Kundenmeinungen
Regie?, 11. August 2008
Die musikalische Aufführung finde ich gut, bis sehr gut, die moderne Inszenierung lehne ich ab. Wie eingangs bereits erwähnt, Kauf auf CD genügt vollkommen. Schade
Der Maestro und sein Protagonist, 20. Juni 2008
Mit Plastron erscheint der Maestro Santi im Orchestergraben: Ganz ein Grande."Wie viele «Rigoletto»-Aufführungen mag Nello Santi geleitet haben, seit er 1951 mit dieser Verdi- Oper sein Dirigentendébut gegeben hat? Doch auch für ihn scheint die Partitur immer noch neue Facetten bereitzuhalten, noch mehr Farben, noch mehr dynamische Schattierungen. Sein Impetus ist unvermindert, der höfische Glanz kommt ebenso zur Geltung wie der Überschwang der Liebenden, doch über allem liegt der schreckliche Fluch, der sich an Rigoletto vollzieht. Das Orchester hat am Ende einer langen Saison nochmals mit aller Konzentration und in animierter Musizierlaune gespielt. Denn schliesslich war diese Premiere eine verspätete Hommage zum 70. Geburtstag des beliebten Zürcher Maestro"Hört man das Produkt, ist bestes Kapellmeister-Tun zu beobachten. "Zitti,Zitti" habe ich schon schneidiger gehört ( Hengelbrock), und Chailly in der berühmten Inscenierung von Ponelle muss sich hier auch gar nicht verstecken. Aber: es ist ein absolut hohes Niveau, das Santi hier bietet.Leo Nucci, sein Protagonist, ist mit dieser Rolle bestens vertraut."Rigoletto» ist im Laufe von 30 Jahren und 400 Vorstellungen auch für Leo Nucci ein Teil seiner selbst geworden, wobei am Anfang eine Aufführung steht, in der seine mit der gemeinsamen Tochter schwangere Frau die Gilda sang! Wie hat sich sein Verhältnis zu dieser Figur geändert? Vor allem, meint Leo Nucci, habe sie sich im Laufe der Zeit verinnerlicht; er habe sich beständig von der effektreichen, äusserlichen Geste entfernt, konzentriere sich heute bei stets knapperer szenischer Darstellung immer mehr auf die Suche nach dem Wort in der Musik - die ja alles enthält: die äusseren wie die inneren Vorgänge, untermalend und kommentierend. Und schon gibt Leo Nucci eine ganze Reihe von Beispielen, die bei weitem nicht nur die Figur des Rigoletto betreffen, und stellt nebenbei unter Beweis, dass er die gesamte Oper, jede noch so kleine Note, Harmonie, Orchesterfarbe in- und auswendig kennt."Es ist schon unglaublich,wie sehr er diese Partie sängerisch noch ( er war immerhin 64) beherrscht. Aber in dieser Rolle möchte ich ihn auch sehen. Die gequälte Kreatur, die ihren Hass herausschreit, die von der Trauer vernichtet wird. Unglaublich, wie sehr Nucci in dieser Rolle aufgeht, wie perfekt er sie spielt. Allein wegen dieser Leistung lohnt sich die Anschaffung dieser Produktion. Kunst kommt von Können. Hier ist ein Könner ersten Ranges am Werk.Deswegen kann auch die Inscenierung, die ich ebenfalls nicht gerade für beeindruckend halte, zu keinen Abzügen führen. Zu den anderen Sängern will ich nichts weiter schreiben.Polgar halte ich für eine Fehlbesetzung. Ein Schurke ist der nicht. Aber:Nucci allein ist die Anschaffung bereits wert.
Nicht zu fassen: eine erträgliche Operninszenierung aus Zürich !!, 7. Mai 2008
Die kleine Züricher Bühne bemüht sich seit Jahren mit allen Kräften, Opern zu verfremden und zu ridikülisieren und scheut keine Kosten, die üblichen Opern hassenden Regisseure zu verpflichten. Alles, um die Feuilletonisten zu befriedigen und die Opernliebhaber zu verstören.Erstaunlicherweise findet man in dieser Produktion ein Zugeständnis an das Publikum: nichts ist verfremdet oder absurd, die Protagonisten agieren "normal" und spielen gut. Daß die Handlung (teilweise) in die Entstehungszeit verlegt wurde ist zwar unverständlich aber erträglich. Der leidgeprüfte Opernliebhaber ist schlimmeres gewöhnt.Zumal das musikalische Niveau hervorragend ist.Maestro Santi dirigiert einen idiomatischen Rigoletto und die Hauptpartien sind glänzend besetzt. Der ewig junge Leo Nucci bewältigt die Titelrolle, eine Herausforderung für jeden dramatischen hohen Bariton, mit immer noch fester und höhensicherer Stimme.Eine tolle Leistung mit Mitte 60, da können die wenigsten jüngeren Fachkollegen mithalten.Piotr Beczala (duca) und Elena Mosuc (Gilda) bieten Interpretationen, die ihresgleichen suchen. In der (kleinen) Rolle der Maddalena hätte ich mir eine weniger belanglose Stimme gewünscht: immerhin ist ihre Beteiligung an dem wundervollen Quartett wichtig!
Teilweise gute bis überragende sängerische Leistungen + nichtssagende, teilweise lächerlich-kitschige, statische "Regie-Arbeit", 5. April 2008
Diese relativ neue DVD-Einspielung von Verdis überaus beliebten und geschätzten Werk "Rigoletto" (Opernhaus Zürich) sollte man lieber nur anhören, statt anzuschauen, zumal die hier zu sehende "Regiearbeit" die Ästhetik vergangener Jahrhunderte vertritt... (Es tut sich im Prinzip nichts auf der Bühne, Personenführung und ein klares Regiekonzept sind weit und breit nicht zu erkennen: Langeweile, oberflächliche Gesten und Kitsch pur!)Dennoch befindet sich die musikalische Seite dieser Aufnahme auf mehr als nur beachtlichem Niveau. Das Dirigat des Altmeisters Santi ist (wie immer!) ein wahres Erlebnis, ein Genuss. Unter den Solisten findet man die Sängerlegende L. Nucci in seiner Paraderolle des Hofnarren. Nucci sorgt auch hier für Sternstunden. "Seine Bühnentocher" ist die bezaubernde schweizerische Sopranistin rumänischer Herkunft: E. Mosuc, eine wahre dramatische Koloratur-Stimme. Frau Mosuc liefert hier eine ergreifende Rolleninterpretation der Gilda, gekoppelt mit stimmlicher Perfektion und technischer Brillianz! (BRAVA!!!)Während P. Beczalas Duca di Mantua zwar (musikalisch betrachtet) erster Klasse ist, bleibt er den Zuschauern eine differenzierte Rollengestaltung vollkommen schuldig. Herr Beczala ist im Spiel viel zu passiv, unbeteiligt und distanziert: den feurigen "Liebhaber, den Schurken und Weiberhelden" nimmt man ihm einfach nicht ab - er wirkt insgesamt viel zu harmlos!Die Comprimarii wurden teilweise rollendeckend (Sparafucile), teilweise auch nur mässig (Maddalena!) besetzt.
Leo Nucci als berührender Rigoletto, 20. Februar 2008
Der einzige am Manuaner Hof, der normale menschliche Züge trägt, ist der Hofnarr Rigoletto - zumindest in Verdis gleichnamiger Oper. Kein Wunder, dass Doris Dörrie diesen einmal als Mensch unter Affen inszeniert hat. Der Belgier Gilbert Deflo macht es in seiner Zürcher Inszenierung nicht ganz so kraß, aber dafür auch nicht minder eindrücklich. Das liegt vor allem an dem berührenden Spiel Leo Nuccis in der Titelrolle. Wie er dem Narren Zerbrechlichkeit und Würde verleiht, das ist schon eine großartige schauspielerische Leistung. Und musikalisch zeigt er sowieso Weltklasse. Manche Kritiker bemängeln ausgerechnet hieran, Nucci sei für die Rolle eines Buckligen zu stimmgewaltig, doch ist diese Kritik lächerlich: ein röchelnder Greis würde die wunderbaren Arien, Duette und Ensembles kaputtmachen! Deflo siedelt die Handlung zur Zeit der Werksentstehung an; die Uraufführung fand im März 1851 im Fenice in Venedig statt. Die Handlung basiert auf einer skandalträchtigen Novelle Victor Hugos, in der ein französischer König als Frauenheld dargestellt wurde, viele hatte diese Sichtweise damals empört. Verdi musste auf Druck der Zensur den König zum Herzog degradieren und dachte überraschenderweise auch gar nicht ihm, sondern dem Hofnarren die Hauptrolle zu, in dessen Tochter Gilda sich der Herzog verliebte und die Rigoletto vergeblich vor diesem zu schützen suchte. Neben Nucci ist ein überaus interessanter Nachwuchssänger zu hören, der sich ganz ohne Medienhysterie gerade erstaunlich weit nach vorne arbeitet: Piotr Beczala als Herzog. Der bescheidene und sehr sympathische Pole aus dem Süden des Landes beackert gegenwärtig das lyrische Tenorfach mit wohltuender Frische und Leichtigkeit. Seine Stimmführung ist elegant, er hat einen wunderbar warmen Schmelz in der Stimme bei gleichzeitig sehr virilem Timbre. Es macht Spaß, ihm dabei zuzusehen. Doch die Bühne gehörte ohne Zweifel Altmeister Leo Nucci.
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