Kundenmeinungen
Final Statement, 2. Juli 2007
Ein Kunstwerk ist schwer zu beurteilen, wenn man weiss, dass es das letzte war und noch schwerer, wenn man annehmen muss, dass der Künstler ahnte, dass es sein letztes sein wird. Gewiss, Michael Brecker hat ein gültiges Statement gesetzt. Noch einmal mobilisierte er mit letzter Kraft, was sein Spiel bestimmte: Power, Sound und Ideenreichtum. Er scharte Freunde um sich, deren Namen für sich sprechen: Herbie Hancock und Brad Mehldau p, Pat Metheny g, John Patitucci b und Jack deJohnette dm. Weshalb man sich nicht auf einen Pianisten (Hancock) beschränkte, ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar, zumal Hancock ein alter Weggefährte Breckers war und Mehldaus oft etwas angestrengtes Spiel in diesem Kontext wenig Gewinn erzeugt. Metheny überzeugt üblicherweise dann am meisten, wenn er, wie hier, "nur" Sideman ist, und über die Qualitäten von Patitucci und deJohnette braucht auch im vorliegenden Fall nichts weiter gesagt werden. Dass Problem ist darin zu sehen, dass sämtliche Stücke Eigenkompositionen Breckers sind. Und einige davon wirken etwas überkonstruiert. Herausragend indes: "Tumbleweed". Der eine oder andere Standard hätte das Programm vielleicht bereichern können. Man wird den leisen Eindruck nicht los, dass unter den obwaltenden Umstände etwas Aktionismus aufkam und man auch den Komponisten Brecker herausstellen wollte. Dieser allerdings steht hinter dem Improvisator deutlich zurück. In jedem Fall jedoch ist Brecker angesichts seines Gesamtwerkes die Aufnahme in die Hall of Fame" gewiss.
Seelenflug, 31. Mai 2007
Bei posthum veröffentlichten Alben stellt sich erst mal eine gehörige Portion Skepsis ein: Soll hier etwa mit Druck auf die Tränendrüse noch mal Reibach gemacht werden? Doch in diesem Fall bläst die Musik jede Skepsis sofort weg: "Don't try this at home" nannte Michael Brecker eine seiner früheren Soloeinspielungen, dazu auf dem Cover sein Saxophon gefährlich auf dem Finger balanzierend - und man kann sich gut vorstellen, wie er mit der gleichen Geste nun hoch droben über den Wolken sitzt und sich vermutlich königlich amüsiert über diejenigen armen Erdenbürger, die nun versuchen, in seine Fußstapfen zu treten: Die werden sich in der Tat anstrengen müssen, denn Michael Brecker ist hier eine der besten Jazz-CDs der letzten Jahre gelungen, was auch an seinen glänzend aufgelegten Spielgefährten liegt: Brad Mehldau fällt nicht weiter unangenehm auf, aber Pat Metheny scheint all denen, die seine Duo- und Quartettveröffentlichungen mit eben diesem Herrn für redundantes Genudel halten, zeigen zu wollen, dass er doch immer noch weit mehr drauf hat als die meisten anderen Gitarren-Eleven. Auch John Patitucci hat großartige Momente - die größten hat aber vielleicht Herbie Hancock, der auftrumpft wie ein 20-jähriger Heißsporn, der sich bei Miles Davies um eine Bitches-Brew-verdächtige Jahrhunderteinspielung bewerben möchte: mit Erfolg. Brecker selbst aber lässt mit jedem Ton vergessen, dass er bei der Einspielung bereits totkrank war. Und wer so beseelt spielt, dem glaubt man gerne, dass er zu einem Seelenflug in der Lage ist, der ihn auf jene Wolke befördert, von der aus er uns lächelnd zusieht und sagt: "Don't try this ..." - okay, wir wissen es. Und versuchen es trotzdem. (Bangemachen gilt nicht. Aber den Hut sollte man schon ziehen, vor einer solchen Leistung!)
Eine Sternstunde, 31. Mai 2007
Der größte Sideman der Musikgeschichte stellt sich mit diesem fast schon stilbildenden Album endgültig auf eine Stufe mit Coltrane. Mit seinen nahmhaften Mistreitern erschafft er Stücke die so vor Kraft, Lebensfreude und Gefühl strotzen, dass man sich nur schwer vorstellen kann wie dieser todkranke Ausnahmekünstler es geschafft hat die Aufnahme-Sessions zu überstehen. Sein Ton ist kraftvoller und lebendiger als je zuvor, fast so als wollte er gegen den nahenden Tod anspielen. Es ist wahrscheinlich schwer das Album musikalisch objektiv und losgelöst vom Wissen um Krankheit und Tod Michael Breckers zu bewerten, sicherlich wäre es aber auch so ein Klassiker geworden. Dieses Album ist ein Vermächtnis und wird sicherlich in den Standartkanon des Jazz eingehen.
Der Höhepunkt einer Karriere, die zu früh endete....., 29. Mai 2007
Ein fantastisches Album... nicht nur für alle Fans von Michael Brecker, eines der besten Saxophonisten. Pat Metheny, Brad Mehldau, Herbie Hancock, John Patitucci, Jack DeJohnette begleiten Brecker in der letzten Session seines Lebens.Ein Meisterstück!
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