Kundenmeinungen
Gelungener Endzeit-Sozialkritik-Film mit kleineren Schwächen, 14. September 2008
Die große Stärke von Children of Men ist meiner Meinung nach die apokalyptische Stimmung, das beklemmende Gefühl mittendrin in einer sich zersetzenden Welt zu sein. Der Film lebt von vielen kleinen Details, wie den Fernsehsendungen im Hintergrund oder verwesenden Tieren am Straßenrand. Unterstützt wird diese Stimmung durch die geniale Kameraführung. Es gibt nur sehr wenige Schnitte, sehr viele Szenen sind in einem Rutsch gedreht worden, die Kamera folgt dem Hauptcharakter, als wäre der Zuschauer selbst im Geschehen. Sehr stimmig, aber natürlich nichts für "I am Legend" 'verwöhnte' Augen. Die Grausamkeit der gezeigten Welt ist einem in so ziemlich jeder Filmminute bewusst. "Nur" 4 Sterne bekommt der Film von mir wegen manchen merkwürdigen Dialogen. Bei "Macht es BEKANNT Leute" muss ich mich immer wieder kringeln. Zudem empfinde ich die Story doch als etwas platt. Gut, einem End-of-Days-Film verzeit man das noch eher, allerdings lief der Streifen auch bei uns im Programmkino, da erwarte ich schon noch mehr Tiefe.Auch das Ende oder überhaupt die generelle Suche nach der "Tomorrow", dem Schiff der Hoffnung...ojeoje. Ein aussichtsloses Ende hätte hier doch wesentlich besser in den Film gepasst, auch wenn den ein oder anderen Zuschauer das vor den Kopf gestoßen hätte. Ansonsten schaue ich mir den Film aber immer wieder gern an.
Toller Film - leider von vielen missverstanden, 9. August 2008
Es ist mir schleierhaft, warum diejenigen, die den Film schlecht bewerten, es damit begründen, dass Logiklöcher vorhanden sein sollen und Informationen rund um das Thema nicht beantwortet werden. Children of Men hat nie die Absicht, Fragen wie: Warum kam es zu der Zeugungsunfähigkeit? Weswegen ist ausgerechnet Kee schwanger? usw. aufzuklären. Der Film hat auch nicht die Absicht Informationen zu liefern. Grundvoraussetzung für den Film ist, dass man sich ein wenig Gedanken machen muss und das liegt nun mal an jedem selbst. Was passiert mit einer Welt, dessen System gänzlich auf Kinder gestützt ist? Und was geschieht, wenn nun keine Kinder mehr folgen? Wozu Schulen, Universitäten oder andere Ausbildungsstätten? Wozu Arbeiten, wenn die Rente so oder so nicht mehr gezahlt werden kann, da es keine jüngeren Menschen mehr gibt, die das Geld erwirtschaften? Wozu Familien gründen, wenn es keine Familien mehr geben kann? Wozu Spielplätze, Vereinssport oder andere Freizeitbeschäftigungszentren erhalten, wenn sie keiner mehr nutzt? All diese Fragen sind Vorläufer für das Geschehen, das in Children of Men zu sehen ist. Das System des Landes ist zusammengebrochen, Chaos ist an der Tagesordnung. Die Menschen sind ohne Hoffnung und suchen verzweifelt einen Sinn in ihrem Dasein. Krieg und Anschläge halten sie in Atem. Die bekannteste Person ist ein 18 Jähriger, der jüngste Mensch auf der Welt!! In diesem Irrsinn lernen wir Theo kennen. Theo ist ein Mensch, dessen Herz, trotz all dem Wahnsinn, am rechten Fleck ist und so dürfen wir eine kurze Zeit mit ihm bis zum bitteren Ende erleben. Dabei ist die Kamera stets auf ihn fixiert, das bedeutet nicht, dass man den ganzen Film lang nur Theo sieht, sondern, dass nur die Dinge gesehen werden können, die auch Theo wahrnimmt. So lernen wir andere Charaktere kennen, doch sobald sie Theo verlassen, wissen wir nicht, was mit ihnen geschieht. Kurz gesagt: Wir sehen alles nur aus Theos Sicht. Dieser eingegrenzte Blick auf die Ereignisse hinterlässt eine gewisse Leere, da Menschen Kommen und Gehen und wir ratlos zurückgelassen werden ob ihrer Zukunft. Dadurch bekommen wir einen kleinen Einblick in die Ziellosigkeit der Menschen in diesem Kontext und gleichzeitig Bewunderung für den Mut und den Glauben Theos weiter zu kämpfen. Und somit wird klar: 1. Dieser Film hat KEIN offenes Ende. Zwar erfolgt es abrupt, aber der Film muss so enden. Er KANN einfach nicht weiter gehen!! 2. Es gibt keine Informationsmängel. Cuaròn wollte, dass der Zuseher direkt in die Situation geworfen wird, wir sollen am eigenen Leib erfahren, wie es ist, in einer solch chaotischen Welt zu leben. Daher konnte er keine Allwissende-Kameraperspektive wählen, die uns Unmengen an Informationen liefern würde. Er musste eine Kameraeinstellung wählen, die uns direkt in einen Charakter hineinversetzt, in diesem Fall in Theo. Wir nehmen somit in diesem Film Theos Position ein, sehen nur das, was er sieht, wissen nur das, was er weiß, WIR SIND THEO!!! Wir wissen nicht, was aus der etwas dickeren Frau geworden ist, weil wir im Bus sitzen geblieben sind und wir wissen auch nicht, was aus Kee wird, denn wir sterben.Diese Kameraperspektive zeigt uns einen unglaublichen Trip, in den Theo/Wir hineingezogen werden, obwohl Theo/Wir nicht einmal genau wissen, warum wir uns darauf einlassen sollen. Alles was Theo/Wir wissen ist, dass diese Frau, Kee, gerettet werden muss. Und während der Zuseher in diesem Chaos kaum zurechtkommt, spürt wie er mit der Situation völlig überfordert ist, zeigt uns Theo, obwohl wir so gut wie nichts wissen und nur wenig Hoffnung besteht, dass man selbst in der abartigsten Zeit niemals aufgeben und den Glauben an das Gute nicht verlieren darf.Children of Men zeigt eine zermürbende Zukunftsvision, in der der Zerfall des Landes bereits geschehen und nun das Resultat zu sehen ist. Die Menschen haben nichts besseres zu tun als weiterhin Krieg zu führen und einen Götzen zu verehren, der ihnen Hoffnung spenden soll, in diesem Fall ein gerade Mal 18 jähriger Junge. Der Stoff hinterlässt, wenn man ihn in seinem ganzen Ausmaß begreift, ein Unwohlsein und eben... Hoffnungslosigkeit!! Der Film wurde aus einer lebensechten Perspektive realisiert. Täglich treffen wir Menschen und sehen sie dann nie wieder. Was aus ihnen geworden ist, wissen wir nicht. Genau das wollte Cuaròn mit seiner Wahl der Kameraeinstellung realisieren. Keine Gottgleiche-Kamera, die alles einfängt, denn so sieht die Realität nicht aus. Wir sollen ganz real erfahren, wie es ist in einer Zukunft wie dieser zu leben, bevor sie uns irgendwann vielleicht tatsächlich einholt!!! Daher hat sich Cuaron auch bemüht, so wenig Schnitte wie möglich einzufügen, denn im richtigen Leben kann man auch nicht einfach einen Schnitt machen z.B. zwischen dem Hinausgehen aus dem Haus und dem Einsteigen in das Auto. Man sitzt nicht plötzlich im Wagen, man muss schon hingehen. Eine bemerkenswerte Leistung, einen Film so zu konzipieren.P.S.: Ach ja und zu der wackeligen Kamera. Also wenn ich durch ein Kriegsgebiet renne, über Leichen springen muss u.ä. ist mein Blick ja auch nicht immer ruhig und auf gleicher Höhe. Wenn die Kamera schon einen lebensechten Blick einfangen soll, dann auch richtig!!
Interessante Story - schwacher Film, 20. Juli 2008
Als ich von dem Film hörte, sowohl von der Geschichte, als auch der Besetzungsliste, musste ich ihn unbedingt haben. Die Enttäuschung folgte sofort, denn der Film ist sehr schwach. Er holt nicht ansatzweise das Potenzial heraus, das eine solche Story in sich birgt. Es handelt sich - bedauerlicherweise - fast ausschließlich um eine Verfolgungsjagd, die einen etwas anderen Hintergrund, als in üblichen Filmen des Genres hat.Die sozialkritischen und letztendlich sogar menschheitsbedrohenden Aspekte der (nicht ganz unrealistischen) Geschichte werden nur ganz am Rande berührt, sodaß trotz tollem Plot und großartiger Besetzung doch nur ein mit einigen Logiklücken behafteter Actionfilm vorliegt. Als solcher ist er nicht schlecht, aber das ist eigentlich nicht das, was man von diesem Film erwartet. Vor zehn Jahren hätte Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle gespielt. Wenn man das mag, ist man hier genau richtig!!
Unfertiger Film, 7. Juni 2008
Ich muss hier mal die allgemeine Euphorie ein bisschen stoppen. Der Film ist bei weitem nicht so gut, wie es hier teilweise berichtet wird. Aber der Film wurde ja auch auf anderen Seiten kontrovers diskutiert und von vielen Kritikern unterschiedlich bewertet. Hier ist mal meine Meinung zum Film:Der Film hat eigentlich eine sehr gute Grundidee. Die Frauen sind seit ungefähr 18 Jahren zeugungsunfähig und Terrorismus bzw. Krieg herrschen auf der Welt. Neben der guten Grundidee hat mir vor allem die Präsentation gefallen. Die Kamerafahrten sind sehr gut, die Schnitte sind an den richtigen Stellen und auch der Sound wirkt passend.Das waren dann auch meistens die positiven Aspekte des Filmes. Das Drehbuch ist einfach komplett unfertig und voller Logiklöcher. Der Zuschauer erhält zu wenig bildliche Informationen über die Vergangenheit, wie es zu den vielen Katastrophen auf der Welt kam. Aber auch an anderen Stellen gibt es viele Logikfehler. Warum eigentlich das eine Mädchen ein Kind bekommt wird nie geklärt.Das Ende ist einfach zu vorhersehbar und platt. Der Ganze Film besitzt keinen einzigen Überraschungsmoment und kaum traurige Momente, die hier sehr gut gepasst hätte.Weder bei Clive Owens Rolle noch bei Michael Caines Rolle fühlt man Trauer, wenn dsie im Film stribt. Und das liegt ganz klar an der grauenvollen Charakterkonzept im Film. Der Zuschauer kann sich einfach mit keinem Charakter identifizieren, die meisten Schauspieler im Film übernehmen Statistenrollen. Clive Owen und die anderen Schauspieler zeogen einfach viel zu wenig, nur Michael Caine versucht es wenigstens.Der letzte Kritikpunkt betrifft die Struktur des Filmes. Im Film gibt es viel zu viele langsame Momente, die auch eigentlich nicht zur eigentlich angespannten und traurigen Situation im Film passen. Aus einem interessantem Film zu Beginn entwickelt sich im späteren Verlauf ein Kriegsfilm. Insgesamt gesehehn ein unfertiger Film mit sehr viel Potenzial, das aber bei weitem nicht genutzt wird.
Die Story alleine ist es nicht, 31. Mai 2008
Der Film hat mehr zu bieten als eine interessante Idee, wie eine katastrophale Zukunft aussehen könnte. Das Faszinierende ist auch wie diese Zukunft inszeniert ist. Es ist keine hochglanz Zukunft sondern eine in vielen liebevollen Details schmuddelige Zukunft. Wer den Film gesehen hat, sollte sich auch das Making-Of ansehen, denn wenn einem nicht schon die unglaublich langen Szenen ohne Schnitt aufgefallen sind, wird man diese Perspektive dort spätestens nocheinmal sehen.Inzwischen kennt man ähnliches auch von Cloverfield und so extrem wie dort ist es nicht, aber dafür wurden lange Sequenzen tatsächlich so inszeniert und choreografiert wie sie zu sehen sind, mit einer Kamera die sich frei hindurch bewegt. Das alleine bringt einen leicht dazu den Film gleich zweimal anzusehen. Es macht deshalb auch nichts wenn man die Handlung des ganzen Films prinzipell schon kennt, denn dort liegt nicht der Witz. Das WIE des Erzählens und Zeigens ist es, was fasziniert.Insofern ist dieser Film ein Meilenstein in der Filmgeschichte und sollte durchaus in einer guten Sammlung stehen.
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