Kundenmeinungen
Provokant, 21. Juli 2007
Die Handlung des Films ist deprimierend und schnell erzählt. In einem trostlosen Vorort von L.A. gibt es jede Menge trostlose Jugendliche. Shawn schläft mit der Mutter seiner Freundin. Claude ist Skater und Opfer der Aggressionen seines Alkoholikervaters. Curtis ist bei seinen Großeltern aufgewachsen und lässt seinen sexuellen Energien ihren mörderischen Lauf. Peaches wird von ihrem Vater zu biblischer Keuschheit erzogen und soll gleichzeitig die verstorbene Mutter ersetzen. Ken Park bringt sich um - kurz zuvor hatte seine Freundin ihm erzählt, dass sie schwanger sei. All diese Figuren sind um die 16 Jahre alt und der Film interessiert sich vorrangig für ihre sexuellen Probleme. Jede Episode ist ein wenig waghalsiger als die andere, doch die Frage nach dem Realitätswert stellt sich schon allein deshalb nicht, da die Kamera mit ihrer pseudodokumentarischen Nähe das Verhalten der Protagonisten zur skurrilen Spielart der Teenagerzeit erklärt. Der auslösende Anteil aller Probleme liegt auf Seiten der Erzeuger, denn sie sind marode, unberechenbar, verständnislos, pervers und nicht Herr ihrer eigenen Psychosen - kurzum: schuldig.
Von KIDS (1995) kennt man das Faible Larry Clarks, seine Teenagerdramen als Sozialstudien zu inszenieren. Da werden Geschichten ausgepackt, in denen Teenager selbst ihr neues Horrorgenre erfinden, nämlich das ihres eigenen Lebens im Taumel einer wilden suburbanen Jugend. Sie fügen sich gegenseitig Verletzungen aller Art zu und sind eigentlich nichts weiter als ein Häufchen Elend, unverstanden von allen und sich selbst ein Rätsel. Clark inszeniert diese Geschichten am liebsten brutal und provokant, scheut den Fatalismus nicht und genießt es sichtlich, seine Figuren einer völligen Sinnentleertheit zu überlassen - als Autor hatte er auch diesmal Gewalt über ihr Schicksal.
provokantes Teenager Drama !, 20. Juli 2007
Das Teenager-Drama "Ken Park" ist aufrüttelnd, extrem provokant und schockierend. Eine gewagte, intensive Gratwanderung zwischen Anspruch und Voyerismus.
Ausgangspunkt des Films ist der Selbstmord des Teenagers Ken Park, der sich mit einer Pistole das Hirn wegpustet. Im Folgenden werden dann Geschichten von vier befreundeten Jugendlichen und deren Familien gezeigt. Clark und Lachman beschränken sich hier jedoch nicht darauf, Jugendliche bei Sex- und Drogenorgien zu zeigen, diesmal geht es noch ein Stück weiter des Weges. Dass Clark und Lachman Freude an nackten Körpern haben, verhehlen sie in "Ken Park" keineswegs. War es aber wirklich nötig, so weit zu gehen, um ihr Ziel zu erreichen? Wahrscheinlich schon. Sie wollten alles zeigen, um die Intensität bis an die Schmerzgrenze zu steigern. Inwieweit die Inhalte mit der Realität übereinstimmen, lässt sich schwerlich beurteilen. "Ken Park" ist Radikal-Kino in Reinkultur.
Streckenweise ist "Ken Park" aber auch wieder langweilig. In einigen Szenen besteht der Film nur aus oft stelzigen Dialogen die keinerlei Aussage besitzen. Zwar merkt man hier und da schon, dass uns der Regisseur irgendetwas vermitteln will, doch im Grunde bleiben diese Szenen einfach ohne Sinn, außer eben der gewollten Provokation. Diese bietet aber dann wiederum keine zufrieden stellende Antwort auf die Frage: "Warum eigentlich?"
Somit ist "Ken Park" ein mäßiger bis guter Versuch durch Provokation auf die Probleme der Kids von heute aufmerksam zu machen. Ein mutiges Stück Film, dass man sich mal anschauen sollte um sich selbst ein Bild zu machen.
5 von 10
Hass, Gewalt, Irrsinn, 2. Juli 2007
Was für ein "fulminanter" Einstieg. Die treibende Musik der Ramones und dann Ken Park, ein junger Skater, der durch einen Kopfschuss sein Leben beendet. So beginnt der Film von Larry Clark. Der Suizid stellt den Ausgangspunkt für die Geschichten von vier befreundeten Jugendlichen und deren Familien dar.
Der Alltag hinter der Gartenzaun-Idylle amerikanischer Reihenhauskolonien ist entlarvend. Stück für Stück seziert Larry Clark die bürgerliche Doppelmoral. Inzest, Mord, Hass, Gleichgültigkeit, Wahn und autoerotische Strangulation bilden die zentralen Themen einer Gesellschaft, die völlig autistisch in sich versunken ist. Ein radikales und verstörendes Kleinstadtdrama, wo man sich nicht als Voyeur passiv zurücklehnen kann, sondern man wird einbezogen, weil man weiß oder ahnt, je nach Erfahrungshorizont, dass es diesen düsteren Kosmos gibt. Die Familie ist hier nicht ein Ort der Geborgenheit. Die Erwachsenen, neurotisch bis abgestumpft und / oder egozentriert, erschaffen eine Hölle, in die sie ihre Kinder mit einbeziehen wollen.
Die Lebensräume (Vorstädte/Städte/Familien) unserer Zivilisation scheinen zum Untergang verdammt zu sein.
Bilder, die sich ins Gehirn krallen, 12. Juni 2007
"Ken Park" gehört zu den mutigsten und gewagtesten Filmen, die ich kenne. Die jungen Darsteller geben alles und viele der verstörenden Bilder bleiben noch lange haften.
Kein anderer Film hat wohl eine ähnlich schöne und beglückende erotische Szene, wie der "Dreier" von Claude, Shawn und Peaches
gegen Ende von "Ken Park". Das hat schon die Klasse von der entsprechenden Szene mit Julie Christie und Donald Sutherland in "Wenn die Gondeln Trauer tragen" - auch hier hat der Sex ja eine (er)lösende Funktion.
würde ohne den expliziten Tabu-Brüchen keine Beachtung finden, 28. April 2007
...sagt die Überschrift und somit eigentlich schon alles.
Ich bin durchaus ein aufgeschlossener Kinogänger und durch Besuche im Linzer Moviemento (Programmkino für anspruchsvollere Filme) und diverser Filme auf Arte schon einiges gewöhnt, daher hatte ich auch aufgrund der teils sehr schlechten Kritiken kein Problem mir diesen Film zuzulegen.
Doch bin auch ich der Meinung, würde man in diesem Film die explizit dargestellten Sexszenen nur andeuten, würde er die gleiche Botschaft vermitteln, aber dann vermutlich keine Beachtung finden.
Mir hat sich keine wirkliche Kernaussage erschlossen, vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu blöd.
Ich möchte weiters nicht als verkorkst gelten, doch finde ich es durchaus bedenklich, dass für die "freizügigen Szenen" sicher noch Minderjährige herangezogen wurden...Erwachsene o.k., aber ich glaube nicht, dass 15 - 16-jährige schon in der Lage sind, wirklich überlegt zu entscheiden!?
Und solche Dinge unter dem Denkmantel des Anspruches gutzuheißen....ich weiß nicht, ich weiß nicht.
Möchte daher grundsätzlich keine Empfehlung aussprechen.
Tipp:
Lieber "Hard Candy" kaufen, meiner Meinung nach ein sehr gelungener Film abseits des Hollywood-Einheitsbreis.
|