Kundenmeinungen
Das vielleicht beste, interessanteste Rockalbum der letzten Jahre, 28. November 2008
Auf Waiter: You Vultures! waren Portugal.the Man (mir) teilweise noch etwas zu schräg...auf dem Weg zu einem eigenen Stil, aber es fehlte noch etwas Drive. Auf Censored Colors gleiten sie neben Momenten echter Größe öfter mal in die Hippie-Beliebigkeit ab. Zwischen diesen beiden Alben markiert Church Mouth den vorläufigen Höhepunkt der außergewöhnlichen Band:Es ist ein absolut grandioses Album. Extravagant, sehr eigen, innovativ, eckig, doch gleichzeitig sehr packend, druckvoll und zugänglich. Ein echtes Rock-Monster, aber eben der anderen Art.Die Reise beginnt mit dem unglaublich starken Opener "Church Mouth"...frenetischer Gesang, verzwickte Lyrics und ein furioses Drum- und Gitarrenspiel treiben in einen Sturm, von dem man sich gerne herumwirbeln lässt um sich danach zu fragen, was man da jetzt eigentlich erlebt hat...und gleich auf Replay zu drücken. Die nächsten beiden Lieder fallen im Vergleich dazu etwas ab, sind sehr guter Rock, aber mir doch etwas zu straight den 70ern verhaftet. Doch von da an hält die CD ein wahres Feuerwerk an Tracks bereit, die auf geniale Weise Soulige-, Bluesige- und Hard Rock Traditionen kombinieren und mit überraschenden Part- und Rhythmuswechseln, kreativen Arrangements und expressivem Gesang eine ganz besondere Suppe kochen, wie sie nur Portugal.the Man zubereiten kann.Die Bandbreite reicht dabei vom sehr melancholisch dahintreibenden My Mind zu den beinahe poppigen, ziemlich unverschnörkelten Shade und Dawn (in Shade höre ich sogar etwas Chili Peppers raus), über das raffiniert verschachtelte, mal elegante, mal sehr zupackende "Oh Lord" mit Soul-Einflüssen hin zum Soulig-bluesigen, aber dennoch brachial rockenden "Children", um mit "Sun Brother" in einer lupenreinen, ruhigen Ballade auszufaden.Das Album lässt einem mit reichlich Glücksgefühlen zurück und dem Gefühl, gerade etwas wirklich großes erlebt zu haben. Portugal.the Man erlösen mit "Church Mouth" Rock daraus, einfache, lineare Tanzmucke oder verkopftes Gefrickel zu sein und geben ihm die Urfunktion der Musik als extatisches Tranceerlebnis zurück.
kommt an den vorgänger nicht ran.., 22. August 2007
Die Platte heißt Church Mouth Also Kirchenmund. Aber wer sich schon über diesen Namen den Kopf zerbrechen will, der wird beim Bandnamen erst richtig Spaß haben: Portugal. The Man. Mit einem Punkt in der Mitte.Trios sind die idealen Überfallkommandos im Rock 'n Roll. Noch laut genug, um Ohren zum Bluten zu bringen. Wendig genug, um binnen kürzester Zeit überall zuzuschlagen. Und klein genug, um ihre Musik nicht im Gruppen-Konsens zu verwässern.Portugal. The Man sind ein Bilderbuchtrio: Laut, hakenschlagend und unverfälscht. Noch dazu ist ihr Name so verwirrend, dass er sich in unserem Hirn verheddert und hängen bleibt.Die Geschichte hinter dem Namen Portugal The Man ist aber so verkopft, dass sie keine weitere Erwähnung verdient. Die Platte von Portugal The Man wäre wohl nicht minder kopflastig, wenn nicht die Band soviel Spaßrotz ins verwinkelte Musikgewebe gespuckt hätte, dass am Ende zum Glück die Kiste mehr wackelt, als die Birne raucht.Die drei Jungs aus dem abgehängten US-Bundestaat Alaska haben durch ihr geographisches Handicap ohnehin eine gute Entschuldigung für Verkorkstheit. Außerdem wuchs Sänger John Gourley zwischen einer Meute Hunden auf, weil sein Vater Veranstalter eines weltbekannten Hunderennens war. Daher wohl die Jaul-Anteile in den Gesangsparts.Die Platte Church Mouth ist ein erfreuliches Haar in der trüben Popsauce. Man braucht eben merkwürdige Leute, wenn man mal was aufstoßen will.
Nicht zu fassen, 13. August 2007
"Stillstand ist der Tod" sang Grönemeyer einst - das dies wegweisend für die Entwicklung der Alternativemusik gemeint war ist unwahrscheinlich, aber es wäre immerhin treffend. Mit Portugal.The Man ist diesbezüglich zu den Tools, 31 Knots, Dredgs und ...Trail of Deads dieser Welt ein weiterer Kandidat ins Boot gehüpft. Und um zu den ganz großen gehören zu dürfen haben Portugal.the Man jetzt quasi das zweite Kriterium erfüllt: Nicht nur, dass die Band ein großartiges Debüt mit absolut charakteristischem und eigenständigem Sound veröffentlicht hat, sie hat jetzt ein fast ebenso gutes Nachfolgewerk mit beinahe völlig anderem Sound geschaffen. Dafür erstmal ein eindeutiges: Hut ab! Wurden einem beim fein ausgefeilten und Synthesizer polierten "Waiter: "You Vultures!" noch die Sinne von dichter Schwüle vernebelt, setzten Portugal.the Man jetzt auf andere Qualitäten. Mehr Soul, weniger Latin, weniger Keys mehr Drums, andere Produktion. Klar - die herausragenden Stücke Shade, Dawn und Church Mouth könnten sich ebenso auf dem famosen Vorgänger finden. Portugal.the Man lassen sich trotzdem nicht einfangen. Mit verschmitztem Augenzwinkern entzieht sich die Musik der Gruppe weiterhin allen Schubladen, Referenzen lassen sich bestenfalls für jedes einzelne Lied, niemals jedoch für die gesamte Platte finden. Klasse.
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