Kundenmeinungen
Wunderbar, 22. November 2007
Die neue Weakerthans schliesst sich nahtlos den früheren Werken der Band an. Es ist eine Schande dass solche Bands nicht den Ihnen zustehenden kommerziellen Erfolg bekommt. Wie bsp. KENT oder Eskobar. Anyway. Wer auf wunderschöne Melodien und anspruchsvolle Texte steht sollte hier sofort zugreifen.Die Tour kommt im November. See you there Weakerthans !
Melancholisches für den Herbst..., 7. November 2007
Lange hat es gedauert, bis die kanadische Band ein neues Album auf den Weg gebracht hat, und der erste Eindruck ist änhlich wie bei den Vorgängern. Es klingt zunächst nett, aber nicht spektakulär, und lang ist die Platte auch nicht. Aber - und auch dies ist eine Gemeinsamkeit mit den Vorgängern - 'Reunion Tour' wächst, wenn man sich nur Zeit nimmt für das Album. Zeit, um die Poesie zu entdecken, die in den Melodien, in der Stimme, und zu guter letzt in den Texten liegt. Die Band schafft es, kreativ und anspruchsvoll zu schreiben, ohne aufgesetzt oder gewollt intellektuell zu erscheinen. Da erläutert eine Katze ihrem zur Depression neigenden Besitzer, warum sie sein Heim verlassen hat, obwohl sie seine Nähe genossen hat, und ein Busfahrer ist dazu verdammt, alle zwei Stunden an dem Haus vorüberzufahren, in dem sich ein geliebter Mensch - vielleicht für immer - verabschiedet hat. Und im Kleinen werden anrührende Geschichten erzählt. Man ist nicht immer in der passenden Stimmung für diese Musik, aber wenn man es ist, dann gibt es wenig Vergleichbares. Wärmstens empfohlen.
I'm so glad that you exist, 29. September 2007
Hach ja, die Weakerthans. Vier lange Jahre haben sie uns nach "Reconstruction Site" warten lassen, jetzt schenken sie uns wieder neue Musik, und es fühlt sich so an, wie wenn man nach langer Zeit wieder bei seiner Familie ist. Viel mag passiert sein in der Zwischenzeit, hier ist alles vertraut, als sein man nie weg gewesen. Hier fühlt man sich geborgen, zu Hause und man muss sich nicht verstellen. Man ist einfach.Auch die Weakerthans sind einfach. Und einfach so, wie sie sind. Und jeder kennt diese Momente im Leben (Sex, Waldspaziergänge, mit Kindern spielen, Spiegelei und Bratkartoffeln essen), da erkennt man einfach, dass die ganz einfachen Dinge unschlagbar die besten sind. Genau diese Erkenntnis holt einen beim Hören dieses Albums auf Schritt und Tritt ein. Diese Songs, die einen mit ihrer vermeintlichen Schlichtheit und unspektakulären Unaufgeregtheit erst mal zweifeln lassen, ob sich der Albumkauf wirklich gelohnt hat, genau diese Songs krallen sich mit tausend Widerhaken am eigenen Herzen fest, so dass sie auf Dauer Teil von einem selber werden. Genau wie auf den drei Vorgängern ist jeder Song das ganz große Gefühlskino- realisiert mit einfachsten Mitteln und bar jeder Hollywood-Formel. John K. Samson ist ein Magier, der kleine Schnappschüsse aus dem Alltag ganz gewöhnlicher Menschen zu kurzen Texten zusammenfügt, und daraus lebensgroße Epen erschafft. Beispiele gefällig? In "Relative Surplus Value" erlebt der gestresste Dotcom-Geschäftsmann den Zusammenbruch seiner gesamten bisherigen Wertewelt mit ein paar lapidaren Worten: "I'm down 12 points, and they're selling.(...) by the time the market opens in Tokio I'll be worthless." Um danach hilfebedürftig wie ein kleines Kind bei einer nicht näher spezifizierten nahen Person anzukriechen: "I know we haven't talked in a while, but ... would you please come get me?"Es gibt ein Wiedersehen mit Virtute, der poesiebegabten Katze, die schon auf "Reconstruction Site" für einen der ganz großen Momente gesorgt hatte. Diese hat ihr frustriertes Herrchen zugunsten eines Streunerlebens verlassen und richtet ein paar letzte Worte an ihren ehemaligen Gefährten: "....I'd let you brush my matted fur. How I'd knead into your chest while you were sleeping. Shallow breathing made me purr. But now I can't remember the sound that you found for me." Jene anrührenden Zeilen lassen mich jedesmal wieder meinem Katerchen ein paar dieser Weakerthans-typischen Happysad-Tränchen in sein Fell weinen. Und das waren jetzt nur zwei Beispiele. Darüber hinaus gibt es vertonte Edward Hopper-Gemälde, ein Epitaph für einen wunderlichen Eishockey-Torwart, eine ironische Betrachtung über reformierte 80er-Hardrock-Bands, und und und. Darüber hinaus sollte man aber nicht vergessen, dass es sich bei den Weakerthans um eine Musikgruppe handelt. Und auch wenn beim ersten Hinhören alles beim alten ist, muss man ihnen eine gelungene musikalische Weiterentwicklung attestieren, auch wenn sie ihren Stil nicht gleich umschmeissen. Die findet im Kleinen statt, wenn die Weakerthans Trompeten, Glockenspiel, Keyboardstimmen und obskure selbstgebaute Instrumente integrieren. Begrüßenswerterweise lässt Stephen Carrol die Pedal Steel meist in der Ecke, die nur bei "Utilities" zum Einsatz kommt. Nicht zu vergessen der beeindruckende Albumeinstand von Bassist Greg Smith, dessen Linien die Songs nicht nur begleiten, sondern -wie etwa in "Night Windows"- mitunter tragen. Kurzum, jedes Detail auf dem Album ist erfreulich. Was aber nichts gegen dieses Ganze ist, das auch hier viel mehr als die Summe der eigenen Teile ist.Für Nichteingeweihte ist es beim Erstkontakt schwer zu verstehen, warum gerade die Weakerthans die wahrscheinlich beste Band der Welt sind. Wer aber "Fallow", "Reconstruction Site" und besonders "Left and Leaving" kennt und diesen Wunderwerken genauso verfallen ist wie ich, für den kann es auch für "Reunion Tour" nur ein Fazit geben: ein glücklich geseufztes "Hach ja, die Weakerthans", das so viel mehr aussagt als jede umständliche Erklärung.
Winnipeg Revisited, 14. September 2007
Vier Jahre mussten wir diesmal auf einen neuen Output der immerguten Kanadier warten. Vier Jahre - viermal Herbstwetter ohne die adäquate musikalische Untermalung. Denn wohl keine andere Band ist in der Lage den optimalen Soundtrack für diese Jahreszeit zu kreieren. Vier Alben haben sie uns bereits geschenkt. "Fallow" hieß das Debütalbum und beinhaltete bittersüße Poppunk-Hymnen und introvertierte, reduzierte Singer-Songwriter Perlen. Der Nachfolger "Left And Leaving" darf mittlerweile zu den besten Alternative Alben der letzten Jahre gezählt werden. Ein düster-poetisches Meisterwerk mit Songs, die auch nach dem hundertsten Durchlauf Gänsehaut erzeugen und den Hörer in entsprechender Stimmung zu Tränen rühren. Songs zwischen Punk, Folk und Indie deren lyrische Vielschichtigkeit literarische Ausmaße annimmt. Songwriter John K. Samson schrieb Texte und erschuf Figuren die einen für den Rest des Lebens begleiten. Drei Jahre nach dem Meisterwerk kamen die Kanadier mit ihrem dritten Album "Reconstruction Site" um die Ecke. Und diesmal hatten sie einen folkigen Pop-Appeal im Gepäck, der nur auf den ersten Blick die Tiefe des Vorgängers vermissen ließ. Mit der Zeit wuchs auch das dritte Album zum unverzichtbaren Begleiter für sämtliche Gelegenheiten an: Man konnte sich dazu wunderbar mit Freunden besaufen, dann heulend in den Armen liegen und die ganze Melancholie am Ende mit einem trockenen Whiskey runterspülen. Und jetzt? Was konnte nach drei Meisterwerken noch kommen? Erst mal kann man getrost Entwarnung geben. Viel geändert hat sich nichts. Mr. Samson schreibt nach wie vor erstaunlich anrührende Texte. Vielleicht bessere als je zuvor. In die Musik selbst schleichen sich ein paar Keyboards und Synthies. Doch bevor das jemanden abschrecken könnte sei erwähnt, dass sich diese kleinen Experimente nahtlos in den Weakerthans Kosmos einfügen. Die ersten Durchgänge könnten durchaus etwas enttäuschend sein. Irgendwie bleibt nichts so recht hängen. Und nach knapp vierzig Minuten ist die Platte vorbei. Doch der Kenner weiß, dass Weakerthans Album einem guten Wein gleich ein bisschen Zeit brauchen. Und siehe da: Nach ein paar Durchgängen fließen spätestens bei "Virtute the cat..." die ersten Tränen. Generell hat die Winnipeg Institution mit dieser ergreifenden Ballade um die selbstreflexive Katze Virtute einen Song für die Weakerthans Hall Of FAme geschrieben. Beeindruckend mit wie wenig Aufwand die Band innerhalb von Sekunden sämtliche Körperhaare zu Berge stehen lässt. Nach sanft perlendem Beginn erreicht "Virtute" mit einem Mal den Klimax. Und was für einen! Die Gitarren beginnen sich zu verzerren, das Schlagzeug beginnt ein wenig zu scheppern, John singt etwas lauter als sonst... und alle Dämme brechen. Wenn schließlich das Gitarrensolo am Ende sowohl Song als auch Zuhörer noch mal bei der Hand nimmt öffnen sich die geschlossenen Augen und die Traurigkeit des Gehörten macht grenzenloser Euphorie Platz. Mit Sicherheit einer der besten Songs des Jahres. Auch poppige Quasi Hymnen, wie "Sun in an empty room" oder "Relative Surplus Value" drücken unaufdringlich aber bestimmt durch die Gehörgänge ins Langzeitgedächtnis. "Night Windows" sorgt mit repetetiven Drumming, sanftem Gitarrenpicking und perfekter Melodieführung für angenehme Wehmut und weiche Knie. Der Abschluss "Utilities" zeigt die Weakerthans noch mal in Bestform und ein anfangs seltsam zähes Stück wie "Reunion Tour" schickt einen durch den plötzlichen Einsatz von wundersamen Flöten innerhalb von Sekunden in die Wolken. Generell scheint das Album die ganze Zeit über zu schweben. Irgendwie unwirklich schön erklingt ein Banjo und wir erfahren vom bewegten Leben des Eishockeyspieler "Gump Worsley". Verstimmte Trompeten aus den Tiefen von Nirgendwo begleiten "Bigfoot" und ein unverschämter Pop-Appeal macht am Ende auch den eigentlich standardisierten Opener unverzichtbar. Knarzende Schaukelstühle, ein kühler Wind bläst dir ins Gesicht, das Feuer im Kamin knackt wohlig und durch die vom Frost beschlagenen Fenster siehst du eine Welt, die am Ende gar nicht so übel ist, wie du vorher dachtest. Denn wenn du die Tür öffnest und sie betrittst, fallen dir die Geschichten von John K. Samson ein, die dich traurig machen, aber im selben Moment immer einen Mantel um dich wickeln, der wärmer nicht sein könnte. Und du wirst glücklich. Denn genau das machen die Weakerthans auch auf ihrem vierten Album: glücklich.
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