Kundenmeinungen
Klasse Kino!, 14. Juli 2008
Ich hab vorgestern endlich eine filmische Lücke geschlossen und "Philadelphia" geschaut. Der Film ist zwar schon ein bisschen angejahrt, aber 1993 mit der Thematik war der brisant und wichtig. Und heute ist "Philadelphia" nach wie vor ein hochemotionales dramatisches Meisterstück, auch wenn AIDS selber nicht mehr so das Schreckgespenst ist wie in der Vergangenheit. Tom Hanks hat seinen Oscar mehr als verdient, ein dickes Bravo auch an Denzel Washington, der superb spielt, und auch der Rest der Besetzung ist vom Feinsten. Aber der Reihe nach: "Philadelphia" war zwar nicht der erste Film, der Homosexualität und AIDS zum Thema hatte, aber bestimmt der erste diesbezüglich aus einem Major Studio Hollywoods und 1993 wohl alles andere als selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie schwer sich die Filmmetropole seinerzeit tat mit dem Gedanken, einen Großteil ihres Ruhms homosexuellen Künstlern zu verdanken, die sie zu einem Doppelleben zwang (wie etwa Rock Hudson), und wie schwer sich das "normale" Amerika mit "Randgruppen" tat (und wohl in grossem Ausmass auch immer noch tut)."Philadelphia" war seinerzeit ein enorm wichtiger Film, weil er sich mit verdrängten Realitäten auseinandersetzte und sein Plädoyer für Offenheit, Gerechtigkeit und Toleranz war seinerzeit gültig, ist jetzt gültig und wird immer gültig sein. Nicht von ungefähr spielt der Film in Philadelphia, jener Stadt, in der 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verkündet wurde. Mit "Philadelphia" bewies Regisseur Jonathan Demme wie seriös und authentisch Mainstream-Kino sein kann. Produziert wurde der Film von einem hetero-/homosexuellen Team. Der (homosexuelle) Drehbuchautor Ron Nyswaner und der (heterosexuelle) Regisseur Jonathan Demme vermieden erfolgreich das stereotype Bild des promiskuitiven, sexsüchtigen Schwulen. Sie nahmen einen tragischen, sympathischen Helden, der fast allen Massstäben gerecht werden kann: er ist ein arbeitsamer, aufstrebender Anwalt, ein guter Staatsbürger, lebt in einer monogamen Beziehung (bis auf den einen, tragischen Seitensprung). Mit so jemandem kann sich ein typisches Mainstream-Publikum eher identifizieren und erkennen, was sowieso selbstverständlich sein sollte: Die sexuelle Orientierung sagt nichts über den Wert eines Menschen aus. Und dieses Ziel wurde erreicht: Der Film wurde ein Grosserfolg, die Identifikation gelang wohl bei Millionen von Kinobesuchern und somit sei Nyswaner und Demme auch nachgesehen, dass sie mit der Figur des homosexuellen Andrew Beckett einen Sympathieträger schufen, der (ausser seiner Homosexualität) wirklich keinen "Makel" vorzuweisen hat - schlichtweg ein Mensch wie aus dem Bilderbuch, der so in der Realität fast nicht zu finden ist und den man einfach gernhaben MUSS.Tom Hanks, der bis anhin vor allem den Kasper oder Bruder Leichtfuss in ebensolchen Filmen gespielt hatte, zeigte hier zum ersten Mal, welch grosses Talent in ihm schlummerte und er weiss durch seine unpathetische und dadurch sehr bewegende Darstellung eines an AIDS sterbenden Menschen enorm zu berühren. Die Callas-Arien-Szene z.B. fand ich schlichtweg atemberaubend in ihrer Intensität. Die Musik, die Kamera, Hanks und Washington - hypnotisch! Apropos Washington: Seine Darstellung war erstklassig und die Entwicklung seiner Figur absolut glaubwürdig. In Nebenrollen glänzen Antonio Banderas, Jason Robards, Joanne Woodward. "Philadelphia" ist für Filmgourmets ein Genuss erster Güte, ein packender Film, scharfsinnig in seiner Anlage, voll schauspielerischer Höhepunkte. Ein Film, der auch nach dem Abspann noch nicht fertig ist, und der mich, selten genug, seit langem wieder mal zu Tränen rührte. Grosses Kino!
Der Film hat alle Ehren verdient., 13. Oktober 2007
Es stimmt alles: die Dramatik, die Inszenierung und die hohe Klasse der Darsteller. Die Geschichte könnte nicht ergreifender und packender und spannender sein. Die Inszenierung gefällt mir, weil sich Zeit für Gefühl findet (ich denke zB. an die Arien-Szene nach der Party, von der Sterbeszene will ich gar nicht reden). Über die Darsteller brauche ich kein Wort verlieren: Hanks hat den Oscar dafür wohl am meisten verdient von allen, die jemals einen bekamen und Washington ist grandios. Dazu Antonio Banderas als ungeheuer passende Zugabe - was will mal mehr.Ja, ich wollte mehr. Oder besser - ich will mehr, heute. Denn leider bleibt der Film bei den rechtlichen Gesichtspunkten hängen, die sehr interessant sind, wo sie doch eigentich Nebensache sind, wenn es um Leben und Tod geht. Heute, nach vielen Jahren, wünschte ich, der Film würde wirklich von AIDS handeln, mit allen Gesichtspunkten. Aber das war nicht gewollt und vielleicht zu der Zeit und in den USA einfach nicht möglich. Ein Schwulenfilm und ein Thema, das noch ziemlich neu war und von der überwiegenden Mehrheit nicht wahr und nicht ernst genommen wurde. Die Macher und die Darsteller haben viel riskiert und alles richtig gemacht und zurecht Lob eingeheimst. Doch wenn ich den Film heute anschaue, denke ich immer, sie hätte weiter, tiefer gehen sollen.
Philadelphia - Erschreckende Darstellung der Realität, 22. Mai 2007
Philadelphia ist ein Beeindruckender Film ,der aber auch sehr erschreckend zeigt wie einige Menschen in dieser Zeit auf AIDSkranke reagieren.Die Schauspieler, besonders Tom Hanks und Denzel Washington,leisten hier grandiose Arbeit.Tom Hanks spielt seine Rolle lebensnah und sehr dramatisch.Auch war Jason Robards als Kanzleiführer Charles Wheeler sehr überzeugend,wenn auch die menschliche Rolle hier schon eher ins unmenschliche wechselt.Der Film ist sehr traurig, da man den Leidensweg eines AIDSkranken mitverfolgen kann und man weiß, das dieses nicht nur eine ausgedachte Geschichte ist, sondern Millionen Menschen in der Welt betrifft.Der einzige Kritikpunkt den man hier nennen kann ist, dass der Film sehr vorhersehbar ist.Man weiß schon in der Mitte des Films wie er ausgeht.Leider ist deswegen auch fast keine Spannung vorhanden, obwohl das vielleicht in so einem Film nicht ganz angebracht wäre.Deswegen wird der Film in manchen Teilen etwas langweilig ;einige Szenenziehen sich zu lange hin.Im Großen und Ganzen ist der Film eine Klasse für sich und soll den Menschen die Augen öffnen, dass Diskriminierung eine großes Problem ist und uns alle betrifft.
Zäher Film über das ernste Problem AIDS, 22. Mai 2007
Der Film zeigt die harte Realität über AIDS und die negative Sonderstellung von Schwulen im Bezug zu der unheilbaren Krankheit.Anhand eines renomierten homosexuellen Anwalts, dem beim kleinsten Anzeichen seiner Krankheit aus fadenscheinigen Gründen gekündigt wird, zeigt der Film die bittere Wahrheit der Krankheit und ihren Status in der Öffentlichkeit!Der junge Anwalt Andrew Backett, gespielt von Tom Hanks, zieht vor Gericht und stirbt am Ende des Films. Der Film soll aber zeigen, dass die Menschen kein Problem mit seiner Krankheit haben, sondern mit seiner sexuellen Neigung! Zwar kommt der Film sehr einfühlsam rüber, aber zieht sich dermaßen und ohne jede Überraschung in die Länge, dass der Film nur begrenzt zu empfehlen ist. Trotzdem ist die schauspielerische Leistung der Mitwirkenden sehr gut. Die Filmmusik passt sehr gut zum Thema, aber wie schon gesagt, ist der Gerichtsteil im Film übertrieben lang und wird schnell öde!
Ein wichtiger Film mit Grösse, 29. November 2006
Philadelphia ist wohl zweifellos zu den wichtigsten Filmen seiner Zeit zu zählen. Jonathan Demme verstand es ein kontroverses und sensibles Thema sehr wirkungsvoll und berührend auf die Leinwand zu bringen, und somit die öffentliche Meinung mitzuformen. Seine Herangehensweise an die Thematik ist nie voreingenommen oder übermässig dramatisiert und auf forciert-theatralisch vorgetragene Moralappelle wird glücklicherweise weitgehend verzichtet. Stattdessen verlässt sich der Film vollständig auf die schauspielerischen Darbietungen der Akteure, im speziellen natürlich Tom Hanks, in einer seiner wohl besten Rollen.Seine Darstellung ist lebensnah, feinfühlig und von unglaublicher Dramatik erfüllt, was vor allem in einzelnen Szenen, wie etwa der Musiksequenz, intensiv zum Ausdruck kommt.Auch Denzel Washington spielt perfekt und überzeugt vollkommen in seinem Portrait des selbst nicht wenig voreingenommenen Anwalts. Stets wirken seine Handlungen nachvollziehbar und sein Charakter gut verständlich.Wo Antonio Banderas als Lebensgefährte Becketts allerdings nur wenig schauspielerisches Talent zeigt, kann dafür Jason Robards als Kanzleiführer Charles Wheeler einen weiteren darstellerischen Glanzpunkt setzen. Auch seine Darstellung ist zutiefst realistisch, menschlich (im Guten wie im Schlechten) und vielschichtig.Generell ist Philadelphia von einer grossen Humanität durchzogen, die sich auch in vielen stark berührenden Momenten zeigt. Kaum ein Zuschauer wird sich der emotionalen Wirkung dieser Geschichte und der schauspielerischen Leistung Hanks entziehen können. Die passende Musik von Howard Shore mit dem prämierten Titelsong Streets of Philadelphia von Bruce Springsteen unterstreicht die ansonsten unspektakuläre Inszenierung taktvoll.Als einzigen größeren Kritikpunkt muss man wohl die mangelhafte Dramaturgie anbringen, denn wenn es auch verständlich erscheint, dass bei einer solchen Thematik keine intensiven Actionszenen zu erwarten sind, so hätte dem Film ein wenig mehr Spannung doch sicherlich gut getan. So findet sich im ganzen Film kein wirklicher Höhepunkt, und die zentrale Urteilsverkündung im Gerichtssaal scheint beinahe nebensächlich
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