Beschreibung
Die Damen bleiben einmal mehr unter sich, wenn es zum wiederholten Male heißt: The Finest Female Jazz Today. Insgesamt fünfzehn singende Ladies geben auf dieser abwechslungsreich bestückten Compilation einen Überblick über den weiblichen Jazz unserer Tage -- wobei der Stilbegriff Jazz nicht sklavisch eng abgesteckt wird, sondern in diesem Fall auch Artverwandtes und Benachbartes umfasst. Wie es schon guter Brauch ist, versammelt die fünfte Famous-Folge ebenfalls wieder ältere und jüngere Vokalistinnen, erfahrene Profis mit langjährigem Background und viel versprechende Neulinge, denen man völlig zu Recht eine große Zukunft prophezeit. Zu den etablierten Topstars zählt fraglos die 89-jährige (!) Lena Horne, die hier mit der Lebensweisheit und Würde einer Seniorin den einst von Gene Kelly im Hollywood-Musical Du sollst mein Glücksstern sein populär gemachten Klassiker Singin' In The Rain interpretiert. Cassandra Wilson, ebenso längst eine feste Größe, präsentiert sich im Titel It Would Be So Easy erneut als Meisterin der Andeutungen und Aussparungen; aus wenigen wohl platzierten Tönen zaubert sie eine hinreißende Atmosphäre. Die 66-jährige Canzetta "Candi" Staton kehrt nach überwundener Alkoholsucht und langen Jahren als Gospelsängerin in ihrer eigenen Kirchengemeinde Beracah Ministries zu weltlichen Dingen zurück; sie zeigt im wunderbaren Southern-Soul-Stück When Will I, dass sie in der Zwischenzeit gar nichts verlernt hat. Und Dee Dee Bridgewater schließlich, Wahleuropäerin mit US-Pass, gestaltet Into My Soul nach Art einer Nachtclubsängerin so richtig schön lasziv; da fühlt man sich gleich in eine mitternächtliche Barszenerie versetzt. Die junge Garde wird von Künstlerinnen wie Corinne Bailey Rae, Vanessa Freeman und Anna Lauvergnac angeführt. Joss Stone, die hier Harlan Howards Countryschnulze The Chokin' Kind raffiniert in ein tief empfundenes Stück Südstaaten-Soul verwandelt, darf man sicherlich ebenfalls zu dieser Gruppe zählen, auch wenn sie bereits mit sechzehn Jahren Star-Status genoss. Das Gleiche gilt für die 22-jährige Katie Melua, die aparte Schönheit mit den schwarzen Knopfaugen ist längst weltberühmt; sie flirtet zum schnurrenden Stehbass, locker aus dem Handgelenk geschüttelten Pianoakkorden und einem von Besen gestreichelten Schlagzeug zauberhaft mit einem imaginären Shy Boy. Das Repertoire von Famous 5 hat man wiederum äußerst geschmackvoll zusammengestellt. Obwohl die Damen aus den unterschiedlichsten Erdregionen stammen (Italien, Skandinavien, Deutschland, Großbritannien, USA, Kanada) und die stilistische Bandbreite vom traditionellen Jazz über Smoothjazz und Lounge bis zu Bossa, Funk, Folk und Soul reicht, wirkt alles wie aus einem Guss. Langeweile kommt bei soviel Abwechslung natürlich in keinem Moment auf. -- Harald Kepler
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