder Godley & Creme, irgendwo hört man auch The Catch und viele andere raus, die Liste ließe sich noch ein ganzes Weilchen fortsetzen. Jeder wird die Liste etwas anders ausführen, das zeigt die Kunst des Zitierens im Gegensatz zum Plagiieren. Vieles scheint bekannt, glaubt man etwas erkannt zu haben unterlasse man besser den direkten Vergleich mit dem Original, man würde sich blamieren, so anders ist der Sound von Hercules and Love Affair: Modern oder retromodern, wer will das festlegen? Scheinbar ein Stilmix aus Disco, Pop, New Wave und Jazz mit analogen Synthies, authentischen Instrumenten wie Bläsern oder Streichern, aber auch moderner allerdings organisch klingender Elektronik. Das alles geschickt verwoben zu etwas neuem und eigenständigem. Das ist echte Kunst.Hier hat Hercules and Love Affair die Latte auch echt hoch gehängt, denn wer so gekonnt und vielfältig zitiert, der setzt sich dem permanenten Vergleich aus. Selbstbewusst oder dumm? Nun teils teils! Selbstbewusst, weil Hercules and Love Affair klanglich brillant und fast perfekt produziert sind.Musik wie sie spontan äußerst angenehm aus der Masse hervorsticht, weil solch kreative Klänge leider - oder zum Glück - selten sind.Dumm, weil der Musik die Substanz oder die Seele fehlt. Und hier holen Hercules and Love Affair ihre musikalischen Vorbilder bei weitem nicht ein.So genial das zusammengetüftelt ist, so kollagenhaft und ohne eigene Aussage bleibt die Musik. Gradezu kühl wirken die Lieder immer dann, wenn der Klangaufbau komplett ist, dann genau erschöpft sich der innovative Wert der Musik von Hercules and Love Affair. Erst ist man fasziniert von den vielen klanglichen Ideen und Elementen, dann will der Funke jedoch nicht so richtig überspringen.Nicht zum direkten Vergleich geeignet, aber ein ähnliches Segment bedienend, haben "Hot Chip" beispielsweise erheblich mehr Schmiss und das im Übrigen schon seit längerer Zeit.Das ist coole Musik. Auch wenn diese RetroDiscoAchtzigerSound Sache schon langsam nichts neues mehr ist, sind Hercules and Love Affair in ihrer geschmeidigen Ausprägung noch ausreichend modern. Zwar sollte man sich beeilen, wenn man damit beeindrucken will, sie früher als die Masse entdeckt zu haben, denn die Spatzen auf den Dächern haben schon Stellung bezogen um fleißig zu pfeifen, aber zur großen Masse wird die Musik ihre kreative Position schon noch etwas behaupten. Fraglich ist indessen, ob das Potential nicht ohnehin zum Verbleib im Hintergrund bestimmt ist.Tolle Musik, für elegante Events, nicht zu aufdringlich aber doch klanglich mal (wieder) was anderes. Also wer eine Modenschau oder Vernissage abhalten will oder wer ein Café eröffnet, ist gut beraten schnell zuzugreifen. Aber er sollte sich beeilen und wissen, dass Hercules and Love Affair dazu schon andernorts Verwendung fanden.Zum privaten Anhören ist das Material auf die Dauer einfach zu dünn.
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