Kundenmeinungen
Ein starker Film - revisited, 3. Oktober 2008
Der Film ist in Hochglanzoptik gedreht, passend zum Lebensstil der der Gesellschaft, die er behandelt: Die englische Oberklasse Anfang/Mitte der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er schildert den Eskapismus zweier Menschen, die in der Öde ihres Luxuslebens steckengeblieben sind - mit verheerenden Folgen. Gedreht nach einer Literaturvorlage von Evelyn Waugh. Ich habe den Roman nicht gelesen, aber einiges spricht dafür, dass der Regisseur Charles Sturridge ihn als recht schonungslose (wenn auch subtile) Gesellschaftskritik aufgelegt hat. Im wahren Leben (Historie) war es die schwarze Zeit der Weltwirtschaftskrise am Vorabend des 2. Weltkrieges, die ganz Europa und Amerika mit außerordentlichen sozialen Verwerfungen gebeutelt hat. Aber die kommen im Film gar nicht vor. Die portraitierte Gesellschaft hat so abgehoben gelebt, dass sie solche profanen Sachen nicht wahrnehmen mochte, und eben dieses wird abgebildet. Die Gesellschaft wickelt sich von selber ab, sie wird nicht von außen gestürzt. Vor 20 Jahren hat mich der Film sehr beeindruckt, aber irgendwie hatte ich vergessen, warum. Den größten Teil der Handlung hatte ich ebenfalls vergessen. Nun ist der starke Eindruck wieder da, und die DVD war in der UK-Importfassung als Schnäppchen zu bekommen.Zum Plot: Nach 7 Jahren Ehe mit Tony (James Wilby) ist die junge Frau Brenda (Kristin Scott-Thomas), Mutter eines kleinen Jungen, vom praktischen Nichtstun auf dem stattlichen Familiensitz - ein paar Zugstunden von London entfernt - zu Tode gelangweilt. Sie will sich in London eine Stadtwohung nehmen, denn dort gibt es Kunst, Kultur, ihre Schwester, die Clubs und die Gesellschaft, was der Ehemann, so meint sie, sofort und selbstverständlich versteht. Er erhebt auch keinen Widerspruch und lässt sie ziehen. Bloß befremdet ist er schon, als er hört, dass die Wohnung winzig ist, gemessen am Familienstatus und gewohnten Standard. Was er nicht weiß, nicht wissen soll und als Allerletzter erfährt ist der Umstand, dass er selbst dort unerwünscht ist und dass die Vermieterin (Judy Dench) eine Kupplerin ist, die ihren mittellosen Sohn und Taugenichts (Rupert Graves) in die Upper Class schleusen will. Die gelangweilte Brenda hat gar nichts dagegen. Sie nimmt den jungen Mann als Lover und bezahlt seine Rechnungen aus dem Geldbeutel ihres Ehemanns. Immer seltener besucht Sie ihren Mann und das verstörte Kind. Die Tragödie kommt schleichend daher. Als der Junge beim Reiten tödlich verunglückt, ist nichts mehr zu retten. Alle Freunde und Bekannten des gehörnten Tony haben von der Affaire gewusst und sie gedeckt. Jetzt winden sie sich in oder aus ihrer Mitverantwortung und Tony verschwindet angewidert nach Brasilien auf Expedition. Dass er im Urwald auf Nimmerwiedersehen verschollen geht, bricht mit Wucht über alle herein, auch ihn selbst. Aber er lebt. Bloß wie! Das werde ich nicht verraten. Ein richtiges Sahnestückchen für den interessierten Betrachter. Dafür hat der Regisseur gesorgt, dass sich keiner die Tragödie als seelenwürgendes Melodram 'reinziehen kann. Und Sir Alec Guinness hat einen Auftritt.Ein starker europäischer Film - revisited.
Hab auf das Ende gewartet, 12. September 2008
Schade! Aufgrund der Zusammenfassung und der Darsteller (Alec Guiness, Kristin Scott Thomas, Judi Dench) hatte ich mich auf einen schönen DVD-Abend eingestellt. Pustekuchen! Die Handlung plätscherte dahin. Die Geschichte ist zwar ganz interessant, konnte mich aber nicht packen. Auch das aprupte, offene Ende fand ich schade.2 Punkte für die gute Darstellung der Hauptdarstellerin, die ihre Wandlung glaubwürdig rübergebracht hat.
Ausgezeichnetes Kostümdrama, schwache DVD, 9. Oktober 2007
"Eine Handvoll Staub" von Charles Sturridge, nach dem Roman von Evelyn Waugh, erzählt von einem englischen Ehepaar, das auf einem riesigen und seelenlosen Landsitz vor sich hinlebt. Während sie (Kristin Scott Thomas) aus lauter Langeweile eine Affäre mit einem Emporkömmling (Rupert Graves) beginnt, spürt ihr Mann (James Wilby), dass sein Leben an ihm vorbeizieht. Als eine persönliche Tragödie die beiden heimsucht, trennen sich ihre Wege, aber das Glück ist immer noch weit entfernt..."Eine Handvoll Staub" ist den Werken der berühmten Merchant/Ivory Produktionen ("Howards End" oder "Maurice") sehr ähnlich, legt viel Wert auf Details einer vergangenen Epoche und ist verschwenderisch ausgestattet. Die Psychologie der Figuren ist differenziert, als Zuschauer kann und soll man keine der Figuren wirklich mögen, zu sehr sind sie alle mit sich selbst beschäftigt, während sie im Wohlstand dahinvegetieren und falschen Zielen nachjagen. Selbst der Bruch mit diesem Wohlstand, der spät einsetzt, kann nichts mehr an ihrem verpfuschten Leben ändern. Somit ist "Eine Handvoll Staub" alles andere als ein plüschiger Wohlfühlfilm. Er erzählt von verlorenen Träumen und gescheiterten Lebensentwürfen ebenso wie vom nahenden Zusammenbruch des Klassensystems. Getragen wird der Film von einem erstklassigen Darsteller-Ensemble, angeführt von der immer wunderbaren Kristin Scott Thomas, die einer ehebrecherischen und gelangweilten Figur noch menschliche Tiefe abgewinnen kann und nie ihre Würde verliert. Im besten Moment des Films erfährt sie vom Tod eines geliebten Menschen und flüstert "Gottseidank", weil sie befürchten musste, dass es ihren Liebhaber erwischt hat. Dieser Faux Pas geht tief unter die Haut. James Wilby spielt glänzend den unreifen Mann, der nie erwachsen geworden ist und immer noch bedauert, dass er sein Leben nicht meistern kann, was zu einer katastrophalen Entscheidung im letzten Drittel der Geschichte führt. Rupert Graves spielt hier den Liebhaber von Wilbys (Film-)Ehefrau Scott Thomas - eine amüsante Besetzung, spielte er doch kurz zuvor in "Maurice" den Liebhaber von - eben, James Wilby! In Nebenrollen glänzen Anjelica Huston, Judi Dench und Alec Guiness.Zu erwähnen ist noch die großartige Musik von George Fenton, welche die große Traurigkeit der Charaktere und die Sehnsucht nach einem besseren Leben unterstützt. Für den Liebhaber britischer Kostümdramen eine absolute Perle des Genres, auch wenn der Film hierzulande nie wirklich bekannt geworden ist.Zur DVD: Die DVD weist leider einige Mängel auf, die zwar die Qualität des Hauptfilms nicht schmälern, aber trotzdem ärgerlich sind. Bild-und Tonqualität sind nur durchschnittliches VHS-Niveau. Zwar ist der Film anamorph codiert, aber das Bild ist unsauber, und das 16:9-Format ist künstlich hergestellt, was dazu führt, dass reihenweise Köpfe abgeschnitten werden (und das bei einem Film mit so ausgezeichneter Kameraführung, ein Jammer!). Die Farben sind blass und verwaschen, und dem deutschen Ton fehlen deutlich die Bässe. Der englische O-Ton ist auf jeden Fall vorzuziehen, zumal die Ansammlung britischer Top-Schauspieler ohnehin im Original angeschaut werden sollte, ABER hier handelt es sich nur tatsächlich um eine OmU-Fassung, d.h. die deutschen Untertitel sind nicht ausblendbar! Das sollte nun im Jahre 2007 wirklich nicht mehr sein, zumal die Untertitel auch noch zu weit oben arrangiert sind und quasi mitten im Bild hängen. Dazu kommt noch, dass man die Tonfassungen nicht per Fernbedienung umschalten kann, sondern über das Menü gehen muss (Warum??). Ärgerlich, unnötig, überflüssig. Dafür gibt es den Punktabzug, auch wenn der Film selbst erstklassig ist. Die Aufmachung der DVD im Schuber ist sehr hübsch, aber man hätte besser mit dem Inhalt liebevoller umgehen sollen.
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