Kundenmeinungen
Eine Sternstunde - des Jarrett-Trios und des Jazz allgemein! , 30. Oktober 2007
Wer am 22.7.2001 in Montreux dabei war, weiss wie grandios dieser Abend war - auch wenn Jarrett dies nun in den Liner-Notes etwas anders in Erinnerung hat. Mir scheint, er verwechselt dies mit einem Soloauftritt am gleichen Ort, bei dem er wegen der unvorstellbaren Hitze sogar die Lichter dimmen liess und zeitweise sein Hemd auszog!. Das Publikum - und das hört man gut auf den beiden CD - war begeistert und feierte das Trio!
Es stimmt einfach alles: das traumwandlerisch aufspielende Trio aus drei Superkönnern, die sich blind verstehen und sich gegenseitig zu ungeahnten Höhen aufschwingen. Perfekter Sound - wie beim Auditorium Stravinsky und seiner State-of-the-Art-Soundanlage und einer Live-Produktion von ECM auch nicht anders zu erwarten.
Das Repertoire bietet viel spannendere Interpretationen einiger Standards als dies bei anderen Aufnahmen des Trios der Fall ist - incl. historischer Spurensuche bei Fats Waller und dem Ragtime.
Die Aufnahme macht Spass - sowohl in den kochenden, treibenden Nummern, als auch in den ruhigen, intimen Balladen, die mit grosser Melodiösität und Emotion angegangen werden.
Für mich nach der unerreichten Blue-Note-Box die beste Aufnahme von Jarrett/Peacock/DeJohnette.
Krankheit als Chance, 27. Oktober 2007
Gewiss, man kann das Thema Jarrett kontrovers angehen, denn er sorgte nicht zuletzt in seinen kürzlich erschienen Interviews (ZEIT, SPIEGEL), getragen von einem kaum angekratzten Selbstbewusstsein, für genügend Gesprächsstoff. Man könnte zudem einwenden, das die x-te Variante von "Straight, No Chaser" eine zuviel ist usw. usf. Nur, die vorliegende Platte scheint mir das falsche Objekt zu sein, um sich an Jarretts Schaffen überkritisch abzuarbeiten. Sie ist m.E. schlicht hervorragend, vor allem deshalb, weil hier bei allen drei Mitgliedern des Trios, neben Jarrett bekanntermassen Gary Peacock b und Jack DeJohnette dm, eine grosse Spiellust und Spielfreude durchschlägt. Zeit, Ort und Publikum schienen bei diesem Auftritt zu stimmen. Nach wie vor besteht das Programm aus bewährten Standards wie etwa "Oleo", "Green Dolphin Street" oder dem erwähnten "Straight, No Chaser", welch letzteres sehr frei angegangen wird. Aber das Trio bewegt sich auch weiter, in diesem Falle jazzgeschichtlich gewissermassen zurück, indem auch Stücke wie "Ain't Misbehavin" oder "Honeysuckle Rose" ins Repertoire aufgenommen wurden; mit grossem Gewinn, denn die Musiker reiten diese Fats Waller Schlachtrösser meisterlich. Jarrett, der eine lange und schwere Krankheit durchlitt, hat sich mit Hilfe seiner kongenialen Kollegen in erstaunlicher Frische zurückgemeldet.
ein Gott mit Flügel, 23. Oktober 2007
Live in Frankfurt war das letzte Event (10/2007) und Jarrett zeigte sich, als wenn es eine Gnade ist, ihm live zuzuhören. Begnadet, dieser Mann und doch krank seit Jahren, was den Status der Erschöpfung angeht. Hört man ihn, so ist der Grund sehr nah. Er integriert sich in die Musik, sein Atem ist Ton als wenn er zu der wunderbaren Folge dazugehörte und doch duldet er kein Schnaufen, Atmen von aussen. Andacht ist angesagt, wenn Jarrett spielt und dieses zurecht. Wenn man sich gemassregelt fühlt, dann weiss man spätestens dann, warum man ihn, den Gott des Pianos hören will.
Spätestens seit 1975 weiss man, dass seine Improvisationen über 30 min dauern können. Das Köln Concert ist Beweis der Klasse und später hat er die langen Stücke gekürzt zu brillanten Miniaturen, die er wie im Trance spielt. Seinem Publikum verordnet er Andacht und Stille, Reglosigkeit, für ihn aber erwacht ein Kampf zwischen Hand und Klavier, den er ausficht bis zum letzen Ton, der dann in der Stille der folgenden Sekunde hymnisch gefeiert und enthoben wird in einen Applaus der Begeisterung. In diesem Moment verliert Jarrett seine intensive Bewegung, wird steifer Empfänger einer grandiosen Ovation. Zurecht. Wegen seiner traumhafter Improvisationen.
Wer braucht das?, 19. Oktober 2007
Noch eine Standards-Einspielung von Keith Jarretts Trio - wenn ECM jedes Konzert der drei aufnimmt, können wir noch 30 Jahre lang mit neuen CDs beliefert werden (die nächste Veröffentlichung wird im Booklet bereits angedroht). Nur: Wer braucht das? Das gibt es alles schon hundert Mal, und aus dem Stadium, wo man sich im heimischen Keller via Standard-Gejamme der eigenen - anderen - Möglichkeiten versichern müsste, sind alle drei doch längst heraus. Nun könnte man sagen, die klassische Klavierliteratur von Bach bis Schostakovich, mit der sich Jarrett ja ebenfalls - und sehr ergreifend - beschäftigt, sei auch nichts "Neues" und gewinne mit jeder guten Interpretation neue Aspekte hinzu. Gut möglich, dass Jarrett das so sieht - auch wenn wohl keiner der von ihm eingespielten Standards die Qualität etwa der Bachschen Goldbergvariationen hat. Zugegeben auch, dass die drei wohl das beste aus diesen Stücken machen, was man heute daraus machen kann - nur Gary Peacocks Bass klingt seltsam "technisch" und scheint nicht immer ganz intonationssicher gespielt zu sein, weshalb er auch nach Livekonzerten oft als das schwächste Glied der drei bezeichnet wird. Warum ICH das jedenfalls nicht brauche, liegt an zweierlei: Erstens an der weihevollen Kunstattitüde, mit der das live vorgetragen und jeder Huster im Publikum sogleich abgestraft wird (das, mit Verlaub, gibt diese Musik einfach nicht her). Und zweitens liegt das an dem elenden Mitgestöhne von Keith Jarrett, das auch hier wieder die Aufnahmen völlig ungenießbar macht. Mag ja sein, dass das manche für expressiv halten - aber Jarrett kann einfach nicht singen und sollte die Klappe halten, wenn er - wirklich begnadet - spielt. Oder an das schlechte Beispiel von Glen Gould denken, der sich schon mal die Frage gefallen lassen musste, ob er deshalb mitsinge, weil er seinem eigenen Spiel misstraue.
Der Altmeister in bester Laune, 17. Oktober 2007
Schon wieder eine Trio-CD von Keith Jarrett, fragt man sich. Im Regal stehen doch schon fast ein halber Meter CDs aus den letzten 20 Jahren, darunter Meilenstein wie die "Blue Note"-Box oder "Still Live" aus der Kölner Philharmonie. Vieles darunter ist sehr ähnlich. Einen stilistischen Fortschritt kann man nur ansatzweise ausmachen.
Dennoch, dieser Konzertmitschnitt (aus dem Jahr 2001) aus Montreux hat es in sich: Das Trio spielte an diesem Abend in ausgelassener Stimmung. Die gute Laune ist spürbar - in der Interpretation, in einigen Lachern der Musiker sowie im euphorischen Publikum. Alte Standards wie "Ain't Misbehavin'" oder "Honeysuckle Rose" werden schwungvoll und spielfreudig dargeboten; so verspielt, wie wir "das" Trio noch nie gehört haben. Das hat nichts mit Altersabgeklärtheit zu tun. Nein, die drei Herren klingen so frisch wie nie zuvor.
Eine sehr positive Überraschung vom Keith Jarrett Trio nach einer Reihe von Veröffentlichungen, die sich zu stark ähnelten.
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