Kundenmeinungen
Enttäuschend, schade - er ist noch nicht so weit, 6. Dezember 2007
Ich war schon neugierig aufgrund des Marketing-Windrauschens, aber dann doch ziemlich enttäuscht. Die ersten 38 Sekunden gefielen mir noch, eine gewisse spröde Eleganz ist ja gerade bei Chopin keine verwerfliche oder gar unvalide Sicht.Aber bei dem zweiten Stück, und ähnlich allen anderen langsamen, hatte ich sehr schnell genug. Es war zwar ganz offensichtlich, dass Blechacz sich sehr bemüht, "auf Ausdruck" zu spielen. Aber die Art, wie die Rubato-Hänger übersteigert werden, und zwar nicht nur manchmal, sondern ständig, hat nun wirklich keine Klasse. Blechacz "leidet" wie viele der noch unerfahrenen Jungpianisten unter dem Symptom, dass er sich alle Gefühligkeits-Maximierungs-Tricks/Techniken/Maschen lehren lassen hat, und diese zwar technisch gekonnt und ausgefeilt, aber doch zu stereotyp auffährt, nämlich bei jeder Mikrogelegenheit, und dann stets "am Anschlag", noch knapp vor der Grenze, an der es anfängt, zu riechen. Oder halt eben bisweilen etwas darüber hinaus (für meinen Geschmack).Aber zu seiner Entlastung muss man sagen, dass es mit anderen Jungstars ja ähnlich ist/war. Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Kissin z.B. hatte schon (bzw. noch) als "Kind" eine gewisse Strahlkraft im Spiel, die hier fehlt. Im Grunde spielt Blechacz genau so, wie man es etwa von einem Salon/Bar-Pianisten verlangen würde: ruhig, zurückhaltend, oft ins süßliche, blos keine die Gäste verstörenden Spannungsbögen einbauen, die halt nur ein bischen angenehm von Note zu Note eingeduselt werden wollen. Da ich persönlich solche Gefühligkeitsmaximierungs-Manierismen nicht schätze, werde ich mir die Platte nicht mehr anhören (ich hab sie nie zu Ende gehört).Für mich persönlich nur 1* (sofern definiert als "lieber Stille genießen als noch einmal hören"), für die Amazon-Wertung aber 3* in Anerkennung, dass es letztlich immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks ist; und seine schnelleren Sätze sind mir ja auch nicht so unangenehm entstellt, wie die langsamen. Aber ich bin sicher, er wird seine Fangemeinde finden. Es wird wie mit dem Karajan-Phänomen sein: für die einen öffnet er mit seiner arg weichgespülten Musikauffassung Himmelspforten, die anderen haben (diplomatisch gesagt) dazu eine andere Meinung.Ach so, Ich bin übrigens keiner, der die Preludes wie Beethoven oder Liszt genommen haben will. Etwa Kissins oder Pollinis finde ich in jener Richtung eine Idee zu grob.Meine Referenzeinspielung und Empfehlung ist immer noch der spannende, glutvolle Zyklus von Martha Argerich (sie zählt man auch zu den "Gefühlvollen"). Da aber ist alles echt und genuin; auch etwas Freiheit im Spiel trägt zu dem bei, was die die Preludes so dringend brauchen, um zum Leben erweckt zu werden.Wenn das fehlt, klingt die Musik auf eine seltsame Weise wie gefangen in einem durch Pianistenehrgeiz auferlegten und in jeder Note präsenten Korsett, zuviel Sentiment hineinverfrachten zu wollen. Operation gelungen, Patient tot. Und das ist schade, das haben die von mir geliebten Preludes nicht verdient!
culture de salon à paris, 26. Oktober 2007
Mr. Blechacz interpretation of Chopin remembers me music of 19c. salon culture in Paris and also the Polish heritage of Chopin, as a foreigner in France too. It's wonderful to have such an original interpretation of Chopin after 20 years Zimerman's era (it's still going). Modern pianists (many of them) are often too busy!! In 21st century, we have so many technically fantastic musicians arount the world, but Blechacz's message is still different than other "technicians". The power of his music is the music "itself".The contrast of Blechacz is Lang Lang. The power of Lang Lang's play is his character itself. But Mr.Blechacz lets Music himself to speak to the audience. He has sympathy to music itself and it's beautiful to have a very natural, deep moments/scene during the hearing.
Volltreffer, 5. Oktober 2007
Pianisten kommen und gehen, insbesondere in den letzten Jahren. Yundi Li hier, Lang Lang da, jeder wird uns als DER Knüller verkauft. Und jetzt kommt Rafal Blechacz und will so gar nicht in dieses laute Marketingschema passen.Sein Auftritt und Spiel ist leise, bescheiden, voll gesammelter Konzentration, Zurückhaltung und Eleganz, seine Höhepunkte sind still. Hören Sie hierzu die Nocturne op. 62/1 - man ist geneigt den Atem anzuhalten! Es macht Spass so einem Musiker zuzuhören, der die Technik wieder klar in den Dienst der Musik stellt. Poetisch werden die einzelnen Preludes erzählt und letztlich zu einem Guss geformt. Keines darf fehlen, sonst ergibt der Zyklus keinen Sinn.Bleibt zu hoffen, dass Rafal Blechacz die Zeit gegeben wird sich weiter zu entwickeln, ihm (und uns) "Wetten dass.."-Auftritte und ähnlich groteske Promotionveranstaltungen erspart bleiben und wir noch lange, viel von ihm hören werden. Ich freue mich schon darauf.
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