Kundenmeinungen
Geniale Doppelsicht, 9. Januar 2008
Schon allein für die Idee ein Thema aus zweierlei Sicht zu betrachten, hätte Eastwood einen weiteren Oscar verdient. Zum Inhalt will ich gar nicht mehr viel sagen. Vorherige Kritiken haben einen schönen Einblick in die jeweilige Story gegeben. Während Flags of our Fathers die PR-Maschinerie der Amerikaner beleuchtet und das eigentliche Kriegsgeschehen eher in den Hintergrund rückt, wartet Letters from Iwo Jima mit der Studie einzelner Charaktere auf. Doch halt, auch "Flags" bleibt nicht oberflächlich. Die Skizzierung der Hauptfiguren wird sehr schön und ausführlich betrieben. Nicht verarbeitete Kriegserlebnisse, die sich in Form von übermäßigem Alkoholkonsum äußern, verwirren den einen Charakter. Selbstdarstellung mit Anleihen von Narzissmus sind bei einem anderen erkennbar.
"Letters" hingegen geht nicht nur auf die Charaktere ein, sondern beleuchtet auch, so gut es geht, die Tradition und Mentalität der Japaner. "Es ist nicht patriotisch keine Fahne am Haus zu haben, um die Verbundenheit mit dem Kaiserhaus zu demonstrieren!" oder "Ich dachte immer, die Amerikaner sind emotionslose Barbaren. Aber sie schreiben Briefe an ihre Mütter, genauso wie wir!" Diese beiden (zugegeben sehr frei rezitierten) Zitate beschreiben den ganzen Film. Mag Flags of our Fathers etwas oberflächlicher erscheinen als der Film aus japanischer Sicht. Erst zusammen ergeben sie ein einzigartiges Meisterwerk - auch immer dann, wenn der eine Film den anderen zitiert. Herausragend Ken Watanabe als befehlsführender japanischer General, der typisch japanische Gepflogenheiten wie den rituellen Selbstmord nach einer verlorenen Mission mit Fassungslosigkeit hinnimmt, weil er jeden Mann benötigt, um mit der amerikanischen Invasion fertig zu werden.
Zwei Seiten eines Kampfes, 30. Dezember 2007
Wann hat man schon mal die Möglichkeit, beide Seiten eines solchen Kampfes zu beobachten - und dabei sich selber, die die Sympathie sich von Film zu Film verschiebt.
Spielt "Flags of our Fathers" zentral in den USA und dokumentiert den "Heldenzug" der Flaggenaufsteller von Iwo Jima, so dokumentiert "Letters from Iwo Jima" in beklemmender Weise die Vorbereitung und den Kampf aus Sicht der Japaner. Dabei werden Böse und Gute beider Seiten zum Teil gut charakterisiert, aber manch eine Figur bleibt blass und ungreifbar.
Schade, dass Eastwood nicht die Chance genutzt hat, die Verknüpfung beider Filme durch die Parallelität von Szenarien noch enger zu fassen. Gelegenheit dazu wäre sicherlich genug gewesen.
Erfreulich, dass auch der Film über die japanische Seite nicht zu einer einseitigen Darstellung der Amerikaner geworden ist, sondern den japanischen Nöten und Ängsten, aber auch den Auswirkungen der Kultur genug Freiraum lässt.
Sehenswertes Double Feature - mit brauchbaren Extras.
Ausgewogen gezeichnetes Schlachtenbild., 7. Dezember 2007
Im asiatischen Denken bedingen sich Yin & Yan gegenseitig und werden zusammen erst ein Ganzes. Und so zeichnet auch "Flags & Letters" erst durch beide Filme ein ausgewogenes Bild über die Schlacht um die öde, doch strategisch bedeutsame Pazifik-Insel Iwo Jima. Dominiert durch einen von Tunneln durchzogenen, zur Festung ausgebauten Berg, gibt Iwo Jima GI's und Japanern durch seine schiere geographische Lage gleichermaßen Grund für einen erbitterten Kampf.
Für die US-Amerikaner endet dieser Kampf ebenso verlust- wie erfolgreich. Den größten Erfolg erzielt dabei jedoch die amerikanische Kriegspropaganda, denn durch eine Laune des Schicksals entsteht während der laufenden Kampfhandlungen eine der bekannteste Fotografien der Geschichte: das Aufrichten der US-Fahne durch eine Gruppe zufällig anwesender Soldaten. Den weiteren Weg dieses kleinen Haufens weg von der Front, hin zur heimischen Propagandafront, schildert "Flags of our fathers" in der Hauptsache. Und so bestimmen weniger actiongeladene Kriegshandlungen den Film als vielmehr Dialoge zwischen innerlich zerrissenen "Kriegshelden", deren Angehörigen und PR-geilen Schreibtischtätern. Die nie angestrebte Popularität setzt den Flaggenhissern mehr zu als der Feind; der so nicht gewollte Ruhm zerbricht sie.
"Letters from Iwo Jima" dagegen dokumentiert in kargen Farben das noch kärglichere Leben und sinnlose Sterben der japanischen Inselverteidiger. Ohne Aussicht auf Unterstützung von Aussen und dem Feind zahlenmäßig weit unterlegen, ermöglichen es alleine großer Mut und die intelligente Strategie der kaiserlichen Offiziere, den anlandenden Marines überhaupt nennenswerten Widerstand leisten zu können. In Rang übergreifenden Einzelschicksalen dokumentiert Regisseur Clint Eastwood den Kampf der japanischen Truppen im Wissen um den sicheren Tod. Und so wird letztlich das "ehrenvolle Sterben in der Niederlage" zum einzigen und letzten taktischen Kriegsziel. Ein Heldenmut, der meist nicht aus den Soldaten selbst kommt sondern von oben angeordnet wird. Doch für junge Männer, aufgewachsen in der Tradition und mit dem Kodex der Samurai, ist der angeordnete Selbstmord unausweichliche Pflicht und darf nicht infrage gestellt werden. So beginnt in den Höhlengängen des Festungsberges ein sinnloses Handgranaten-Harakiri, noch sinnloser als der grundsätzlich schon sinnfreie Krieg.
Man muss beide Seiten zu Wort kommen lassen um sich ein halbwegs ausgewogenes Urteil erlauben zu können. Diese Regel findet mit den beiden sehr unterschiedlichen Antikriegsfilmen eine filmische Umsetzung. Frei von Patriotismus jeglicher Färbung, ohne Pathos oder Glorifizierung und ohne erhobenen Zeigefinger ist es Eastwoods lobenswerter Ansatz, die Motive, Handlungen und Fehler beider Seiten wertfrei zu dokumentieren, Verständnis für das Handeln von Menschen zu wecken im unverständlichen Moloch Krieg.
Bei all dem bleibt bei mir jedoch der Eindruck hängen dass "Letters from Iwo Jima" der eigentliche Film war, den Eastwood drehen wollte. Der Ausgewogenheit zuliebe ergänzt durch das relativerende "Flags of our fathers". Die Geschichte der Iwo-Jima-Kämpfe aus japanischer Sichtweise ist der weitaus atmosphärischere, ergreifendere, anspruchsvollere Teil des Film-Doppels. Wirkt das Kämpfen aus US-Perspektive doch manchmal eher wie ein herkömmliches Schlachtengetümmel mit vergleichsweise oberflächlich skizzierten Figuren, so werden bei "Letters" die Personen viel eindringlicher, detailreicher, greifbarer gezeichnet. Die Charaktere der japanischen Soldaten, ob einfacher Infanterist oder General, werden messerscharf herausgearbeitet, fast schon seziert - wodurch sich eine unglaubliche Nähe zu den Figuren ergibt. Ihre Gedanken im Kampf, manifestiert in der Feldpost, vermischt mit eingestreuten Rückblenden auf das zivile Leben in Friedenszeiten, ergeben eine ergreifende Studie der Bestie Krieg am Beispiel von Einzelschicksalen. Pars pro toto!
Daher erhält "Flags" von mir drei Sterne, das Meisterwerk "Letters" deren fünf. Im Gesamten gebe ich fünf Sterne, da man beide Filme als Gesamtwerk sehen muss und dieses Gesamtwerk die Höchstwertung verdient.
Was das rein Technische betrifft, so kommen beide Filme dem momentanen Trend geschuldet mit stark reduzierten Farben und künstlich überhöht aufgesteiltem Kontrast daher. Viel dunkle Bildanteile also und blasse, fast schon nicht mehr wahrnehmbare Farben. Kann man mögen, muss man nicht. Ich mag's eher weniger, ebenso wie die häufig eingesetzten, durch ihre malerische Anmutung sofort erkennbaren CGI-Effekte. Aber auch Eastwoods Budget hätte sicher nicht ausgereicht, die amerikanische Riesenflotte im Original wieder auferstehen zu lassen. Daher verständlich und hinzunehmen.
...eine wunderbare Idee und eine geniale Umsetzung, 2. Dezember 2007
FLAGS OF OUR FATHERS
...eine gelungene Gratwanderung
Eingebettet in die Erinnerungen an ein, von gnadenloser Propaganda inszeniertes Heldentum und an die realen Kampferlebnissen junger bis jüngster Soldaten gelingt Eastwood eine soweit ungeschönte und reale Darstellung einer schmerzlichen Erfahrung über das Überleben und ded, im Dienste des Staates gewaltsamen Tode einerseits und das zielorientierte Anheizen von Emotionen und Kriegsbegeisterung andererseits. Wohl selten wurde bis jetzt die, auf amerikanischer Seite erfolgte Instrumentalisierung von Menschen zum Zwecke eines Krieges oder einer Kriegshandlung so deutlich und unverblümt, ja gerade grotesk und ohne jegliches Pathos gezeigt.
Auf hohem Niveau bannen ständig wechselnde Spektakel und Charakterstudien grandiose und drastische Bilder von Leiden und Farce auf die Leinwand, vor einer, jeweils meisterlich gewählten Kulisse und mit hervorragend agierenden Schauspielern.
LETTERS FROM IWO JIMA
...eine leise Geschichte über einen gigantischen Selbstmordbefehl
In diesem schmerzhaften Pendant zu "Flags of our Fathers" wird den japanischen Toten posthum ein tief ergreifendes Denkmal gesetzt. In einem nahezu schwarz/weiß Film zeigt Clint Eastwood in einer kleinen, düsteren Palette von Farben konzentriert und faszinierend ein Figurenkabinett über den Antagonismus von Heldentum und Aufrichtigkeit sowie von Grausamkeit und Ergebenheit.
Die Menschen durch die klaustrophobische Extremsituation auf das Elementarste reduzierend konzentriert sich dieses erneute Meisterstück reflektorisch und dissonant auf die Inszenierung eines Kriegsschauplatzes mit ihren inter- und intraindividuellen Auseinandersetzungen und Überlebenstrieben sowie auf die Auseinandersetzung mit dem Bekannten und dem Fremden.
Ein geradliniger und genialer Film, mit exzellenten Hauptdarstellern und einen tiefen Eindruck in die Welt der hilflos Eingeschlossenen und ihrer Surrealität.
Mr. Eastwood - erneut ein Meisterwerk !!!, 24. November 2007
Hi volks,
wer bereits die Filme "Erbarmungslos" und besonders "A million dollar baby" von Clint Eastwood kennt, weis welch grandioser Regisseur er ist.
Zwar haben die Filme nichts vom Stoff gemeinsam, sind sie jedoch alle grandios bis ins letzte Detail inszeniert.
Mich fasziniert mit welcher Klasse er ein solches historisches Ereignis nicht als Schlachtengemetzel, wie es sie schon zur genüge gibt, sondern als Homage an die Menschlichkeit darstellt.
Ganz entscheidend für mich ist jedoch die Tatsache dass er beide Seiten zu Wort kommen läßt und der Zuschauer beide Seiten des Krieges zu sehen bekommt, was besonders wichtig im Bezug auf die U.S.A ist.
Ich kann mich hier nur den Vorschreibern anschließen und Mr. Eastwood meinen Respekt zollen. Unbedingt die Reihenfolge einhalten und mit "Flags of our Fathers" beginnen.
Fazit: Grandios gemachtes Kino in einer sehr guten Box-Version mit viel Hintergrundmaterial. Ich möchte auch an solche Kunden appellieren, die nicht unbedingt Kriegsfilme mögen, diese können hier ohne Bedenken zugreifen, sie werden überrascht sein !!!
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