Kundenmeinungen
Wieder viel Musik fürs Geld !, 15. Oktober 2007
Deutlich experimenteller und auch frickeliger als beim Vorgänger 'Paradox Hotel' gehen die Herren um Roine Stolt hier zu Werke, der bis auf eine Nummer alles selbst komponiert hat und für das Mastering als auch für die lustige Cover-Konzeption verantwortlich ist.
Es ist das zehnte Studio-Album der Flower Kings in zwölf Jahren, und man kann auch hier wieder kaum von Ermüdungserscheinungen sprechen, da Roine Stolt - unlängst 51 Jahre alt geworden - wohl zu den wenigen Musikern gehört, die die Fähigkeit besitzen, lange, hochkomplexe Stücke zu komponieren und vor allem zu arrangieren, ohne das das Endergebnis wie Stückwerk klingt. Nebenbei ist er ein interessanter Sänger, beherrscht etliche Instrumente und ist in erster Linie ein hervorragender Gitarrist - auf dieser neuen Scheibe mit den aus meiner Sicht besten Figuren und Solopassagen, die ich je von ihm gehört habe.
Doch ohne die anderen exquisiten Musiker dieser Formation wären die Flower Kings nicht das, was sie sind: Eine echte Progressive-Rockband mit völlig eigenständigem Stil, die die 70er längst hinter sich gelassen hat. Auf keinen Fall sollten hier - trotz aller Genialität - Frank Zappa oder King Crimson als Vergleich herangezogen werden, denn die Flower Kings sind bei aller Experimentierfreude niemals derart destruktiv. Und auch nicht - wie bei einigen Scheiben von Zappa aus den 70ern - vordergründig, weil die Texte in den meisten Fällen in einem hohen moralischen und humanistischen Kontext zu sehen sind, was bei sehr vielen der sogenannten Prog-Bands der alten und neuen Zeit nicht oder nur bedingt der Fall ist.
Trotzdem kommt 'The Sum Of No Evil' meiner Meinung nach nicht an das absolut organische und über weite Strecken genial-hymnische Album 'Paradox Hotel' heran, weil - bei aller Liebe zu Fusions-Rock - hier musikalisch, gerade in Bezug auf die Keyboards, etwas zu dick aufgetragen worden ist.
Etwas weniger wäre letztlich mehr gewesen, obgleich der über 24 Minuten lange Titel 'Love is the only answer' unabhängig von seiner Komplexität und Länge ein unglaublich starkes, frisches und schönes Stück ist, was allein den Kauf dieser Scheibe rechtfertigt !
Da sind sie wieder!, 12. Oktober 2007
Ha, ' hätte ich nicht mehr gedacht! Nach Unfold the future kam nicht mehr viel und viel wurde auf hochstem Niveau einfach runtergeleiert. Aber wer hier sagt, dies sei eine weitere Scheibe, dieser Folge, der hat nicht richtig hingehört.
Vergessen wir alles nach Unfold mal und betrachten nur dieses Album. Was wir haben ist mehr, als ein Anknüpfen an Flokitradition! Sie haben sich wirklich weiterentwickelt! Mit den letzten Scheiben haben die Mannen um Stolt für diese Scheibe geübt! Klar hat diese Band ihren typischen Sound gefunden. Was gibt es daran auszusetzen? Zumal ich der Meinung bin, dass dieser hier konsequent erweitert wird. Ganz neue Muster und eine gewisse Grimmigkeit möchte ich ausmachen! Ich finde, diese CD bietet viel Neues und Spannendes. Dies ist in meinen Augen nach World of Adventures, Retropolis und Unfold eine der besten Scheiben der Flowerkings! Proggt aus allen Ecken und Enden.
Der Höhepunkt bisher., 4. Oktober 2007
Diese Band kennt keine Grenzen. Zwar führen sie die Tradition der großen Art-Rock Bands der 70iger Jahre, wie YES, GENESIS, KING CRIMSON und GENTLE GIANT fort, doch lassen sie sich von deren Sound eher inspirieren als diesen einfach zu kopieren. Und so haben die Flower Kings ihren ganz eigenen Stil-Mix erfunden, einen ganz eigenen Sound, der so vielfältig ist, daß man immer wieder Neues auf ihren Alben entdecken kann. Keine andere Band schafft es so melodiös wie die Beatles oder Abba zu klingen um gleich darauf in einen Jazz-Fusion Jam zu springen oder vertrackte Instrumental-Schlachten in cinemascopartige Soundlandschaften münden zu lassen.
Gingen sie mit "Paradox Hotel" einen etwas gemäßigteren Weg hin zu kürzeren und kompakt-melodiöseren Stücken, vollziehen sie hier wieder eine Kehrtwende hin zu langen, ausufernden Suiten, randvoll mit den abwegigsten Ideen. Neu sind sicherlich die vielen zappaesquen Spuren, die sich durch viele Stücke ziehen und viel zu der etwas flotteren und positiven Atmosphäre des Albums beitragen.
Die Band spielt befreiter auf denn je. Die instrumentale Umsetzung ist selbst für diese Band diesmal mehr als beindruckend. Ein großer Gewinn ist auch die Rekrutierung des ehemaligen Drummers Zoltan Csrösz, der hier eine atemberaubende Leistung abliefert.
Die Band hat sich im Laufe der Jahre einen beachtlichen Back-Katalog erarbeitet, Unmengen an Songmaterial hat sich auf bisweilen stark ausufernden Doppel-Alben angesammelt, für das hauptsächlich Flower Kings-Kopf Roine Stolt verantwortlich war. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, wenn dem Zuhörer und Kenner der Band einiges vertraut erscheint.
Denn viel Neues bietet die Band eigentlich nicht. Aber die Spannung und den Enthusiasmus den sie über 78 Minuten entwickeln, sind selbst in ihrer Diskografie einzigartig.
Vom Opener "One More Time" bis hin zum (aufgrund seiner mehrstimmigen Gesangseinlagen stark an Yes erinnernde) Finale "World In Motion", bietet die Band einen in sich sehr geschlossenen Streifzug durch das Flower King Universum.
"Love Is The Only Answer" ist seltsamer Weise der wohl straighteste Titel des Albums und das trotz einer Länge von über 24 Minuten. Das sehr melodiöse Haupthema wird immer wieder mit neuen Teilen rafiniert verbunden und bleibt dadurch recht überschaubar. Hier gibt es auch einige schöne fusionartige Jams, die eine unglaublich relaxte und erhebene Stimmung verbreiten. Ganz große Klasse.
Die beiden kürzeren Songs, das sehr schöne und traurige "Trading My Soul" und das circusartige Intrumentalstück "Flight 999", durchbrechen das homogene Gefüge des Albums nicht, denn auch hier wird musikalische Kunst auf hohem Niveau geboten.
Den absoluten Höhepunkt stellt für mich "The Sum Of No Reason" dar.
Ein völlig aberwitziges und genreübergreifendes Monster, das einen immer wieder mit seinen eruptiven Instrumentalpassagen überrascht und begeistert. Dieser Song beinhaltet all das was ich an progressiven Rock schätze.
Die Special Edition bietet 3 weitere Titel und 2 Videoclips. Die Bonustitel sind deutlich eingängiger, und insbesondere "The River" kann aufgrund seiner hohen Eingängigkeit überzeugen. Das recht rockige "Turn The Stone" und das Gitarrenstück "Regal Divers" können mich ebenfalls überzeugen. Die Videoclips sind leidlich informativ, bieten aber einen kleinen Einblick in die Studioaufnahmen und zum Glück wird hier mal nicht Schwedisch sondern Englisch gesprochen.
Ein tolles Album und für mich der bisherige Höhepunkt der Flower Kings.
THE FLOWER KINGS - THE SUM OF NO EVIL SPECIAL EDITION - Ein neues Jahr, ein neues Album, 3. Oktober 2007
Die kreative Schaffenskraft der Blumen-Könige um Kaiser ROINE STOLT scheint unerschöpflich zu sein. Jedes Jahr legen sie ein neues Album nach und lassen dabei keine Verschleißerscheinungen aufkommen. Und bei THE SUM OF NO EVIL haben sich die Schweden einmal mehr den Longtracks verschrieben - vier der insgesamt neun Stücke auf der Dopppel-CD sind über 12 Minuten lang, wobei LOVE IS THE ONLY ANSWER mit 24 Minuten den Vogel als längster Song abschießt. Auf der zweiten CD befinden sich zudem noch zwei Videotracks aus dem Studio, bei denen man Einblick in den Schaffensprozess der Band erhält.
Sollte man die Musik beschreiben müsste man die Extrempole GENESIS (noch mit PETER GABRIEL), MARILLION (mit FISH) und FRANK ZAPPA heranziehen. Die Verkopftheit mancher GENESIS-Stücke trifft bei den FLOWER KINGS auf die romatisierende Verspieltheit von MARILLION und die Experimentierfreude von FRANK ZAPPA. Dabei ist nicht immer alles bierernst, aber eben auch nicht völlig verrückt. Soundtechnisch liegen die Blumen-Könige aber wesentlich näher an dem extrovertierten Amerikaner als an den etwas zurückhaltenden Engländern.
Musikalisch ist alles beim Alten geblieben, die Songstrukturen sind sehr elegisch angelegt, hier gibt es kein wildes Gefrickel wie bei vielen anderen Progbands. Hier steht immer die Melodieführung im Vordergrund. Vielfach erinnern die Songs natürlich etwas an alte Stücke, sie tragen schließlich dieselbe Handschrift. Das mögen manche bemängeln, aber für andere stellt sich dadurch das vertraute Gefühl ein, dass man hier gute Musik geboten bekommt, zumal man nicht sagen, kann, dass sich die FLOWER KINGS hier nur selber kopieren. Im Prinzip kann man die FLOWER KINGS mit dem Jazz-Gitarristen PAT METHENY vergleichen - vielen Puristen ist sein Spiel zu glatt, vielleicht auch manchmal zu vorhersehbar, andererseits ist er der erfolgreichste Jazz-Gitarrist seiner Generation, die ja nun nicht gerade schlecht besetzt ist, man denke da zum Beispiel an JOHN SCOFIELD.
Aber zurück zu den FLOWER KINGS: auf SUM OF NO EVIL reiht sich wieder eine wunderschön getragene Melodie an die nächste, nur unterbrochen von kurzen spielerischen instrumentalen Feuerwerken, die aber nie aus der Hand gleiten, sondern immer wieder schnell eingefangen und in den Songkontext eingebettet werden. Dabei vertraut Gitarrist und Haupt-König STOLT auf seine bewährte Truppe von Musikern: TOMAS BODIN (Keyboards), HASSE FROBERG (Gesang & Gitarre), JONAS REINGOLD (Bass), ZOLTAN CZORSZ (Schlagzeug) sowie auf die Exoten HASSE BRUNIUSSON (Marimba, Glockenspiel & Percussions) sowie ULF WALLANDER (Sopransaxophon).
Wenn man so will ist SUM OF NO EVIL ein Durchschnitts-Album der Schweden - dabei muss man aber bedenken, dass die FLOWER KINGS bislang noch kein schlechtes Album herausgebracht haben. In dieser Hinsicht ist das neueste Werk wieder einmal mehr ein überdurchschnittlich gutes Album - zumindest verglichen mit dem, was andere Bands so rausbringen. Und wenn man sich nun überlegt, dass seit PARADOX HOTEL kaum zwölf Monate vergangen sind Und ROINE STOLT dazwischen ja auch noch das Best Of-Album mit vielen Remixen und Überarbeitungen) fertig gestellt hat, dann nötigt das einem schon gehörigen Respekt ab.
Schweden proggt wieder einmal, 18. September 2007
Nach der relativ unausgewogenen und überflüssigen Best-Of-Scheibe "The Road Back Home" ist es nun endlich Zeit für neuen Stoff aus den Werkstätten der Flower Kings. Das neue Scheibchen klingt schon von Beginn an recht vielversprechend. Der über 13-minütige Opener 'One More Time' hat einen angenehmen Ayreon-Anstrich und geht gut die Gehörgänge runter. Der wirkliche Grund für eine solch ausartende Spielzeit ist ideentechnisch zwar nicht gegeben, aber nichtsdestotrotz macht die Nummer mit starker Hammond- und Synthieauslastung Lust auf mehr. Tiefer unter die Haut geht es dann bei 'Love Is The Only Answer'. Die Stimme hätte zwar noch etwas mehr in den Vordergrund gehoben werden können, beweist sich aber auch so als gefühlvoll und irgendwie weihnachtlich. Mein Anspieltipp für den 24.12. dieses Jahres. Mit seinen 24:30 Minuten dürfte dieser Song auch einen großen Teil der Geschenkezeremonie füllen. 'Trading My Soul' ist mir dann längentechnisch mit unter sieben Minuten deutlich sympathischer, vertrete ich doch nach wie vor die Auffassung, dass Qualität Vorfahrt vor Quantität hat und irgendwann auch der gefühlvollste Riff leergeschrabbelt ist. Nach wie vor wünsche ich mir jedoch ein bisschen mehr Wildes in den Songs der Flower Kings, aber auch so beweisen sie sich ein weiteres Mal als astreine Musiker mit Erfahrung. Sechs Songs und ein Proggerherz.
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