Kundenmeinungen
Eine Dezemberplatte, 13. Februar 2008
Während das 2007er Comeback der Eagles allenthalben zelebriert wird, ist die größte lebende amerikanische Songwriterin auf leiseren Sohlen zurückgekehrt aus dem selbstgewählten Exil der Musikbusiness-Verweigerung. Für mich ist das die wesentlich größere Überraschung, und "Shine", ihr erstes Album mit neuem Material seit 1998, läßt kaum Wünsche offen. Okay, die ersten Lieder, insbesondere der instrumentale Opener, kommen ein wenig prätentiös daher, doch spätestens mit dem Einsatz von Brian Blades butterweichen Drums bin ich dieser Platte verfallen. "Shine" ist eine Dezemberplatte, die mich umhüllt wie eine wohlig wärmende Wolldecke, die Trost und Zuversicht spendet. Joni brilliert als Multiinstrumentalistin an Piano, el. und ak. Gitarren, scheut sich auch nicht, 80er-Jahre-Synthis einzusetzen, die den atmosphärischen Arrangements oft ein ambivalentes Flair geben, ist für Produktion und Art Direction verantwortlich und für alle Kompositionen sowieso. Faszinierend, wie sich ihre Stimme mit mittlerweile 64 Jahren gewandelt hat - ein reifes, brüchiges Timbre, dem man sich kaum entziehen kann. Mit dem 7 1/2-minütigen Titelstück liefert sie nachgerade einen der Übersongs des Jahres, unfaßbar, wie sie mich damit vom ersten Ton an in eine bessere, gütigere Welt entführt.
neues von joni mitchell , 28. Januar 2008
alben von joni mitchell sind immer wieder und immer noch eine spannende angelegenheit. ihr musikalischer wandlungsprozeß hat sie über die jahre ihres schaffens nun also zu "shine" geführt.großartiges songwriting (wer erwartet anderes); die unverwechselbare stimme der "späten" mitchell; die texte ein wenig rauher, aber in gewohnt lyrischer manier, einfangende musik, vorzugsweise (subjektiv!) als untermalung für einen ruhigen abend.was andere bereits anmerkten - der einsatz der elektronischen elemente wirkt anfänglich mitunter diletantisch. (allerdings bin ich mir fast sicher, daß mitchell dies genau so haben wollte.) wie auch immer - nach häufigerem hören werden selbst diese klange stimmig.nun, "shine" ist nicht "blue" oder "hejira" oder "court & spark" oder... wozu auch - diese alben gibt's schon. von joni mitchell. mit "shine" hat sie ein neues, anderes meisterwerk geschaffen."one week last summer", "if i had a heart", "hana", "night of the iguana", "shine", "if" - in meinen ohren schwerpunkte im stimmigen gesamtpaketempfehlenswert!
Getragen und gemessen, 12. Januar 2008
Ja, es ist in der Tat enttäuschend, das bei der Instrumentierung auf billigste Keyboardsounds zurückgegriffen wurde und beinahe jedes Stück in der gleichen Tonart bleibt. Die Geschlossenheit und Sprödigkeit die das Album dadurch bekommt hat allerdings auch was, und ich glaube nicht, das JM das alles nicht wohl überlegt hat. Kein Höhepunkt ihres Schaffens, aber trotzdem ein ehrenwertes Album der ehrwürdigen alten Dame und schön, das es überhaupt wieder noch eines gibt... (Meine Favoriten: Schine, Night of the Iguana, This Place)
Peinlich - im Hinblick auf Vergangenes, 27. November 2007
Nachdem ich jede Joni Mitchell Platte habe und selbst ihren Rock-Aufnahmen aus den 80ern noch etwas abgewinnen kann, ist diese CD leider zum ersten Mal peinlich.Peinlich, weil Joni (aus welchen Gründen auch immer) auf billige Factory Samples in drittklassigen Keyboards ausweicht, anstatt entweder einen richtigen Arrangeur zu beauftragen (wie z.B. Vince Mendoza) oder eben kleinere Brötchen zu backen.Daß hier selbst die Trompete mit Harmon als Keyboard-Sample benutzt wird, anstatt einen Trompeter für eine halbe Stunde ins Studio zu bitten, ist peinlich.Zu allem Übel sind die Stücke fast alle von gleicher Bauart, meistens sogar in der gleichen Tonart... es tut sich musikalisch gar nichts.Die CD hört sich an, wie eine billige Homerecording-Produktion eines Joni Mitchell-Fans, der sich die Songs ausgedacht hat und Joni am Ende drübersingen durfte - sehr unschön.Die Produktion hat wahrscheinlich nur ein Zehntel der letzten gekostet - man hat wirklich an allem gespart. Am schlimmsten aber ist der mangelnde Einsatz von echten Musiker. Selbst eine "richtige" Drumcomputernummer ist dabei, bei man sich noch nicht einmal die Mühe gemacht hat, ein paar fills zu programmieren: Ein zweitaktiger Groove läuft das ganze Stück unverändert durch.Die einzige Erklärung, die ich für dieses Debakel habe, ist, daß Joni von irgendeinem Schlaumeier belabert wurde, daß die eighties wieder "in" seien... Das Ergebnis kann man höchstens unter dem Aspekt "je trashiger, je besser" ertragen - aber wirklich anhören kann man sich die CD nicht.
Großartig, 18. November 2007
Ich habe aber vor "Shine" keine CD (oder Platte) von Joni Mitchell gekauft. Ich fand sie immer ganz nett, vor allem, weil sie in Ihrem Genre einen "irgendwie" qualitative Ausnahme darstellt. Vergleiche, mit wem auch immer, passen praktisch nie. Wenn Sie aber Joni Mitchell nicht kennen und sich fragen, ob diese CD die richtige sein könnte, könnte der Hinweis auf eine gewisse Ähnlichkeit mit Norah Jones nützlich sein (bitte nicht gleich Steine werfen). J.M. ist eine inzwischen ältere Dame. Wenn die wunderbar talentierte Nora sich viel Mühe gibt, ein wenig Glück und die richtigen Berater hat und auch so alt wird, dann...... kann ihr auch mal so was gelingen wie "Shine", das Titelstück der CD. Dieser Titel ist vollkommen überragend, und wer Nora Jones mag (der Vergleich ist deshalb erlaubt), wird nach mehrmaligem Hören den unfassbar unprätentiösen Vortrag dieses schlichten Meisterwerk lieben. Das ist das Ergebnis von 50 oder 60 Jahren gelebter Hochbegabung. Die macht sich so dezent Luft, daß es vielleicht am Ende nur wenige werden, die das genießen können. Die Erwartung der Mehrheit selbst an diese Art von Fast-Mainstream-Musik ist halt von Quietsch-Gören aus DSDS und anderen schwer geschädigt. Ich kann nur annehmen, daß die Haltung, die diesen Vortrag ermöglicht auch für den Sound der CD mit(?)verantwortlich ist. Sie klingt teilweise furchtbar; gut, für meine anspruchsvollen Ohren. Hat sie die im Keller auf dem PC produziert? Auch die Instrumentierung ist teilweise - sagen, wir minderwertig. Das kann ihr, den Musikern oder gar dem aalglatten James Taylor ja aber nicht entgangen sein. Ich glaube eher, daß es sich "irgendwie" um Vorsatz handelt. Vielleicht hätte die spezielle Atmosphäre dieses Kleinods auch sehr gelitten, wenn der Klang auf High-Tech-Niveau gewesen wäre. Das ist aber auch vollkommen egal. Weil: "Shine" würde ich in Mittelwellenqualität kaufen.
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