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Düsterer Großstadtthriller, der sich dem diffizilen Thema "Selbstjustiz" aus weiblicher Sicht nähert, 23. Januar 2008
Radiomoderatorin Erica Bain und ihr Freund David werden beim abendlichen Ausführen ihres Hundes überfallen und brutal zusammengeschlagen. Während David stirbt, überlebt Erica nach dreiwöchigem Koma innerlich völlig zerstört. Um der aufkeimenden Agoraphobie, die sie daran hindert, die Wohnung zu verlassen, entgegenzuwirken und sich im ihr fremd gewordenen Großstadtdschungel New Yorks zu schützen, beschafft sie sich eine Waffe. In Notwehr benutzt, fällt es Erica, die einsamen Nächte ziellos durch dunkle Stadtteile streifend, zunehmend leichter, ihre Vorstellung von Gerechtigkeit umzusetzen. Das weitestgehend verstummte Gewissen findet sie in Gestalt des besonnenen Detectives Mercer wieder.
Im Laufe der Filmgeschichte war "Selbstjustiz" stets die dankbare Legitimation, stellvertretend für den Zuschauer einen Durchschnittsbürger in den erbarmungslosen Vergelter ungesühnten Unrechts zu verwandeln. Bis auf wenige Ausnahmen wie Abel Ferraras DIE FRAU MIT DER 45er MAGNUM war hierbei der Griff zur Waffe dem männlichen Geschlecht vorbehalten, so dem besonders virilen Musterexemplar Charles Bronson in der Blaupause für alle nachfolgenden Vigilante-Movies, EIN MANN SIEHT ROT, oder Biedermann Michael Douglas in EIN RICHTER SIEHT ROT und zuletzt Testosteronpaket Mark Wahlberg in SHOOTER.
Oberflächlich liest sich die Inhaltsangabe von THE BRAVE ONE (so der ausnahmsweise unpassendere Originaltitel) sogar wie ein Remake des bei seinem Erscheinen 1974 kontrovers diskutierten Bronson-Vehikels, das vier weitere, zunehmend menschenverachtendere Sequels nach sich zog. Doch die Mitwirkung der Vorzeigeintellektuellen Jodie Foster hebt die recht konventionell anmutende Story von den überwiegend mehr als Ballerorgie denn als ernsthaft kommentierungswürdigen Denkanstoß zum Rechtssystem tauglichen Genrevertretern ab. Mit jeder Pore schmerzhaft nachempfindbar entwickelt die Ausnahmeaktrice das Psychogramm einer erfolgsverwöhnten Frau, deren perfekt scheinendes Leben durch ein einziges, dem oft zitierten Zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort-Zufall zuzuschreibendes Ereignis total aus der Bahn geworfen wird. Neil Jordan, der uns Kinosternstunden wie MONA LISA oder THE CRYING GAME beschert hat, outet sich in diesen Szenen als unverhohlener Foster-Bewunderer, so dicht geht die fabelhafte Kamera Philippe Rousselots (INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR, BIG FISH) auf Tuchfühlung. Gleichzeitig schont er seine Hauptdarstellerin auch nicht in ungeschminkt wahrhaftigen Augenblicken, in denen sich das herb-schöne Gesicht vor Schmerz, Grauen oder hasserfüllter Wut unschmeichelhaft verzerrt.
Das perverse, unbehagliche Gefühl der Zustimmung beim Betrachten kaltblütig vollzogener Exekutionen am anscheinend offensichtlichen Bodensatz der Gesellschaft stellt sich wie in vorerwähnten Vorbildern ebenso während Erica Bains nächtlichen Streifzügen durch New York ein. Im Gegensatz zu Bronsons Paul Kersey, der zielgerichtet die Konfrontation mit Verbrechern sucht, gerät Fosters Radiomoderatorin anfangs unfreiwillig in Situationen, in denen sie zum Gebrauch der Waffe gezwungen wird. Leider oder vermutlich unvermeidlich kommt Regisseur Jordan um die gängigen, in unzähligen vergleichbaren Szenarien etablierten Schauplätze wie Spirituosenmarkt oder menschenleere U-Bahn nicht herum. Genauso wenig wird vor dem Klischee der dunkelhäutigen Räuber oder arischen Gewalttäter haltgemacht. Doch diese eindimensional-ethnische Charakterisierung des Bösen entpuppt sich als bewusst gewähltes Stilmittel, stellt man am Schluss verblüfft fest, dass mit Ausnahme von Jodie Foster und Mary Steenburgen als deren Vorgesetzte keine weitere Hauptrolle mit kaukasischstämmigen Darstellern besetzt ist. Besondere Erwähnung muss bei der Gelegenheit der charismatische Terrence Howard (L.A. CRASH, VIER BRÜDER) finden, der mit dem sprechenden Namen Mercer (Mercy/Gnade) das moralische Verantwortungs-bewusstsein Erica Bains verkörpert, der er am Ende dennoch eine Art von Vergebung zuteil werden lässt. Und eben an diesem Ende werden sich viele Geister scheiden. Für Zyniker wird es Anlass zu unfreiwilliger Komik geben, anderen wiederum wird die realistische Konsequenz fehlen. Wie auch immer - diskussionswürdig ist der Streifen allemal, und das dürfte nach dem Genuss zahlreicher No-Brainer mal erlaubt sein. Unstreitig allerdings ist die erneut brillante Leistung der Foster.
Super Film, 8. Januar 2008
Hallo,
Habe den Film schon im kono gesehn und muss sagen das diesehr sehr gelungen ist, man bekomtm richtig spanung, vorallem wurde der Film sehr Gut umgesetzt, daher 5 Sterne, und als Blu Ray macht die gnaze sache noch mehr spaß ;)
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