Kundenmeinungen
Ein schönes Experiment; aber eben eher ein Kuriosum als eine Referenz, 23. Mai 2008
Wer von uns liebt nicht Schumanns Sinfonien. Und wer von uns hat nicht davon gehört (oder selbst herausgefunden), dass Schumann ein phantastischer Komponist, aber nicht der blendendste Orchestrierer der Musikgeschichte war. Was Wunder, dass ein anderes feinfühliges Genie versucht hat, die orchestralen Geniestreiche aufzupeppen, wie sie es (angeblich) verdienen: Gustav Mahler. Er liebte sowieso das Orchestrieren und Arrangieren (siehe Beethovenstreichquartette). Es ist bekannt, dass seine Versionen nicht ohne Kritik dastehen, das kennt man schon vom Hörensagen. Und nun können wir uns endlich selbst ein Urteil bilden: Riccardo Chailly, dem wir herrliche Mahlereinspielungen verdanken, hat das Experiment gewagt, die nicht mehr ganz authentischen Schumannsinfonien zu "vertreten".Also: Es ist manchmal sogar eine Freude, der feiner ausgearbeiteten Orchestrierung zu lauschen. Aber nach dem Durchhören aller vier Sinfonien kommt doch die Frage auf: Ist das noch Schumann oder ist das schon zuviel Mahler? Liegt es nun an mir, dass ich Schwierigkeiten habe, weil ich jahrzehntelang nur das Übliche kannte und mich jetzt nicht an das Neue, Ungewohnte gewöhnen kann? Viel zu oft klingen Stellen zu sehr danach, was man nicht als schumann'sch wiedererkennt. Zu oft fühlte ich mich an Stokowskis halb seriöse Streiche erinnert. Mahler hätte meiner Meinung nach mit "weniger" viel "mehr" erreicht und wäre Schumanns Stil damit treuer geblieben. Bei zu vielen Sachen drängt sich mir der Gedanke auf: Das hat Schumann einfach nicht so (plastisch? marktschreierisch?) geschrieben. Manche plakative Orchestrierung und sogar die an einer Stelle geänderte Harmonik gehen dann doch ein bisschen zu weit. Leidet hier die Seriosität des Experiments? Gut, man hat immer gewisse Eingriffe in die Werke der Komponisten gemacht, im guten Glauben, dem Werk zu dienen, wir hören das zum Teil gar nicht heraus. Ich würde dafür plädieren, das beste Fünftel aus Mahlers Änderungen zu übernehmen und den Rest beim Alten zu lassen. Jetzt werden Sie sagen: Ein Laie wagt Mahlers Genie zu kritisieren? Es besser zu wissen? Aber ja - aus heutiger Sicht! Mahler lebte in einem Zeitalter, in dem man daran glaubte: Je monumentaler, desto besser. Er orchestrierte Beethovenquartette mit der Begründung, Beethoven hätte sie sicherlich für Orchester geschrieben, hätten die Orchester damals ein Niveau wie die heutigen gehabt, und verkennt damit das Wesen der Streichquartette. - Da haben wir (Profis wie mehr oder weniger erfahrene Laien) heute doch mehr eine Philosophie der Authentizität (siehe z.B. auch in der Barockmusik), die unserer Meinung nach der Wahrheit (und den Intentionen der Komponisten) näherkommt als die damalige Philosophie zur Zeit Gustav Mahlers.Ich glaube, ich bleibe beim üblichen Schumann und seinen feinsten Einspielungen (Szell und Bernstein zum Beispiel). Auf die "Mahler-Edition" (klingt grossspurig) der Schumannsinfonien greift man dann doch seltener als Kuriosum zurück, der frischen Luft wegen. Schade. Aber schön wars, das zu hören. Danke, Riccardo.
Repertoirekostbarkeit, 8. Februar 2008
Schumann's Sinfonien revidiert von Gustav Mahler? Wie soll dass denn klingen? Das ist sicher die Frage die sich jeder stellt. Hervorragend ist die Antwort. Mahler hat hier nicht etwa versucht Schumann neu zu erfinden, sondern hebt die Strukturen der Kompositionen deutlicher hervor indem er die Parameter Artikulation, Dynamik und Orchestrierung behutsam seinen Vorstellungen anpasst. Dabei entsteht der Eindruck man höre diese Werke zum ersten mal, selbst wenn man sie schon auswendig zu kennen glaubt. Und so ist der Hörer endlich einmal in der Lage in Ansätzen Mahler's Ruf als Dirigentengenie nachzuvollziehen. Mag er an einigen wenigen Stellen etwas zusehr über das Ziel hinausschießen und dann Schumann tatsächlich wie Mahler klingen lassen, so muss man trotz allem sagen, dass diese Revisionen Mahlers's gutem Ruf als Interpret mehr als gerecht werden.Kommt noch die hervorragende Wiedergabe dieser Fassungen durch das Gewandhausorchester und das genial zupackende Dirigat von Chailly hinzu, so ergibt dies eine der faszinierendsten Gesamtaufnahmen dieser Werke, die je auf Tonträgern zu hören waren.Kaufen!
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