Kundenmeinungen
Wunderbarer Belcanto, 11. Januar 2008
Diese DVD ist sehr schön. Anna Netrebko überzeugt vollkommen, schauspielerisch ist sie wie für die Rolle geschaffen und auch sängerisch ist nichts (oder nur minimal wenig) auszusetzen. Dafür, dass es ihre erste Puritani ist und sie in dieser ROlle noch Erfahrung sammeln muss, absolut gar nichts. Es ist die beste Elvira, die ich bis jetzt gehört habe. Eine Stimme wie Honig, mit einer Klarheit, die besticht. Es stimmt einfach alles, auch die Atmung hat sich sehr verbessert bei Frau Netrebko (sicher man könnte immer noch etwas verbessern, doch dies hält sich hier doch sehr in Grenzen).
Mal kurz zur Geschichte:
Kurz gesagt, Elvira (Netrebko) soll einen Anhänger der Cromwells-der herrschenden "Partei"-heiraten, obwohl sie einen Unterstützer der Stuarts-Arturo-liebt. Sie erfährt jedoch von ihrem Onkel, dass ihr Vater endlich in eine Heirat mit ihrem Geliebten eingewilligt hat. Freudig zieht sie ihr Brautkleid an, muss dann jedoch sehen, wie ihr Bräutigam mit einer vermeintlichen Liebe -die die gefangene Königin der Stuarts ist und die er vor dem Tod retten will- flíeht. Vor Enttäuschung wird sie wahnsinnig. (1. AKT)
Hier kommt nun die große Wahnsinnsszene dieser Oper, in der Elvira zwischen Verzweiflung und Freude schwankt und so ihr grauenvolles Schicksal aufzeigt. Letztendlich kehrt jedoch der "Verräter" Arturo wieder heim, und nach einigen Komplikationen liegen sich beide schließlich in den Armen. (2. AKT)
Die Inszenierung gefällt mir ebenfalls sehr gut, eben MET-artig konservativ, wobei sie hier nicht überladen ist.
Eric Cutler könnte als Tenor wohl besser sein, aber (da es ja ein typischer Rossini und Bellini-Tenor ist) erträglich. Natürlich mit einer Netrebko nicht zu vergleichen, aber deswegen ist es ja auch ihre Rolle und ihr Auftritt.
An Eduardo Valdes und Franco Vasallo kann ich sängerisch nicht meckern. Mir gefiel ihre Darstellung sehr gut, obwohl eben zwischen den übrigen Sängern und Frau Netrebko ein deutlicher Unterschied offenbar wird: Während die Männer (denn außer Elvira gibt es keine wirklich lang auftretende Frauenrolle) der klassischen Sängertradition folgen, also sich hinstellen und singen, verkörpert Anna Netrebko die neue Sängergeneration: mit einer grandiosen sängerischen UND schauspielerischen Darstellung. Hier sieht man eben Klasse.
Trotz der recht dürftigen schauspielerischen Leistungen der übrigen Personen kann ich diese Puritani nur empfehlen, die nicht nur durch eine wunderschöne Musik besticht, sondern auch durch eine glänzende Netrebko!!!
Die Boni hinter den Kulissen sind tatsächlich recht dürftig, größtenteils Geplänkel. Die interessanten Fragen, von Renee Fleming, beantwortet Anna leider nicht-sei es aus Zeitmangel, Erschöpfung oder welchen Gründen auch immer. Jedoch ist es interessant, auch einmal die Statisten hinter der Bühne bei der Arbeit beobachten zu können, wenn auch nur im Hintergrund.
Was ich auch noch etwas dürftig finde, ist vielleicht, dass das Booklet "nur" in Englisch, Deutsch und Französisch verfasst ist. Wenigstens Spanisch hätten sie da wohl noch dazunehmen können. Naja, dafür gibt es als Untertitel Italienisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch.
Das Bild ist natürlich, entsprechend HD, sehr gut und von vollen Farben erfüllt (zumindest auf einem nicht HD-ready Fernseher).
Alles in allem: Eine sehr sehens-und vor allem hörenswerte Puritani mit einer Netrebko auf Höchstform!!!
Netrebko ist Weltklasse! Der Rest farblos!, 1. Januar 2008
Netrebko ist Weltklasse! Dafür gebe ich klar 5 Sterne. Besser kann ein Sopran nicht sein!
Der Rest der Besetzung jedoch hat neben der Netrebko nichts zu suchen. Schon traurig wie die Met momentan da steht.In Wien hätten diese mittelklasse Sänger jedenfalls nichts zu suchen.
Die schöne Anna in romantischer Ausstattung - und mit teilweise schwächelnden Partnern, 29. Dezember 2007
Bei der vorliegenden DVD handelt es sich um eine der ersten Live-Übertragungen der Metropolitan Opera, die seit letztem Jahr weltweit in Kinos und Radio übertragen werden. Eine aufregende Sache, und die Nervosität merkt man den Protagonisten anfangs auch ganz schön deutlich an, was aber meiner Meinung nach nicht schlimm ist und sehr verständlich ist. Sänger heutzutage brauchen wirklich Nerven aus Stahl.
Die Inszenierung von Bellinis "Puritani" stammt aus den Siebzigerjahren (die Premiere damals hatten noch Pavarotti und die Sutherland gesungen!) und ist dementsprechend klassisch, verschwenderisch ausgestattet und ein wahrer Augenschmaus. Verstaubte Rampensteherei würden die Anhänger des modernen Regietheaters sich wohl eher mokieren. Aber ich persönlich bin heilfroh, die wunderbare Netrebko auch einmal in einer "normalen" Inszenierung bewundern zu können, und sie ist darstellerisch absolut überzeugend und sieht in ihren Roben einfach hinreißend aus. Rein gesanglich bin ich hin- und hergerissen in meinem Urteil: ich halte die Netrebko von ihrer Anlage mehr für einen lyrischen Sopran. Die Brillanz der Koloraturen läßt ein wenig zu wünschen übrig und die Spitzentöne werden im ersten Akt nur mit Mühe erreicht und auch nur kurz gehalten - sicher auch aus nervlicher Anspannung. Im zweiten Akt scheint sich das gelegt zu haben und die große Wahnssinnsszene gelingt ihr packend und überzeugend. Auch die große Kantilene des "Qui la voce" scheint ihr besser zu liegen als "Son vergin vezzosa". Alles in allem eine sehr schöne Leistung, nicht ganz so virtuos wie Gruberova und Sutherland, aber darstellerisch und von der Schönheit des Timbres wundervoll.
Die männliche Riege vermag nicht ganz so zu überzeugen. Franco Vassallo und John Relyea singen vorwiegend schön und strahlend, sind aber darstellerisch etwas blasse Persönlichkeiten.
Eric Cutler in der horrend schweren Tenorpartie als Arturo ist eher zu bemitleiden. Er sieht attraktiv aus und passt optisch hervorragend zur Netrebko, kämpft aber deutlich mit seinen Nerven und der hohen Tessitura der Partie. Er bewältigt sie zwar gerade noch, aber Pavarotti darf man da nicht im Ohr haben. Schade, dass für die Produktion nicht Juan Diego Floréz zur Verfügung stand.
Die kleinen Rollen sind mit der fabelhaften Enrichetta von Maria Zifchak und dem schön timbrierten Bruno von Eduardo Valdes hochwertig besetzt.
Als Bonusmaterial ist ein köstliches Radiointerview mit der verstorbenen Beverly Sills und eine Backstage-Führung, moderiert von Renèe Fleming (!) enthalten, die auch in den Pausen die Netrebko interviewt. (Bewundernswert, was diese Frau für Nerven hat, dass sie sich auch noch in den Pausen mit der Kamera verfolgen lässt).
Fazit: keine Jahrhundertvorstellung, aber eine sehr schöne Puritani-Aufnahme in traditionellem Gewande. Und für Anna-Fans ohnehin unentbehrlich.
new economy, 27. Dezember 2007
Globalisierung der Oper heisst, weltweite Vermarktung. Man kann sich ins Kino setzen und eine live Aufführung aus NY ansehen. Oder eben eine DVD davon kaufen. Da sehen wir bei den Extras banales Geplänkel zwischen einer Rundfunkmoderatorin und einer ständig kichernden Beverly Sills, die den armen Tenor bedauert und meint, Bellini habe dieser Stimmgattung eins auswischen wollen. Oder wir sehen Renée Flemming mit dem stage director, dessen Wortschwall sie nur mühsam bändigen kann. Zwischen den Akten huscht sie bei der Netrebko herein und tauscht mir ihr Banalitäten aus. Wir sehen nicht nur auf die Bühne, sondern auch hinter die Bühne, der Schlussapplaus wird ausführlich dokumentiert und beweist einmal mehr, welche ein Medienprofi die Netrebko ist- allerletztes Bild, zwei hochgereckte Daumen nach tosendem Schlussapplaus.
Das Bühnenbild, verrät, vielleicht unfreilich, der stage director, ist Jahrzehnte alt-unübersehbar.
Die sängerischen Leistungen, ausser der Netrebko, die wirklich sehr gut ist, entsprechen vielleicht dem Niveau der MET, aber hört man dagegen Serafin aus dem Jahre 1953 mit Sängern der Scala, darf man schreiben, arme MET.
Nur Netrebko ist gut, 26. Dezember 2007
Also wer nur auf Netrebko steht, ist gut bedient. Sie ist sensationell gut, alle Töne sind brilliant und ihre Stimme ist glasklar.
Die Inszenierung finde ich auch gut.
Jedoch: Butler ist eine echte Enttäuschung. Schwache Stimme, unschönes Timbre, schlechter Schauspieler.
Auch die anderen sind nicht auf dem Niveau, das Netrebko als Mitspieler verdient. Sie werden am Ende besser, aber mehr als OK sind sie nicht. Es ist die erste DVD bei der ich ernsthaft denke, sie wieder zu verkaufen.
|