Beschreibung
Welch ein außergewöhnlicher Zufall! Nach einer sechzehnjährigen Abstinenz kehrt Kevin Ayers, diese graue, etwas wunderliche Eminenz der Pop-Kultur mit dem Solo-Album The Unfairground zurück. Fast zeitgleich veröffentlicht sein alter Weggefährte Robert Wyatt Comicopera und auch die Band, die diese beiden 1966 gründeten, taucht mit dem etwas kraftlosen Steam auf: Soft Machine, diese legendären britischen Psychedelic-Prog-Rocker. Natürlich müssen sie ohne Ayers und Wyatt auskommen, die schon früh ausstiegen und erfolgreiche Solo-Karrieren starteten. Der zurückgezogen lebende, nach einem Fenstersturz an den Rollstuhl gefesselte Wyatt war stets präsent, Ayers tauchte nach einer sehr aktiven Phase in den 70ern und frühen Achtzigern immer mehr ab. Verlernt hat Ayers, der seine Zelte in Frankreich aufgeschlagen hat, aber gar nichts. Um Zeitgeist schert sich der 1944 in der Grafschaft geborene Musiker und Sänger auch auf The Unfairground einmal mehr nicht. Ayers, dieser enigmatische Boheme, drückt diesem Comeback-Album deutlich seinen Stempel auf, auch wenn es lange nicht so kauzig wie die immer noch aufregende Werke Joy Of A Toy (mit vielen Soft Machine Mitgliedern) oder Shooting At The Moon (mit einem zu der Zeit fast unbekannten Mike Oldfield) klingt. Dafür sehr konzentriert, sorgfältig arrangiert und songfokussiert. Getragen von Ayers sympathischer Stimme, unterstütz von Mitgliedern aus den Reihen von Architecture In Helsinki, Bill Wells, Gorks Zygotic Mynci, Soft Machine oder Teenage Fanclub können insbesondere die ein wenig an Calexico oder Love erinnernden Songs wie Wide Awake, das elegant beachboyssurfende Run Run Run oder sehr sehr melancholische, kammermusikalische Baby Come Home überzeugen. Da kann sich die breite Masse des immer mehr anschwelenden Singer-Songwriter-Heeres nur verwundert die Augen reiben. --Sven Niechziol
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