Beschreibung
Ein Storyteller, wie er im Buche steht. Calvin Russell erzählt auch auf In Spite Of It All, seiner ersten Veröffentlichung seit vier Jahren, wieder von verlorenen Seelen, denen das irdische Dasein ziemlich viel Mühe bereitet. Für die Typen, mit denen er seine Songs bevölkert, ist das Leben ein Kampf mit gelegentlichen Siegen und unzähligen Niederlagen. Wenn der "Charles Bukowski der US-Rockszene" vom Elend und der Verzweiflung in heruntergekommenen Stadtvierteln singt ("My Moneys On You"), wenn er ein Leben mit dem Rücken zur Wand ungeschönt schildert ("All I Need") oder den Preis benennt, den unangepasste Menschen für ihre Freiheit bezahlen ("Over And Over"), nimmt man ihm jedes Wort ab. Denn das Meiste hier fußt fraglos auf eigenen Erfahrungen. Der Musiker aus Texas, der sich selbst als "outlaw rock and roll soldier" bezeichnet, weiß wovon er spricht. Russell erblickte 1948 in Austin als Sohn eines Kochs und einer Kellnerin das Licht der Welt. Seine Kindheit verbrachte er entweder im Schnellimbiss, in dem seine Eltern arbeiteten, oder auf dem nahe gelegenen Schrottplatz. Als Jugendlicher kam er wegen kleiner Delikte in eine Besserungsanstalt, später saß er mehrfach im Gefängnis. Nach einem längeren Knastaufenthalt zog er als Vagabund durch die Lande, bevor er dann inmitten von Trinkern und Drogensüchtigen im Hill Country außerhalb Austins seine Musikerkarriere startete. Kurzum: Was uns der Mann mit dem abgewetzten Cowboyhut und dem ledrigen Faltengesicht hier berichtet, ist wohl größtenteils autobiografisch. Trotz der nicht gerade erheiternden Themen lässt einen dieser Longplayer schon nach wenigen Takten nicht mehr los. Das liegt an den lebensechten und fesselnden Geschichten genauso wie an der zündenden Musik. Calvin Russell bevorzugt wie gehabt einen Sound zwischen Boogierock in der Nähe von ZZ Top ("Voodoo River") und Riffrock in Stones-Manier ("Just Like L.A."). All das spielt er so richtig dreckig und derbe, dass es eine wahre Freude ist. -- Harald Kepler
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