Kundenmeinungen
Ich wage es trotz der hymnischen Wortspenden - ich bin nicht so begeistert!, 1. Oktober 2007
Der Technik muß man zweifellos Bewunderung zollen, aber ist Höhe wirklich alles? Zugegeben, so präzise und mühelos schafft derzeit sicher niemand diese schwindelnden Höhen und Koloraturen, aber die Schönheit des Klanges bleibt zu großen Teilen trotzdem auf der Strecke.Besonders die Vendetta-Schreie aus Rossinis Turca jagen mir Schauer des Grauens über den Rücken. Das kann doch niemand schön finden, oder?! Dazu kommt noch, daß die meisten Opern ja nur zum geringsten Teil aus Spitzentönen und Koloraturen bestehen und in der Mittellage hat der junge Mann halt gar nicht viel zu bieten. Obwohl man sich manchmal wünschen würde, er würde nicht wieder so steil nach oben klettern, ist man dann, wenn er es tut, auch wieder enttäuscht. Die Stimme ist über große Strecken ausdrucksarm, wie Juan Diego Flórez ja auch auf der Bühne eher ausdruckslos und ohne Bewegungstalent agiert. Für mich ist diese CD zwar ein "Zeitzeuge", sonst aber nicht weiter empfehlenswert. Schade um diese Gelegenheit!
Das Plattenwunder , 1. Oktober 2007
Diese Aufnahme ist - wie (fast) alle Aufnahmen, die Florez bisher herausgebracht hat - wirklich toll: Er bewältigt die teilweise extremen Partien mit Bravour, stupender Technik und viel Verve - insbesondere natürlich die Rossini-Arien. Allerdings ist bei Florez das gleiche Phänomen - wenngleich nicht ganz so ausgeprägt - wie bei Cecilia Bartoli festzustellen: Seine Stimme kann von den Tontechnikern einfach optimal eingefangen werden, den so opulent, voll und laut, wie man dies aufgrund seiner Aufnahmen vermuten würde, klingt sie live leider bei weitem nicht. Das ist insofern etwas "unfair", da einige seiner Kollegen auf der Bühne durchaus einen besseren Eindruck hinterlassen (z.B. der völlig unterschätzte Antoninio Siragusa oder auch Gregory Kunde). Leider können aber einige Stimmen (insbesondere natürlich die "großen") auf CD nicht immer authentisch abgebildet werden. Dies schmälert den Wert der vorliegenden Aufnahme natürlich keineswegs, schließlich ist die CD wirklich hervorragend produziert, aber Florez als einen der größten Sänger aller Zeiten zu bezeichnen, halte ich dann doch für etwas übertrieben. Passender wäre es, ihn als einen der größten Plattenstars zu feiern.
Dissonant, 25. September 2007
Kaum wagt man es, eine Dissonanz in das hymnische Lob einzubringen: aber meine Begeisterung hält sich in Grenzen.
Gewiss muss man dieser stupenden Technik Bewunderung zollen und staunt über die Präzision und Agilität, mit der eine vokale Tour de force nach der anderen scheinbar mühelos bewältigt wird; aber auf die exzessive Darbietung quasi stratosphärischer Spitzentöne hätte ich gerne verzichtet. Auch wenn vielleicht niemand zur Zeit gekonnter diese Höhen erklimmt; ein ästhetischer Genuss sind diese Höhen nicht durchgehend (findet die 'Vendetta'-Schreie in dem Ausschnitt aus Rossinis 'Turco' wirklich jemand schön?); und mögen die hohen Cs, Ds usw. in der Cabaletta noch in der Regel effektvolle Pointen setzen, so wirken sie in den lyrischen Teilen oft aufgesetzt und stimmungstötend: Des öfteren habe ich mich bei dem innigen Wunsch ertappt, bitte, bitte jetzt nicht wieder so steil nach oben. Bleib einfach unten, Junge.
Schwerer wiegt, dass ich die Stimme relativ monochrom und ihr Ausdrucksspektrum beschränkt finde; zu wirklich fesselndem Musikdrama kommt es für mich kaum. Mag sein, dass die Auswahl der (überdies strukturell sehr ähnlich gebauten) Szenen etwas damit zu tun hat, die trotz der zahlreichen eingebauten Spitzentönen sicher nicht durchgehend zu den Spitzenleistungen der betreffenden Komponisten zählen; gegenüber der an den Schluss gesetzten bekannten Szene des Arnoldo aus Rossinis 'Tell' kann sich kaum eine der vorhergehenden Nummern wirklich behaupten.
Chapeau!, 3. September 2007
Juan Diego Florez betrat Ende der 90er Jahre die internationale Opernbühne und knüpfte nahtlos an die spezielle Kunst von namhaften Rossini Tenören der 80er und frühen 90er Jahre wie William Matteuzzi oder Rockwell Blake an. Was ihn von diesen unterschied? Ein deutliches plus an Stimmschönheit! Aber das alleine würde auf Dauer eine solche Weltkarriere nicht ermöglichen, wie sie Florez gerade hinlegt: Er ist einer der großen Stars der internationalen Operszene und das ohne sein angestammtes Outsider-Repertoie bis jetzt verlassen zu haben. Die Musik Rossinis und Donizettis ist nach wie vor Zentrum seines musikalischen Wirkens. Dieser Geduld und diesem Kunsternst gebührt höchster Respekt, da gerade in der heutigen Zeit die Verlockung auf die kommerzielle Überholspur zu wechseln mehr als denn je präsent zu sein scheint.
Aber was macht Florez? Er brilliert wieder einmal mit fast schon unheimlich makelloser Stimmbeherrschung, die sich mittlerweile durch etwas mehr Volumen auszeichnet ohne an Geläufigkeit und Höhensicherheit verloren zu haben und jetzt auch im Pianobereich ein echtes Dolcezza besitzt. Florez scheint sich vom Nur-Sänger immer mehr zum echten Interpreten zu entwickeln; und das soll weder Kritik an seinen früheren Aufnahmen noch der Vorwurf eines Mangels sein, sondern lediglich Hinweis auf eine unvergleichliche Künstlerkarriere, die sich durch Beständigkeit, Kunsternst und Leidenschaft auszeichnet und sich unbeirrbar zu neuen Höhenflügen aufschwingt und das inmitten des Villatrebko-Wahns. Chapeau!
Der Welt derzeit bester Tenor, 30. August 2007
Nein, es gibt keine Gerechtigkeit in der Sängerwelt! Juan Diego Florez ist nicht nur eines der größten Talente der letzten Jahrzehnte, sondern er sieht auch noch dazu blendend aus und hat eine überwältigende Bühnenpräsenz. (2005 durfte ich ihn in Sonnambula in Wien erleben) Hört man sein neuestes Recital kann man nur darüber staunen, wie der Peruaner die größten Schwierigkeiten wie extreme Spitzentöne, Koloraturen, Registerwechsel oder lange Legatophrasen, bei denen selbst begabte Tenöre an ihre Grenzen geraten, scheinbar mühelos bewältigt. Dabei steht niemals glatte Stimmakrobatik im Vordergrund, sondern die Emotionen der Stücke werden ohne Sentimentalität kongenial erfasst, anders gesungen möchte man diese Arien eigentlich gar nicht mehr hören.
Bleibt nur zu hoffen, dass Florez nicht den schweren Fehler seines Kollegen Villazon macht und sich von einem sensationslüsternen Marketingbetrieb allzu früh verheizen lässt.
Kritik gibt es nur an der Programmgestaltung der neuen Decca-CD, denn von den 7 Werken der CD wurden tatsächlich nur 3 (Bellini und Donizetti) dem großen Rubini auf den Leib geschrieben, die Rossini-Arien hatte er zwar im Repertoire, doch wurden sie ursprünglich für andere Sänger komponiert, insofern ist der Titel "Arias for Rubini" nur teilweise berechtigt. Außerdem wäre es sehr interessant gewesen, etwas von dem originalen Rubini-Repertoire unbekannterer Komponisten wie etwa Generali oder Fioravanti zu hören. Doch derartige Repertoireerweiterungen wären von einem Major wie der Decca wohl zu viel verlangt. Schade, dass im Booklet auch nicht erwähnt wird, dass sich der große Sänger- ähnlich wie 100 Jahre vor ihm der Kastrat Caffarelli- von seinem ersungenen Vermögen einen veritablen Herzogstitel gekauft hat. Tatsache ist: Nach Villazons Crash dürfte Florez zur Zeit konkurrenzlos der weltbeste lyrische Tenor sein Hoffen wir, das bleibt noch viele Jahre so!
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