Beschreibung
Ein exklusives Lied von Tom Waits, das es nur auf dieser CD (in vier Versionen!) gibt, plus ein sehr melodiöser Score, eingespielt von einem kleinen Orchester: Dank dieser stimmigen Mischung ist dieser Soundtrack keinesfalls ausschließlich für Fans des US-Kultmusikers empfehlenswert. Wer "Der Tiger und der Schnee" von Oscar-Gewinner Robert Benigni (Das Leben ist schön), gesehen hat, behält einen Song in Erinnerung: "You Can Never Hold Back Spring"! Jenes Lied hat Tom Waits nicht nur extra für den Soundtrack dieser Kinoproduktion geschrieben und in unterschiedlichen Arrangements aufgenommen; der extravagante US-Pianist/-Sänger spielt es auch live zum Auftakt der poetischen Tragikomödie - in einer Traumsequenz, die als Leitmotiv während der 114 Minuten immer wieder eingeblendet wird! Die Ballade, die Waits zusammen mit seiner Ehefrau sowie musikalischen Weggefährtin Kathleen Brennan komponiert hat und in Der Tiger und der Schnee mit Band aufführt, ist der Schlüsselsong dieses Films. Der Text besitzt Symbolkraft und eine Zeile wie "Du kannst den Frühling niemals zurückhalten" spricht für sich. Wie kam Tom Waits überhaupt zu diesem Engagement? Ihn verbindet mit Benigni eine Freundschaft, seit er an dessen Seite in Jim Jarmusch melancholischer Kult-Komödie Down By Law (1986) agierte. "You Can Never Hold Back Spring" ist typisch für Waits Schaffen. Die Lyrik, poetisch-kraftvoll; die Instrumentierung, eingängig-eigenwillig; die Stimme, rau-melodiös. Indem er hier Melancholie und Lebenskraft mit einander verbindet, zelebriert der Amerikaner am Klavier eindrucksvoll, dass der Lauf der Dinge unaufhaltsam ist. Verständlich, dass dieses ausdruckstarke Lied eine zentrale Rolle während des Films einnimmt und dort mehrfach zum Einsatz kommt. Und was gibt es über den Score zu sagen? Vor "Der Tiger und der Schnee" hat Benigni den Landsmann Piovani bereits zur Untermalung seiner Streifen Pinocchio (2002) sowie dem erwähnten Das Leben ist schön (1997) verpflichtet. Für Letzteren gewann Piovani den Oscar für die beste Musik (Original Dramatic Score)! Auch diesmal führte Benigni selbst wieder Regie, verkörperte die Hauptrolle und verfasste das Drehbuch. Er erzählt darin die Geschichte von Attilio De Giovanni. Der romantische Poesie-Dozent an der Universität für Ausländer in Italiens Hauptstadt, der die Gedicht-Sammlung Der Tiger und der Schnee veröffentlicht hat, ist in Vittoria (Nicoletta Braschi) verliebt. Die Journalistin will von den ständigen Avancen des liebenswerten Chaoten jedoch nur wenig wissen, weil ihr momentan die Arbeit an einer Biographie über den irakischen Poeten Fuad (Jean Reno) wichtiger ist. Als dieser in seine Heimat zurückkehrt, folgt die Römerin ihm, um das Buch dort fertigzustellen. Wenig später erhält Attilio von Fuad die Nachricht, dass Vittoria nach einem Bombenanschlag in einem Krankenhaus in Bagdad im Koma liegt. Sofort macht sich der Traumtänzer und selbstlose Liebhaber auf in das ihm völlig fremde arabische Land... Setzte Benigni in Das Leben ist schön die Fantasie als Mittel der Verdrängung des Holocaust-/KZ-Greuls ein, so kämpft er jetzt mit Hilfe der Poesie gegen Gewalt. Dies durch passende Musik zu begleiten, war Aufgabe von Nicola Piovani. Er, der seine Karriere 1967 mit einem Preis in einem Klavierwettbewerb begann und am Konservatorium in Mailand studierte, gehört zur neuen Generation italienischer Filmkomponisten. Unter anderem war der gebürtige Römer tätig für Fellini (Ginger und Fred, Intervista, Die Stimme des Mondes), vertonte aber auch hierzulande populäre Kassenschlager wie die beiden Sams-Verfilmungen. Typisch für Piovani sind schöne Melodien und ein sehr persönlicher Ton. Das ist auch auf seinem 122.Score seit 1970 zu hören. Es entstanden 17 Instrumentalstücke, die allesamt mit dem von ihm dirigierten renommierten Orchestra Di Roma aufgenommen worden sind. Die in ihren Stimmungen facettenreiche Musik untermalt somit einen außergewöhnlichen Liebesfilm voller poetisch-groteskem Humor. Thomas Hammerl
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