Kundenmeinungen
Geschichte mehr umgearbeitet als umgesetzt, 23. August 2008
Zugegebenermaßen habe ich mir diese DVSs nur wegen Jeremy Northam angesehen, und an dieser Begründungsstruktur hat sich auch nichts geändert. Dass an der Geschichte einiges ungearbeitet wurde, ist ja für eine dramatische Umsetzung verständlich und akzeptabel, aber wie dies getan wurde ... .Jonathan Rhys Meyers ist schlicht fehlbesetzt er vermag weder Interesse oder Mitgefühl zu erwecken, noch wirkt seine Wut jemals überzeugend; ihm gelingt es einfach nicht, seine Persona eines Rockstars des 21. Jahrhunderts zu überwinden und einen König zu spielen. Natalie Dormer gibt leider eine sehr unsympathische Anne Boleyn, was eher zum Abschalten als zum Hinsehen motiviert. Sehr gut ist hingegen Sam Neil als Kardinal und Kanzler mit gemischten ethischen Auffassungen, mit dem man dennoch Mitgefühl entwickelt. Überragend ist die Darstellung des Thomas More durch Jeremy Northam, dem man nur wünsche, er wäre in einer besser umgesetzten Serie gelandet; seine Darstellung des grundehrlichen, dadurch gefährdeten More ist so überzeugend wie bewegend. Nur seinetwegen werde ich mir wohl auch die ersten 5 Teile der 2. Staffel ansehen.Das Drehbuch ist leider ausgesprochen schlecht und besteht beinahe nur aus Klischees, Bei den Dialogen handelt sich bereits im englischen Original um eine Aneinanderreihung von Banalitäten, und die Häufung von für die Handlung völlig überflüssigen Szenen "eindeutigen" Inhalts weist darauf hin, welches Niveau man den Zuschauern zutraut. Bedauerlich. Wirklich grässlich fand ich persönlich übrigens auch den wenig subtilen Vorspann von der historisch schon schmerzhaften Verwendung elektronischer Instrumente für die Musik ganz zu schweigen.Leider sind auch die Extras der DVD - eigentlich nur einige sehr kurze Interviews - ausgesprochen enttäuschend.
Naja... ganz nett, 4. Juni 2008
Jonathan Rhys Meyers ist gewöhnungsbedürftig als Henry VIII, allerdings finde ich die Wahl nicht schlechter als Eric Bana (The other Boleyn Girl / Die Schwester der Königin)- beide haben wenig mit dem historischen Vorbild gemein - wie mein Vorredner sagte, geschichtlich eher etwas zu viel "creative license" aber im Ganzen ein unterhaltsam gemachtes Spektakel, dass dummerweise dort endet, wo die Geschichte des Monarchen richtig interessant zu werden beginnt - zumindest leistet diese Version genug um Henry nicht als Abziehbild eines Monarchen darzustellen, sondern dem Umstand gerecht wird, dass er bereits in jungen Jahren ein Tyrann war, der mit viel Charm seine Feinde oder potentiellen Verräter eingelullt und dann hingerichtet hat oder sehr gekonnt sein Mäntelchen in den gerade wehenden politischen Wind gehängt hat - je nachdem, wer gerade der Lieblingsfeind war.
Darstellung der Geschichte im Stile Hollywoods, 20. Februar 2008
Ich war durch die Rezensionen vorgewarnt und nur dadurch nicht enttäuscht. Bedauere es nur, denn man hätte aus dem Stoff weitaus mehr machen können. Stimme also zu: es ist eine nette, unterhaltsame Serie -im Stile Hollywoods. Nicht mehr, nicht weniger. Will man den Film ertragen sollte man auf Dokumentation und Historie nicht allzuviel Wert legen und an Unterhaltung keine allzugroße Ansprüche (etwa Witz, Phantasie und geistreiche Dialoge) stellen. Ein paar Details zur Bewertung:Die historischen Personen und Ereignisse sind sehr verzerrt und auch- wenn man im Sinne der künstlerischen Freiheit Spielraum zulässt- zu stark "interpretiert". Es wird mehr Wert auf teils affektiert wirkendes Zurschaustellen denn auf realistische Darstellung gelegt. Auf eine optisch halbwegs passende Besetzung wurde verzichtet: ein kleiner, nahezu schmächtiger, glattrasierter König, eine stupsnasige Anne Bouleyn und eine dunkelhaarige, leicht herbe Katharina entsprechen wohl mehr den heutigen Vorstellungen davon, wie eine ältere spanischstämmige Königin oder eine Verführerin zu sein haben. Dass Anna gar nicht so jung war, als sie den König heiratete kann man noch verzeihen. Dass sie zu einer fast stummen Geliebten, zum liebenden Opfer und Spielball ihres Vaters und Onkels verkommt, nicht. Eine Kostprobe ihrer überlieferten Scharfzüngigkeit, ihrer Schlagfertigkeit und ihrers Ehrgeizes hätten dem Ganzen (auch "nur zur Unterhaltung") ein wenig mehr Leben und Esprit gegeben. Nur ein Beispiel dafür, dass die bild- und charakterbezogenen Abbildungen der historischen Personen mit den Darsteller leider wenig bis gar nichts gemeinsam haben. UND ein Beispiel darauf, dass man damit auch einen guten Unterhaltungsstoff ungenutzt lässt. Die Figur des Königs ist, wie bereits anderswo beschrieben, komplett fehlbesetzt, weitaus mehr hätte man nur daneben greifen können, wäre Heinrich VIII. von einer Frau gespielt worden. Es ist eben ein Unterschied, ob ein breitschultriger Mann von 1,90 m mit vollem, rotblondem Haar und Bart im Thron sitzt, den Raum betritt, durch die Gänge schreitet (siehe Lord Buckingham), kämpft, die Beherrschung verliert und Möbel zertrümmert oder ob dies ein leicht feminin wirkender Mann von 1.78m tut. Die schlechte Besetzung wird nicht durch die schauspierische Leistung ausgeglichen: hier SPIELEN Personen des 21.JH, Figuren aus dem 16 JH NACH. Weder Sprache, noch Haltung entsprechen einer Person aus der damaligen Zeit. Alles wirkt nur nachgemacht, gekünstelt, gespielt, es kommt weder Spannung, noch Dramatik rüber. Ein übriges tragen sicherlich die teils zu bekannten Gesichter bei. Rhys Meyers enttäuscht meines Erachtens auf ganzer Linie, wirkt er doch meist, als drehe er gerade einen neuen Werbespot für Boss in historischen Gewändern.Die Sterne im Einzelnen:Kostüme und Set: 3-4Besetzung: 0Schauspielerische Leistung: 1-2Historientreue: 2Unterhaltungswert: 3Empfehlung, sich den Film anzuschauen: ja, wenn man einfach nur Unterhaltung wünscht und schon lange auf einen "Historienfilm" à la SISSI gewartet hat.
Historisch nicht korrekt aber unterhaltsam und fesselnd.., 3. Februar 2008
Wer sich in der tudorschen Zeit auskennt, wird öfter als einmal den Blick zur Zimmerdecke wenden... Das Treffen mit Franz I., das Verhältnis mit Bessie Blount...mit Mary Boleyn...der Tod von Henry Fitzroy...die Ehe seiner Schwester Margarete mit einem alten König von Portugal.. alles völlig falsch wiedergegeben. Margarete zum Beispiel heiratete James von Schottland und war glücklich mit ihm. Während seine Schwester Mary diejenige war, die in den sauren Apfel bzw. in das Bett eines alten Königs von Frankreich beißen musste..Aber nur für 92 Tage.. und heiratete dann...im Film wie in der Wirklichkeit ..Charles Brandon!Der Schauspieler, der Heinrich wiedergibt, ist gewöhnungsbedürftig. Heinrich war stolz auf seine Behaarung, sowohl auf Brust, als auch im Gesicht.. Aber zur heutigen Zeit entspricht der Schauspieler wohl wieder dem Schönheitsideal - wie damals Heinrich mit Haaren von oben bis unten!Außerdem war der echte Heinrich über 1,90 m groß! Dieser hier wird maximal 1,79m messen! Es ist verwirrend, wenn alle anderen größer sind, als er. Aber gut. Er spielt gut, obwohl mich der wahnsinnige Blick etwas abstößt... sei}s drum. Sam Neill als Kardinal Thomas Wolsey ist eine Offenbarung, genau wie Königin Katharina von Aragon! Super!! Die echte war weniger facettenreich! Es kommt leider auch nicht so richtig heraus, dass das Aufflackern erster Verliebtheit im Jahre 1526 von Heinrich zu Anne war und erst 1533 die Ehe mit Königin Katharina für ungültig erklärt wurde, da Anne mit Elisabeth schwanger war. Es waren für die beiden Liebenden also 7 lange Jahre des Wartens und Bangens! Die Serie kehrt das nicht so richtig heraus. Es werden auch keine Jahreszahlen angezeigt. Ansonsten ist die Geschichte fesselnd! Die Kostüme sind toll, die Schauplätze realistisch nachempfunden. Da es um Heinrich und Anne geht, fehlt mir persönlich Annes Verlobter Henry Percy, dessen Verlobung Wolsey 1525/26 auf Geheiß von Heinrich auflöste, obwohl Anne und H. Percy sich liebten! Percy taucht garnicht erst auf. Schade! Aber auch mit den vielen Fehlern ist die Geschichte um die Entstehung der anglikanischen Kirche und der späteren jungfräulichen Königin spannend genug. Das gibt die Serie auch wieder. Die Sprache ist gut verständlich, die Untertitel gut wiedergegeben. Also für jemanden, der sich für Heinrich interessiert, empfehlenswert. Aber jemand, der mehr über Annes Schwester erfahren möchte, wird enttäuscht, sie taucht nur zweimal auf.
Aus der Geschichte eine gute Geschichte gemacht, 26. Januar 2008
Betrachtet man die Aspekte dieser Serie jeweils einzeln, dann könnte man meinen sie verdient den historischen Titel absolut nicht. Die zeitliche Reihenfolge von Ereignissen hat nicht sehr viel damit zu tun wie es tatsächlich (wahrscheinlich) abgelaufen ist. Auch die Sprache der Charaktere entspricht nicht der Zeit. Einiges ist schlicht erfunden oder extrem verzerrt.Und nun kommt das große "aber". Zusammen ergibt alles trotzdem eine Interpretation die sehr glaubwürdig wirkt und die Essenz der Geschichte ähnlich gut vermittelt wie akurate Historik. In den Details wird die damalige Zeit - trotz einiger Anachronismen - ziemlich realistisch dargestellt. Zwar wird kein Englisch aus dem 16. Jahrhundert gesprochen, aber was für eine Rolle Förmlichkeit und Rangordnung in Gesprächen gespielt haben wird hier besser vermittelt als in manchen Historienfilmen. Insgesamt bekommt man einen guten Eindruck wie sich die damalige Gesellschaftsstruktur aus verschiedenen Perspektiven angefühlt haben muss.Zu guter letzt ist die Handlung spannend (weil man eben nicht im Geschichtsbuch nachsehen kann was als nächstes geschehen wird). Sehr ansehnliche Kulissen und Kostüme. Darsteller und Darstellerinnen natürlich noch ansehnlicher. Eine noch bessere Wertung verhindert für mich mein einziger Kritikpunkt: der zeitliche Ablauf ist teilweise zu unklar. Auch weil die Darsteller soweit nicht sichtbar altern ist oft nicht klar erkennbar wie viel Zeit verstreicht.
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