Kundenmeinungen
Packend, schrill und prall ..., 17. August 2008
Ich habe als Student die Inszenierung Anfang der 90er in den Münchner Kammerspielen gesehen, und mir blieb die Spucke über dieses expressive Theater weg. Die Namen halten allesamt, was sie versprechen (v. a. Pekny) - keine Frage! In jeder Hinsicht bizarr waren auch Bühnengestaltung, Kameraführung und Lichttechnik, welche für unvergleichlich opulente Bilder sorgten. Bei manchen (geradezu obszönen) Szenen traute ich meinen Augen nicht. Und bevor ich den Faust lange Zeit später wieder auf DVD in die Hand bekam, hielt ich in der Rückschau vieles für erträumt. Dorn hat in die Vollen gegriffen. Diesen Faust MUSS man nicht nur gesehen haben sondern wieder und wieder sehen; und man sieht ihn immer neu. Theater in Vollendung, welches sicher Maßstäbe gesetzt hat. Ich bereue noch heute, nur einmal die Vorstellung besucht zu haben. Aber zum Glück gibt es diese DVD. Und zu vielen DVDs von Aufführungen, die man selbst besucht hat und schließlich enttäuscht ist (vor allem Opern), kann man sagen, daß diese Produktion gelungen ist und dem Live-Ereignis sehr nahe kommt. Somit ist es großes Theater und großes "Kino" in einem - und für mich DER Faust!
Vom Prinzip her interessant, aber gekürzt..., 19. Juli 2007
Man muss den Faust natürlich vorher gelesen haben, um Gefallen an dieser Verfilmung haben. Als Schüler habe ich mir damals diese Verfilmung angeschaut - ohne den Faust gelesen zu haben - und habe mit ihr kaum etwas anfangen können. Jetzt habe ich sie mir noch einmal auf DVD angeschaut und war angenehm überrascht über ihren Unterhaltungswert. Die Darsteller haben ihre Sache sehr gut gemacht - ich finde, dass Will Quadflieg im Hinblick auf die Unterstreichung der Reimform etwas langsamer, vielleicht auch akzentuierter hätte sprechen können!? Ansonsten: sehr stimmig und originell inszeniert! Toll! Sehr schade finde ich allerdings, dass das Stück arg gerafft wurde. Mir wäre eine wortgetreue Inszenierung sehr wichtig gewesen... Daher Punktabzug
Kongeniale Umsetzung, 7. Februar 2006
Dieter Dorn hat mit dieser Umsetzung des ersten Teils des Faust einen kongenialen Spagat zwischen Theater- und Filmkunst geschaffen. Die auf der Bühne nicht erreichbaren filmischen Effekte sind durchdacht und sparsam plaziert und damit umso wirkungsvoller. Die Besetzung ist ein Traum, besonders Romuald Pekny in der Rolle des Mephisto ist ein Glanzstück des Theaters.
Der Stoff ist wohl überlegt umgesetzt, die Stimmungen gut eingefangen, mal tragisch, mal völlig durchgeknallt, mal ganz klassisch dann wieder modern inszeniert. Das Bühnenbild ist ein Meisterstück, ein Schuhkarton im Universum, ganz wenig Requisiten, die dafür sinnvoll eingesetzt. Und - auch das sollte nicht unerwähnt bleiben - Dieter Dorn hat sich nicht gescheut, die Urfassung der Walpurgisnacht zu verwenden, welche in vielen Faust-Print-Ausgaben noch immer nicht abgedruckt wird oder nur als "Fragment" im Anhang erscheint - zotig und frivol, aber den Sinn der Szene besser einfangend als es die "brave" Strichfassung je könnte... ...Fazit: Ein absolutes Meisterwerk, das in keiner Sammlung fehlen sollte - weder beim Literatur- noch beim Filmliebhaber.
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