Kundenmeinungen
Genial, 24. September 2008
Die Ermordung des Jesse James hat mich durch seine ruhige, realistische Art von Anfang an gefesselt.Vorweg möchte ich aber mal auf die vielen 1-Stern-Wertungen eingehen: Ja, der Film ist ruhig und alles andere als ein Action-Film oder was man vielleicht so erwarten mag.Ja - der Film hat keine GROßE Handlung. Das Hauptaugenmekr sollte man, wie ich finde, auf die Entwicklung der Charaktere richten. Auf Rob Ford, der immer mehr nach Macht und Anerkennung dürstet. Auf Jesse James, der letztlich sogar seinen eigenen Tod akzeptiert.Viele reden von Landschaftsaufnahmen und Langeweile.Die Aufnahmen sind toll, das steht ausser Frage - aber langeweile??? Nur weil nicht alle 10 Sekunden jemand stribt oder was in die Luft fliegt? Kann ich nicht verstehen!Ich würde den Film eher als Charakterstudie bezeichnen - nicht als Western oder sonst was.Jesse James ist ein wirklich guter Film - aber man sollte wissen worauf man sich einlässt und ein faible für derartige Filme haben.5/5
Auf hohem künstlerischem Niveau ...., 9. September 2008
... gescheitert !Doch zunächst zum Inhalt:Jesse James (Brad Pitt) ist mit seiner Bande der meistgesuchte Mann im Wilden Westen. Ungerührt von der Jagd auf ihn, plant er einen weiteren großen Zugüberfall und geht zum Gegenangriff auf seine Feinde über, die das auf James ausgesetzte Kopfgeld und den damit verbundenen Ruhm einstreichen wollen. Das kann James sich nur leisten, weil er sich inmitten seiner Gang absolut sicher fühlt. Er ahnt nicht, dass ausgerechnet sein Vertrauter Robert Ford brennenden Neid auf die Western-Legende verspürt und den Mord an ihm plant. Nun zum Film:Andrew Dominik (Drehbuch & Regie) hätte großes Kino schaffen können: ein solides Thema, glaubhafte Darsteller (wenn auch Herr Pitt manchmal etwas arg gebeutelt erscheint;-) und brillante Kamera und Soundtrack.Woran liegt es nun, dass dieser Film scheitert und der Zuschauer ständig die Zeitangabe des DVD-Players im Blick behält (und zwar 2 Stunden und 39 Minuten lang!!!)?Antwort: Der Film ist lang. Und weilig. Die Erzählweise ist so launisch wie angeblich Jesse James. Nach dessem Tod hätte der Film gerne zuende sein können (aber dann wird noch episch breit das Motiv des Robert Ford dargelegt).Fazit: 1 * für wunderschöne Landschaft und Kamera und 1 * meinetwegen für Brad Pitt. Aber insgesamt enttäuschen überlanges Drehbuch und monotone Regie.
Enttäuschende Blu-Ray, 17. August 2008
Über den Film ist in anderen Rezensionen bereits ausführlich berichtet worden. Da es sich dabei ohnehin um Geschmackssache handelt, möchte ich an dieser Stelle auf einige technische Details eingehen, da diese meines Erachtens bisher zu kurz gekommen sind. Diese Blu-Ray ist nämlich eine Frechheit. Bezüglich Bild und Sound kann man sich nicht beschweren (das sollte auch selbstverständlich sein), aber was mich total schockiert hat, war die Tatsache, dass es keinerlei Bonusmaterial gibt. Nichts! Noch nichtmal Alibi-Boni wie Trailer oder Biographien. Bei einem aktuellem Film, der ausserdem noch auf historischen Begebenheiten beruht, hätte ich bei einer Blu-Ray erwartet, dass sie mit vielen Zusatzinfos und Dokumentationen angereichert wird. Warner verfolgt offensichtlich diesselbe Strategie, wie schon vor zehn Jahren bei der DVD: Schnell mit dem Preis runter (was natürlich gut für die Akzeptanz eines neuen Mediums ist), aber leider zu Lasten der Qualität. Bei historischen Filmen wie diesem wirklich besonders schade!
Brilliantes Autorenkino...weckt allerdings ganz andere Erwartungen, 24. Juli 2008
Zugegeben: Das Rad des Westerns wird mit "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" nicht neu erfunden. So sehr der Film mit seinen 160 Minuten Epos ist, ein Edelwestern ist er nicht, eher ein dreckiger Vertreter seines Genres.Diese zweite Arbeit des Neuseeländers Andrew Dominik hat weder die Action und das Tempo der Duellpartner von "Todeszug nach Yuma", noch die aufreibende Jäger und Gejagte Story in "Seraphim Falls".Die beiden Gegenspieler in "Jesse James" liefern sich eher ein ruhiges Katz- und Mausspiel mit viel Psychologie, bei dem sich dann am Ende die Vollstreckung als Ausweg oder Erlösungsmöglichkeit von der Abhängigkeit anbietet. Erzählt wird die uralte Geschichte um Mythen und Legenden, wie wir sie aus "Wyatt Earp" oder "Liberty Valence" kennen. Die Quintessenz fällt aber sehr gallig und bedrückend aus.Robert Ford (Casey Affleck) ist ein etwas naiver, nicht besonders intelligenter junger Möchtegern-Westernheld, der schon als Kind genau so ein Held wie sein verehrter Jesse James (Brad Pitt) sein wollte: Diese verehrte Legende, die schon zu Lebzeiten nicht nur gefürchtet, sondern auch als eine Art Robin Hood des wilden Westens (fälschlicherweise) gefeiert wurde.Der junge Ford ist so einer der anfällig für diese verzerrte Verklärung ist. In Wirklichkeit ist Jesse James ein misstrauischer, unberechenbarer, depressiver Killer ohne Freunde, der ständig auf der Flucht lebt. Da die meisten Gangmitglieder tot oder gefasst sind, heuern er und sein älterer Bruder Frank (Sam Shepard) neue Gefolgsleute für kommende Überfälle an, einer dieser Anwärter ist der klebrige Robert Ford. Was dann folgt ist ein Abgesang auf den alten Westen, nichts ist so wie es scheint oder sein soll: Der junge Robert muss sich langsam aber sicher von seinem Helden- und Idolbild verabschieden. Mehr noch: Fast scheint es so, dass die grenzenlose Bewunderung immer mehr in Hass, auch Selbsthass, umschlägt. Die Ermordung der Ikone scheint unausweichlich.Grandios sind die Darstellerleistungen der beiden Männer. Brad Pitt hat endlich wieder ne gute Rolle, aber Casey Affleck spielt einfach göttlich. In wunderbaren, traumhaften Bildern inszeniert, spröde Landschaften, die auch die Menschen irgendwie morbide macht. Der meditative soundtrack von Nick Cave entfaltet sich zu einem der besten Scores der letzten Jahre. Der Film ist sehr ruhig und lässt sich Zeit, die Figuren zu entwickeln. Dazu fährt er relativ lange Szenen mit prägnanten Dialogen auf. Das alles hat mich sehr stark an den Altman-Klassiker "MacCabe und Mrs. Miller" erinnert, auch ein Peckinpah oder Walter Hill Touch schwingt mit. Die durchgehend melancholisch bis elegische Grundstimmung des Films war auch sicherlich das Manko an der Kinokasse. Man hat da vielleicht mit einem Megastar wie Brad Pitt wahrscheinlich mehr oberflächliches Mainstreamkino erwartet. Die Kritiken des Films waren dann ja auch zuerst verhalten bis vernichtend. Umso erfreulicher ist es, wenn man die Mehrheit der Rezensionen hier liest, dass sie eher positiv bis euphorisch ausfallen, was auch eindrücklich zeigt, dass der Film sich sehr schnell einen grossen Stellenwert bei Cineasten erspielen wird.Das wird ganz klar ein Klassiker....
Western? Nein, künstlerisch wertvolle Doku!, 18. Juli 2008
Western? Zuallererst handelt es sich doch um eine Quasi-Dokumentation eines realen historischen Ereignisses bzw realer historischer Persönlichkeiten. Dass dieses Ereignis in der Ära des wilden Westens spielte, spielt praktisch nur in Sachen Garderobe eine Rolle; auch wenn sich die Macher natürlich alle Mühe gaben, die Zeit möglichst authentisch wieder auferstehen zu lassen.Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (die Aktion, nicht der Film) ist eine der großen Geschichten der Staaten, ein Mythos, eine Sage. Das Wichtige für mich an diesem Film ist, dass er die Waage der Historie, die durch Mythenbildung ins Ungleichgewicht gekommen ist, wieder austariert. Der Film erinnert uns daran, dass Popstar Jesse James (treffendes Casting, dass er vom Popstar Pitt verkörpert wird), der von der Nachwelt zum sexy Outlaw verklärt wurde, tatsächlich zuallererst ein unberechenbarer, gemeiner, mordender Verbrecher war. Und dass Robert Ford, für die Nachwelt nicht mehr als ein falscher, feiger, niederträchtiger Hundling, sehr wohl Schneid für seine Tat benötigte, die nicht zuletzt auch eine Art Notwehr war. Robert Ford wurde vom Volk gehasst, ermordet und vergessen, Jesse James posthum zum Volkshelden. Beides ist verkehrt. Dies zeigt der Film, bedächtig, aber in unausweichlicher Konsequenz, in beeindruckenden Bildern.
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