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Geht "Die Form" etwa den Bach runter? Das Gegenteil ist der Fall., 2. Februar 2008
Diese neueste Veröffentlichung von Philippe Fichot und Eliane P. zeigt einmal mehr, wie sehr sich "Die Form" in den letzten Jahren (angedeutet und teilweise vollzogen schon in In/ExHuman) von ihrem Fetisch/SM Themenbereich eher dem anspruchsvolleren, philosophischen und transzendenten Thema zugewandt hat. Denn nichts anderes ist ja Bach, der zu Lebzeiten gesagt haben soll, "Musik nur um Gottes Willen".
Hoch interessant kommt nun die Vermischung des industrial-elektrischen, diesmal noch etwas mechanischer als sonst anmutenden Stils von Fichot daher, der auf die mathematisch-polyphonen Kompositionen Bachs trifft. Ganz besonders gelungen kann ich die Interpretation der "BWV 1002 Partita Nr.1 in b Moll" bezeichnen, bei dem die Violine auf einem metronomartigen, futuristisch anmutendem elektronischen Hintergrundbeat aufbaut. Das Ergebnis klingt sehr atemberaubend, die ganze Partita wirkt wie ein einziger kontrastreicher Spannungsbogen.
Wie aber soll man so eine CD insgesamt werten und nach welchen Kriterien? Muss man Bach erweitern? Muss man ihn gar verbessern? Was ist das Kriterium für Bach? Dass die Musik berührt, vielleicht sogar die Seele berührt, dass die Musik mitreisst. Wie gut kann "Die Form" diesen Anspruch halten, und muss sie das überhaupt? Die Antwort ist kaum zu geben. Jedenfalls kann ich sagen, dass die Musik mich fesselt, und dass die Grundintentionen Bachs teilweise durchaus wiederaufleben.
Etwas enttäuscht bin ich von der weltbekannten "BWV 565 Toccata Nr 2 in d Moll" (bei der aber anscheinend mittlerweile Zweifel aufkommen, ob sie denn überhaupt sicher Bach zuzuordnen sei...), bei der das Violinenmotiv besser hätte herausgearbeitet werden müssen, sodass die Intensität insgesamt nicht stark genug ist. Nur dezent elektrisch verdrahtet ist sie nicht das Highlight, das ich mir vom "Bach Project" erwartet habe.
Bach, meine Hassliebe, zwischen musikalischer Präzision und analytischer Zärtlichkeit. Mir manchmal verhasst, weil ich ihn selbst zu oft auf dem Klavier spielen musste, während sich das Musikregal meiner Eltern mit ABBA und Schlagermusik begnügte. "Die Form" lässt ihn nun im modernen Gewand wiederauferstehen, wenn man ihn nicht sowieso als allgegenwärtig betrachtet.
Ich empfehle diese CD, weil man Bach in einem völlig neuen einzigartigen Licht zu sehen bekommt und sie handwerklich auf der klassischen Seite zumindest gut ist. Der verzerrte Gesang von Eliane fügt sich in die Stimmung der Lieder etwas eigenwillig ein.
Perfekte Symbiose , 28. Januar 2008
Nicht nur Die Form Fans werden von diesem Werk begeistert sein, so viel ist gewiß. Dieses Projekt ist eine stimmige Fortführung Ihres Schaffens und lässt sie durch Bach in voller dramaturgischer Wucht und Tiefe auferstehen. Die bei Bach naturgemäss nur hintergründige Erotik wird hier durch die Form voll zur Blüte gebracht! Einen wahnsinnigen Aufwand haben die beiden Franszosen hier betrieben und wer die dazu gehörende Aufführung auf den Bach Tagen in Leipzig verpasst hat, wird angesichts dieses akustischen Zeitzeichens in sein Kissen beißen müssen.
Absolut empfehlenswert also... haut rein!
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