Kundenmeinungen
Die wohl gelungenste Hamlet-Verfilmung, geeignet für jedes Publikum, 4. August 2008
Als Englisch-Studentin belegte ich kürzlich ein Shakespeare-Seminar, in dem vier ausgewählte Stücke behandelt wurden -- inklusive der zu ihnen existierenden Filme. So auch Hamlet bzw. die Hamlet-Verfilmung.Was soll ich sagen: Auch wenn die Meinungen meiner Kommilitonen nicht einstimmig waren-- unterm Strich waren wir der Ansicht, dass der Franco-Zeffirelli-Streifen mit Mel Gibson als Hamlet und Glenn Close als Königin Gertrude die wohl beste und beeindruckendste Adaptation des berühmten Stoffes ist. Im Gegensatz zur manch anderen filmischen Umsetzung verzerren die Schauspielkunst und die Dramaturgie in diesem Film nicht allzu sehr den Inhalt des Dramas. Auch hält sich das experimentelle Moment in Grenzen, welches von der Aussage des Dramas leicht ablenken könnte. Beide sind andererseits sehr gut an das Medium Film angepasst und wirken, im Gegensatz zu der älteren Laurence-Olivier-Version (die Fans mögen es mir verzeihen), nicht wie eine steife und leicht hölzerne Theaterstück-Aufzeichnung. Mel Gibson brilliert als Hamlet und haucht ihm genau die richtige Dosis Verzweiflung, Verwirrung und Wut ein. Doch auch Glenn Close (Gertrude) und Helena Bonham-Carter (Ophelia) werden ihrem herausragendem schauspielerischem Ruf mehr als gerecht und füllen ihre Rollen absolut beeindruckend aus. Was mich ganz besonders überzeugt hat ist der Spagat, den der Film zwischen Anspruch und Unterhaltungswert vollbringt. Mit anderen Worten: Der Film ist ein Genuss für den anspruchsvollen Konsumenten mit "Shakespeare-Erfahrung", aber durchaus "massentauglich". Sprich: zugänglich und tauglich für Jedermann. Dies ist eher ein seltenes, aber lobenswertes Phänomen, denn allzu häufig verkommt Zugänglichkeit leider zu Banalität, Unzugänglichkeit aber zu "Bildungsarroganz". Hier ist dies nicht der Fall.Kurz gesagt: Eine Hamlet-Verfilmung, die uneingeschränkt und für jede Art von Konsument empfehlenswert ist!
Ein alter Hamlet, 16. Juli 2008
Ich stehe im Laden und sehe Mel Gibson und Glen Close auf dem Cover einer Hamletverfilmung. "Ist ja interessant," denke ich mir, "ein Hamletcover mit Gertrude und Claudius drauf." Falsch gedacht, tatsächlich spielt Mel Gibson Hamlet. Eine Rolle in der zahlreiche weibliche Schauspielerinnen brillierten. Und warum? Eben weil eine Frau rein optisch leicht in die Rolle eines noch unreifen, jugendlichen Mannes schlüpfen kann. Und jetzt der über 50-jährige Mel Gibson in der Rolle des zweifelnden, noch unselbständigen, eben noch nicht reifen Prinzen von Dänemark? Was haben die sich bei der Besetzung gedacht?Etwas skeptisch war ich schon, als ich mir den Film anschaute. Aber sehr schnell vergaß ich meine Erwartungen in die Rolle des Hamlet. Trotz der Altersdiskrepanz ging Gibson in seiner Rolle auf. Einzig die "Closet Scene" stellte mich vor weitere Rätsel. Der Regisseur hatte sich wohl an psychologischen Deutungen orientiert, die Hamlet einen Ödipuskomplex unterstellen. Trotzdem finde ich es richtig geschmacklos, wie hier eine Vergewaltigung Gertrudes durch Hamlet angedeutet wird. Im Original (bei Shakespeare)macht Hamlet ihr Vorwürfe, wegen ihrer Sexualität und dass sie das Andenken des Vaters nicht würdigt. Will er in dieser Verfilmung nun selber Hand anlegen und seinen Vater ehren, indem er seine Mutter flachlegt? Das geht völlig am Original vorbei.Trotz allem ein fesselnder, dramatischer Film. Meist macht der zu alte Hamlet eine gute Figur.
Von dieser Hamletverfilmung, 5. November 2007
kann ich nur dringend abraten. Zwar ist der Film für sich betrachtet nicht schlecht, aber im Vergleich zu anderen Hamletverfilmungen eben doch. Mel Gibson versagt meiner Ansicht nach kläglich, da ich ihm den mit sich selber ringenden Prinzen leider nur selten abnehmen konnte. Und wenn man sich nach dieser Fassung diejenige mit/von Kenneth Branagh oder die von Laurence Olivier anguckt, dann kann man nur sagen: ab ins Regal mit Dir zum verstauben.
Dieser Hamlet nervt!, 6. Juli 2007
Vielleicht liegt's ja am Alter, dass ich mit diesem Hamlet nichts, aber auch gar nichts anfangen kann. Bin anderes gewöhnt und kann mich schlecht auf eine derartig reißerische Inszenierung und Darstellung (Gibson) einlassen. Die vielgerühmte Intensität Gibson empfinde ich als pure Hysterie und Actionmanie.
Viel Licht, ein wenig Schatten, 18. September 2006
Eine großartige Verfilmung, keine Frage, Regisseur Franco Zeffirelli ist wieder einmal eine Garantie. Kulissen, Umgebung, Kostüme, Schauspieler, alles passt perfekt zusammen.Zwei Schwachstellen müssen erwähnt werden, und sie betreffen leider beide den Hauptdarsteller Mel Gibson. Er spielt sehr gut, keine Frage. Aber für die Rolle des Hamlet war er eigentlich schon zu alt; welcher Kronprinz würde sich einfach den Thron von seinem Onkel abspenstig machen und in seinem eigenen Schloss ins Abseits schieben lassen, außer er ist sehr jung und unerfahren? Der shakespearische Hamlet war eigentlich ein bartloser Jüngling von vielleicht zwanzig Jahren. Dass Glenn Close, die seine Mutter spielt, nur wenige Lenze mehr zählt als Gibson, wird durch Maske und Kostüme unauffällig gemacht und kann allenfalls als Gag aufgefasst werden, wenn man davon weiß.Unnötig und leicht nervtötend ist aber das Ende, ein actionlastiger, hollywoodmäßiger Showdown, in dem sich Mel Gibson sichtlich in seinem Element fühlt und nach allen düsteren Gedanken und Gefühlen endlich einmal "austoben" kann, was ihm die Filmcrew sichtlich gönnt und ihm dabei freie Hand lässt. Zuletzt wünscht ihm sein Freund Horatio, die Engel mögen Hamlet in den Himmel tragen, was den Eindruck verstärkt, wir hätten es hier mit einem Helden zu tun. Moment...? Hallo...? Was Hamlet begeht, ist ganz klar mehrfacher Mord! In seiner Lage verständlich, aber ganz sicher nicht bewundernswert! Sicher ist es der Originaltext von Shakespeare, aber diese ausdrückliche, hollywoodtypische Betonung der Moral "Wer die Bösen umbringt, ist kein Mörder" hat mich doch sehr abgestoßen.Von diesen kleinen Schwachstellen abgesehen, ist diese Verfilmung unter anderem wohl durchaus geeignet, jüngere Zuschauer für Shakespeare zu interessieren. Das "making of" mit den Kommentaren der Hauptdarsteller und des Regisseurs ist übrigens auch sehr empfehlenswert.
|