Beschreibung
Es ist unwahrscheinlich, dass Ridley Scotts schön anzusehender Film nicht für die nächsten Jahre einen Meilenstein für Ritterfilme darstellen wird. Königreich der Himmel ist mehr als nur die Summe seiner Einzelteile und zeigt eine kraftvolle und fesselnde Geschichte, die sich um Balian (Orlando Bloom), einen einsamen französischen Schmied dreht, der fest stellt, dass er eigentlich ein adeliger Erbe ist und den Platz seines Vaters (Liam Neeson) im Zentrum des Universums um das Jahr 1184 herum einnehmen soll: Jerusalem. Große Schlachten und politische Intrigen sind hier der Schlüssel, und Scott sowie der Drehbuch-Neuling William Monahan bauen eine herausragende Geschichte um den Jahrhunderte langen Konflikt herum. Zwei fortschrittlich denkende Könige - Baldwin (Edward Norton in einer nicht in den Titeln benannten, aber dennoch wichtigen Rolle) und Saladin (Ghassan Massoud) - halten einen unsicheren Waffenstillstand zwischen Christen (die die Stadt besetzt halten) und Moslems, während andere Parteien nach Blut dürsten. Auf beiden Seiten gibt es Gute und Böse, wobei die Tempelritter die meiste Schuld auf sich nehmen müssen. Balian will sein Innerstes erforschen, indem er Baldwin und die Bevölkerung beschützt. Der Look des Films ist - wie beinahe alles von Scott - beeindruckend: die durch Computereffekte aufgemotzten Schlachtszenen erinnern an Herr der Ringe und schaffen mit Hilfe von Kameramann John Mathieson Postkartenmotive der verschneiten französischen Wälder und der weiten Wüste (hierfür wurde in Marokko und Spanien gedreht). Hervorragende Nebendarsteller, darunter Jeremy Irons, Brendan Gleeson und David Thewlis, tragen auch dazu bei, dass der Film im Kopf und im Herzen funktioniert. Viele Kritiker schrieben, dass Bloom als Hauptdarsteller nicht die Tiefe von Russell Crowe besäße (wer tut das schon?), aber nicht der Schauspieler schadet dem Film und seiner Kraft, sondern die schlecht entwickelte Rolle. Balian hat nicht viel mehr zu tun als düster zu schauen und hin und wieder eine große Rede zu halten - all das zusammen mit seinen erstaunlichen Fähigkeiten in Sachen Kriegführung und seine undeutliche moralische Ausrichtung (deren einziger Sinn darin zu bestehen scheint, im Film für eine Liebesszene zu sorgen). Übrigens: alle Hauptfiguren außer die von Neeson beruhen auf Fakten, aber bei vielen wurde etwas hinzu gedichtet. --Doug Thomas
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Kundenmeinungen
Der Kreuzzugsfilm, aktueller den je., 9. September 2008
Statt zur Kinofassung lieber zum Director}s Cut greifen. Die Handlung des Films kann man ohne große Probleme auf die heutige Zeit übertragen. Deshalb ist die Langversion besser. Sie steigt mehr in die Geschichte ein und beleuchtet die Figuren besser. Natürlich gibt es auch historische Ungenauigkeiten. Die Handlung beruht nur sehr lose auf der Biographie Balians des Jüngeren. Historiker wie Jonathan Riley-Smith kritisierten die Handlung als historisch falsch und unsinnig. Zwar existierten die Hauptcharaktere, wie etwa der leprakranke Monarch Balduin IV., der Thronfolger Guy de Luisignan und seine Gemahlin Sybille oder der Unruhestifter Reginald de Chatîllon, aber die wahren Sachverhalte unterscheiden sich von den im Film gezeigten. Beispielsweise hat Salahaddin (Saladin) zwar nach der Kapitulation Jerusalems ein Massaker verhindert, forderte aber Lösegeld für den freien Abzug der Christen. Saladin schenkte seinem Bruder rund 3.000 Christen als Sklaven, die dieser jedoch freiließ. In diesem Film wurde Saladin als Araber präsentiert, tatsächlich war er jedoch kurdischer Abstammung. Auch die Rolle des Tempelritterordens (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis) wird im Film falsch dargestellt, da weder der historische Reginald de Chatîllon noch Guy de Lusignan dem mönchischen Orden der Tempelritter angehörten.
Jetzt ist es ein toller Film, 23. Juli 2008
Ich habe den Film seinerzeit im Kino gesehen. Er hat mit zwar ganz gut gefallen, aber irgendwie fehlte etwas. Alles wirkte oberflächlich. Bis auf die nunmehr verständlichere Entwicklung von Eva Greens Charakter Sybilla war mir gar nicht konkret aufgefallen, was eigentlich neu war. Aber insgesamt hatte man das Gefühl, einen wirklich wesentlich besseren und überhaupt sehr guten Film zu sehen. Es stimmte auf einmal alles!Es ist wirklich schade, dass die künstlerische Freiheit der Regisseure so oft auf Druck der Studios zugunsten der Laufzeit beschränkt wird. Es mag zwar Fälle geben, wo Kürzungen sogar berechtigt sind. Dieser Directors Cut zeigt aber, dass die Produzenten einem so großen Meister wie Ridley Scott besser vertraut hätten! Unbedingt zu empfehlen!
Epochaler Ritterfilm mit friedlicher Botschaft, 9. Juli 2008
"Königreich der Himmel" ist zwar ein Film über einen Krieg, aber seine Botschaft ist die des Friedens, gegenseitigen Verständnisses und Respekts. Der Film verklärt den Krieg nicht als Heldentat oder Abenteuer wie manch andere Ritterfilme; er verzichtet ganz darauf, die Kriegsseiten leicht verdaulich nach Gut und Böse aufzuteilen. Die Kampfszenen sind sehr brutal, es spritzt reichlich Blut, aber in diesem Fall empfand ich es nicht als geschmacklos oder Effekthascherei. Die Schauspieler fand ich durchweg sehr gut gewählt, auch den viel kritisierten Orlando Bloom. Ich fand sein "Understatement" sehr passend für diese Rolle, angenehm frei von Pathos. Er macht Balian zu einem einzigartigen Rittercharakter, vielleicht nicht dem stärksten, aber das sollte er auch gar nicht sein, denn das Königreich der Himmel ist kein Ort für Helden.Gewiß ist der Film nicht richtig historisch korrekt, aber darüber kann sogar ich als Geschichts-Fan gut hinwegsehen aufgrund seiner anderen Vorzüge.Der Film bekommt von mir volle 5 Sterne. Er ist unterhaltsam, aber nicht "nur", er bleibt lange in Erinnerung.
Historisch etwas ungenau, aber bombastisch..., 4. Juli 2008
Zunächst die Kritikpunkte: Historisch sollte die vernichtende Niederlage der Kreuzfahrer wohl die Schlacht von Hattin darstellen, diese fand 1187 A.D. statt. Nur: Das christliche Heer wurde hierbei nicht von einem inkompetenten Fanatiker geführt, sondern tatsächlich noch von dem König, der im Film kurz zuvor das Zeitliche segnete. Balian (den es tatsächlich gab) nahm übrigens an dieser Schlacht teil und konnte sich mit einem kleinen Teil des Heeres retten.Er und ein Kirchenoberhaupt organisierten dann auch die Verteidigung von Jerusalem. Maßlos übertrieben ist hier die Größe der damals eingesetzten Heere: Wird die Kopfstärke der Kreuzfahrer auch nie genannt, so ist deutlich zu sehen, daß sie die (heutigen Schätzungen zufolge) Größe von ca. 20 000 Mann bei weitem überschreitet, von den angeblichen 200 000 Mann Saladins gar nicht zu reden: Im Bestfall kann hier von 40 000 Mann ausgegangen werden, falls überhaupt. Daß ich über dies hinwegsehe, liegt an den beeindruckenden Aufmärschen, die durch eine solche Übertreibung im Film gezeigt werden - einfach bombastisch!Historisch genaue Filme sind indes selten (selbst der sehr gute "Braveheart" ist nicht sehr den tatsächlichen Geschehnissen angepasst), in diesem Fall sollte es keinesfalls der Grund sein, den Film zu meiden.Als weitere Highlights sind wunderschöne Landschaftsaufnahmen zu nennen, der Film ist schlicht ein Reigen von großartigen Bildern, seien es Bilder einer winterlichen Landschaft in Europa, eines sonnendurchfluteten, schneebedeckten Waldes, demgegenüber der Gegensatz der Wüstenlandschaften und Städte des Nahen Ostens stehen.In der Langversion des Films erfährt man nun endlich, wie der Hufschmied so schnell zum Feldherrn, hervorragenden Kämpfer und Belagerungsexperten wurde: Er war es bereits vor seinem Zug ins Heilige Land, nur sorgten die Kürzungen der Kinoversion und der ersten DVD-Version dafür, daß man die entsprechenden, erklärenden Sequenzen nie zu Gesicht bekam. Dies war natürlich eine krasse inhaltliche Ungereimtheit.
Legolas gibt den Aragorn, 7. Juni 2008
Die Zeit der mittelalterlichen Kreuzzüge sind ein Thema, das bis her noch nicht in erschöpfender Weise für das Kino herhalten musste. Ridley Scott ('Blade Runner') hat sich in einer teuren und starbesetzten Produktion nun diesem Abschnitt der Geschichte gewidmet.Mädchenschwarm Orlando Bloom ('Lord of the Rings') spielt wie schon in 'Fluch der Karibik' einen Schmied, der nach dem Selbstmord seiner Frau von dem Edelmann Godfrey (Liam Neeson) aufgesucht wird. Er gibt sich ihm als Vater zu erkennen und möchte ihn in das heilige Land führen. Nach dem Mord an einem pervertierten Geistlichen bleibt Balian nichts anderes übrig und begleitet seinen tödlich verwundeten Vater nach Jerusalem. Hier gerät er zwischen die verfeindeten Linien von Sarazenen und Templern, die den brüchigen Frieden unterminieren, um alleine in der heiligen Stadt zu herrschen.'Königreich der Himmel' entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein top-besetztes Historien-Drama mit viel Actionanteil. Leider fällt auch auf, dass der Film zwar in den Nebenrollen zu glänzen vermag, in der Hauptrolle aber völlig fehlbesetzt ist. Jeremy Irons als Berater Tiberius und Liam Neeson als Balians Vater Godfrey erweisen sich als eine bis zwei Nummern zu groß für Orlando Bloom, der aufgrund seines verheerenden Verbrechens am Anfang niemals zu einer Sympathiefigur aufsteigen kann und dessen Motivation im Laufe des Films nie ergründet wird. In den Schatten gespielt werden alle aber von Baldwin IV., dem leprakranken König von Jerusalem, der sein Gesicht hinter einer Maske verbergen muss. Hinter der Maske verbirgt sich übrigens ein bekanntes Gesicht. Mal auf den Abspann achten!^^'Königreich der Himmel' ist historisch nicht immer akkurat, aber eine Hollywood-Produktion ist schließlich auch kein Seminarvortrag. Dass was Ridley Scott kann, klappt auch in diesem Film: Er sieht einfach fein aus. Der Drehort Jerusalem sieht glaubwürdig aus, die Kostüme sind detailreich und auch die Actionsequenzen sehen z.B. besser aus, als in vergleichbaren Filmen wie 'Troja' und 'King Arthur'. Dennoch weist der Film Längen auf, die Schere hätte ein ums andere mal gut getan und spätestens wenn Balian sich als Verteidiger Jerusalems aufschwingt und vermeintlich mitreißende Reden an seine Soldaten richtet, fällt auf: Dem Vergleich mit Aragorn, der sich zwangsweise aufdrängt, kann er nicht standhalten. Fazit------Der Film schafft gerade so den vierten Stern. Längen und eine Fehlbesetzung der Hauptrolle sind eben Schnitzer, die sich kein Film erlauben sollte. Gerettet wird der Film aber durch die exzellent besetzten Nebenrollen, eine opulente Optik und sehr gute Action-Sequenzen. Man wird (bisweilen gut) unterhalten, aber von Ridley Scott ist man eigentlich Besseres gewöhnt.
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