Beschreibung
Mit Die fetten Jahre sind vorbei brachte Regisseur Hans Weingartner die Politik zurück in den deutschen Film. Im Zentrum seiner Geschichte stehen die drei Klein-Revolutionäre Jan, Peter und Jule (Daniel Brühl, Stipe Erceg und Julia Jentsch), die mit lustigen Einbrecher-Streichen in Bonzen-Villen die Hausbesitzer verunsichern wollen. Als der verfrüht heimkehrende Geschäftsmann Hardenberg (Burkhart Klaußner) sie bei einer Aktion überrascht, wird er kurzerhand gekidnappt und in eine abgelegene Alpenhütte abtransportiert. Hier beginnt das eigentliche Herzstück des Films, denn genau genommen ist Die fetten Jahre sind vorbei ein Diskurs-Film: Hier trifft Idealist auf Realist, Jung-Revoluzzer auf Alt-68er, Systemkritik auf Angepasstheit - und über jeder Debatte hängt die Frage: Wer hat jetzt eigentlich recht? Eine Frage, die kaum zu beantworten ist, und Weingartner ist (trotz einer nicht zu leugnenden Sympathie für seine jungen Systemfeinde) klug genug, das auch nicht zu versuchen. Intelligent und fair betrachtet er stets beide Seiten der Medaille, lässt jedem guten Argument ein nicht weniger überzeugendes Ja, aber
folgen, und leistet so weit mehr, als nur einen politischen Film zu machen. Die fetten Jahre sind vorbei ist gleichermaßen gesellschaftliche Bestandsaufnahme, Verarbeitung der 68er-Vergangenheit, Hinterfragung der Sinnhaftigkeit politischen Widerstands in einer entpolitisierten Zeit - und letztlich doch eine Kampfansage ans Dasitzen und Nichtstun. Mit einem provokativen Ende sorgt Weingartner dafür, dass sein Film für den Zuschauer auch nach dem Abspann weitergeht - in der persönlichen Auseinandersetzung darüber, wie man das Gesehene (und Gehörte) jetzt eigentlich versteht und bewertet. Die fetten Jahre sind vorbei zwingt seine Zuschauer dazu, nicht nur eine Meinung zu beziehen, sondern über diese auch genau nachzudenken. Und das hat im deutschen Film wirklich lange keiner mehr geschafft. -- Frank-Michael Helmke
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Kundenmeinungen
Für Fans ein muss., 31. Oktober 2007
Daniel Brühl hat mal wieder eine Klasse Rolle gespielt, toller Film der das Leben zeigt von Jugendlichen die sich gegen die Gesellschaft wehrt.
"Endspiel", 15. September 2007
Das sieht nur auf den ersten Blick so aus, als sollte eine Robin-Hood-Geschichte erzählt werden. In wirklichkeit treffen die drei "Revoluzzer" auf ein alter ego, das 40 Jahre älter ist. Ähnlich wie in Peter Ustinovs großartigen Stück "Endspiel" diskutieren zwei Generationen über die Auswaschung der Ideale durch die Sachzwänge des Lebens. Viel spannender als die wohl von etlichen Zuschauern erwartete Polzeihatz ist die Frage, wie weit die vier Protagonisten sich selbst in der anderen Generation wiedererkennen. Großartig gespielt und mit viel Ruhe (Ustinov hätte mehr Tempo reingebracht) erzählt.
Money - That's What I Want (Barrett Strong), 30. August 2007
"Die fetten Jahre sind vorbei", so lautet der Titel des Filmes und lässt es mich so gleich ahnen: Die des deutschen Filmes! Nun, das ist mir nichts Neues. Und es bestätigt sich nur zu sehr beim Sehen dieses Streifens ...
Der Inhalt ist schnell erzählt: Drei Kreuzberger Kids (Jan, Peter, Jule) sind nicht einverstanden mit der Güterverteilung unserer Welt und knöpfen sich daher als eine Art Mahn-Guerilla die Zehlendorfer Villen von Superreichen vor. So steigen sie dort des Nachts ein, und verstellen die erlesenen Möbel und anderen teuren Nippes, ohne jedoch "wirklich" etwas mitgehen zu lassen oder zu zerstören. Dann wird noch eine Message für die Gutbegüterten hinterlassen: Du hast zuviel Geld (o.ä.).
Jedoch läuft die Sache nicht ganz rund, wie's eben so ist bei zwei Männern und einer Frau ... Der Gegenspieler der idealistisch denkenden Jungrevoluzzer ist der Geschäftsmann Hardenberg, der Jule beim Einbruch als frühere Unfallschuldige wiedererkennt. So flüchten alle drei mit dem Geschäftsmann in eine einsame Berghütte, wo man sich schließlich näher kommt ...
"Die fetten Jahre ..." ist ein äußerst hanebüchener, sehr plakativer und auch langatmiger Krampf über die alte Moralmär der Ungerechtigkeit unserer Welt, wie sie uns tagtäglich vor Augen geführt wird. Und auch von der Vorstellung dieser im immer wiederkehrenden Konflikt der Generationen, dem zwischen jung, planlos und idealistisch und alt, erfolgreich und materiell etabliert.
Zunächst sind die Dialoge zuhauf einfach nur kitschig phrasenhaft ("Ich wollte wild und frei sein."), bedauerlich schludrig und unintelligent. Ganz entscheidend ist aber, dass dem Film schlicht die Inszenierung an sich misslingt. Hier wird keinerlei Gefühl für diese doch sehr wichtige Thematik befördert. Die Begegnung der Generationen bleibt selbst in der Einöde der Alm tragisch indifferent. Man stellt bei einem Joint läppisch fest, dass man ja doch nicht so weit voneinander weg ist: Hardenberg war natürlich mal ein Core-68er. Und das ist auch schon der Gipfel sämtlicher vorhersehbarer Klischees. Zusätzlich gewinnt der Geschäftsmann dadurch die Oberhand, da er ja alles, was die Jungen gerade durchleben, bereits hinter sich hat. Auch die "freie Liebe", die den Jungen zum Eifersuchtsdrama (wie widersinnig) verkommt. Letztlich spiegelt "Die fetten Jahre ..." - auch in Anbetracht des Schlußbildes - auf geradezu blödsinnige Weise das Bild von unentschlossenen und sich vertändelnden Jungerwachsenen, die keine Ahnung haben und denen es in der Tat einfach zu gut geht. Sollte das die Intention sein?
Fazit: Derart motiviert ließ es sich sicherlich gut gerüstet gen Heiligendamm ziehen, um den Bauern vor Ort die gut gereifte Saat zu Tausenden niederzutrampeln. Und im übrigen ist Revolte nichts, was sich in oder an der Gesellschaft vollzieht, was man spätestens dann, wenn man Albert Camus' "Der Mensch in der Revolte" gelesen hat, begriffen haben sollte. Dieser Film indessen ist wirklich nur schlecht ...
Gez. MGE
Zieht sich ohne Ende..., 14. August 2007
Kann den Film nicht weiterempfehlen. Wirkt in meinen Augen wenig durchdacht, stellt eine überflüssige Liebesgeschichte zu viel zu weit in den Vordergrund. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, da wollte man auf Grund des durchaus interessanten Films unbedingt über 120 Minuten kommen um das ganze noch größer zu machen. Schön und gut, aber dann sollte man auch Story für zwei Stunden bieten und die reicht leider nicht mal für 90 Minuten. Man hätte deutlich mehr draus machen können und wenn man erst mal bis zu der Entführung durchgehalten hat, ist das Schauspielerisch nicht mal von schlechten Eltern. Allerdings bleibt mir das ganze zu dünn und die in meinen Augen vom Alt-68er als Grünschnäbel Revoluzzer entarnte Truppe wirkt zum Ende hin in Gnade geschlagen und mit einem blauen Auge davongekommen. Wie man dann allerdings ein so lächerliches Ende inszenieren kann ist mir ein Rätsel...im schicken Anzug will man ganz Europa TV technisch lahmlegen??? Mal abgesehen davon, dass das sehr weit hergeholt klingt ist es dazu auch noch ziemlich dämlich. Führt definitiv in den Knast, dem man gerade noch so eben erst entkommen ist...
Was das gekürzte Ende anbelangt, wirklich ärgerlich doch umso länger ich drüber nachdenke eigentlich egal. Macht irgendwie auch überhaupt keinen Sinn, wenn er die Polizei ruft und die vorher warnt...wozu dann Polizei???
Was den jungen deutschen Film anbelangt: Wenn endlich mal einer mit einer guten Idee da ist, die er konsequent durchzieht, wird er es sehr einfach haben einen Kassenschlager zu fabrizieren. Leider wirkt mir der deutsche Film selten bis zum Ende gut gedacht...mit anderen Worten, sehr oft lieblos...Frankreich beweist mit "Amelie" und "Chocolat" durchaus auch ohne große Special Effects anders geht!!!
Teeniefilm in politischer Kulisse, 12. Juni 2007
Vermutlich der putzigen Idee (die leider nebensächlich ist gegen das Wer-mit-Wem), dass eine Revolution auch ganz gewaltfrei gehen könnte, ist es zuzuschulden, dass dieser Film so positive mediale Aufmerksamkeit genoss. Oder aber das darin kritisierte kapitalistische Triebwerk hat auch hier gewirkt (Jungdarsteller, Retro- Optik etc).
Das andauernde Gerede von der ungerechten Welt (wo Alkohol in den passenden Gläsern serviert werden, für die Produktion von Waren GEARBEITET werden muss und man nicht einfach mal schwarzfahren darf) könnte fast darüber hinwegtäuschen, dass die Teenies dieses Films an ihrem Leid selbst Schuld tragen: arbeiten gehen, TÜV und Versicherungen sind keine postmodernen Folterinstrumente. Sie hätten sich dem nähern können und dann vielleicht auch keine Autos zerkratzen, einbrechen oder Leute entführen müssen.
Mit einigen (nicht sehr gewitzten) erzählerischen Kniffs gelingt es den Filmemachern mitzuteilen, dass jeder Vermögende ein nichtswürdiger Mensch und die Polizei ein heldentötender seelenloser Apparat ist. Dagegen stellt es aber kein Problem dar, dass unsere Protagonisten hilflos agierend (Berufswunsch: frei sein; Hindernis: Staat) Verbrechen am laufenden Band begehen, weil sie irgendwie so ein bisschen genervt sind von all den Dingen die in diesen Flugblättern zu lesen sind wenn man Fußgängerpassagen entlanggeht oder die schon seit 300 Jahren Jugendliche ärgern.
Deren Reife am Ende des Films besteht darin, dass sie einen verhassten Bonzen freilassen Ja, obwohl er Geld besitzt (Erklärung: auch er liebte als '68er Gruppensex und resignierte an denselben Ideen, so dass er heut CDU, Ehe und Luxus lebt)- & und dass sie gelernt haben wie das mit der freien Liebe so geht (man muss sich ja auch als Unangepasster anpassen).
Um so eine riesenhafte Filmerfahrung drehte sich also der publizistische Wirbel 2004.
Für Jugendliche mit ähnlichen Problemen wie
a) die Welt ist schlecht; irgendwas sollte man dagegen tun
b) immer wenn ich Pubertätsstress abbaue mündet es in Ärger mit Autoritäten,
ist es aber ganz großes Kino, wegen perfekter Liebesszenen, die man so leider nicht selbst erleben wird, mit schwärmerischen Kerlen, wie man sie nie abbekommt und einem Mädchen, das sagt was es will (Sex).
Die These des ganzen Teenietraums ist in etwa: man braucht nicht reich sein, um so richtig Spaß zu haben--- man muss nur Leute abziehen, die es sind. Und billiger als mit diesem Film gehts ohnehin kaum, hormonelle Verwirrungen zu kompensieren. Insofern wird der Film seinem eigenen Anspruch gerecht.
Gut, dass eine Weltöffentlichkeit bei so etwas zusieht (man ist ja nicht verklemmt). Aber eine Revolution sieht sie hier wohl kaum.
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