Kundenmeinungen
Stummfilm vor Gewächshauskulisse, 17. Oktober 2008
Die Begeisterungsstürme, die "Das Piano" ausgelöst hat, kann ich nicht nachvollziehen.Zwar haben mich Holly Hunter als "Stummfilmstar" sowie Anna Paquin beeindruckt.Die Handlung jedoch finde ich persönlich wenig reizvoll, nicht ganz nachvollziehbar und zudem schleppend erzählt. Eine gewisse Spannung liegt nur in den wenigen Szenen, als Adas Ehemann beginnt um Ada zu kämpfen.Auch die schwüle, melancholische Ästhetik muß man mögen, um Gefallen zu finden.Die vielgelobte Musik klingt eingängig, aber eintönig.Die klassische Klavierliteratur hätte weitaus aussagekräftigere Stücke geboten, möglicherweise aber Holly Hunter überfordert.Kurzum, ein interessanter, aber in meinen Augen überbewerteter Film, den man bei Gelegenheit mal ansehen sollte.Geld würde ich nicht dafür ausgeben. Es gibt auch ein 3-Disc-Set im Handel mit dem Film auf der 1., Bonusmaterial auf der 2. und der Musik auf der 3. Scheibe.Das Bonusmaterial besteht aus einem kurzen Making of und einem ultralangen Monolog der Regisseurin, deklariert als "Interview", in dem sie erschreckend wenig wenig Informationen preisgibt. Praktischer wäre statt dessen ein Audiokommentar gewesen.Für Hardcore(film)fans dennoch empfehlenswert.Für alle anderen Zeit- und Geldverschwendung.
ein filmisches Kleinod ... die Selbstbefreiung im Verborgenen, 1. August 2008
In diesem wunderbar poetisch und mit grandiosen Naturaufnahmen gefilmten Drama begeistert Holly Hunter mit einer Spitzenleistung als stumme, talentierte und begeisterte Klavierspielerin Ada McGrath in ihrer physisch-psychischen Auseinandersetzung mit ihrem rauen und ungebildeten Ehemann Sam Neill und dem Gönner ihrer "Stimme", dem Analphabeten George Baines. Erzählt wird diese unkonventionelle Parabel über die Selbstbefreiung und -findung einer Frau, die tragischen Verwicklungen und die beängstigenden Auflösung der Grenzen komplexer leiblicher Beziehungen und Beanspruchungen in beeindruckend ruhigen, fesselnden Bildern von großer Dichte und Intensität zwischen Brutalität und Zärtlichkeit. ... ein metaphernreicher, virtuos inszenierter Film mit dem Focus des Gegensatzes von Zivilisation und einer bedrohenden, unberechenbaren und zugleich faszinierenden Natur [in Anlehnung an: Dieter Wunderlich, 2002]
Geschichte über die Erweckung einer Frau, 26. Juli 2008
Das hochgeschlossene schwarze Kleid, dessen Reifrock sich aufbauscht, den zu einer Linie zusammengepresste, schweigende Mund, die großen Augen, die eine große Verletzlichkeit und gleichzeitig Stärke und Entschlossenheit preisgeben. Ich habe selten so sprechende Augen gesehen und noch nie erlebt, dass ein winziges Loch in einem Strumpf so entblößend sein kann. Ich spreche hier von Holly Hunter, die in "Das Piano" die stumme Ada verkörpert.Neuseeland zur Zeit des 19. Jahrhunderts: Die zerbrechlich wirkende Frau, deren Ausstrahlung jedoch zugleich eine große innere Stärke und Entschlossenheit erahnen lässt, heißt Ada. Ihr Vater hat für sie von der schottischen Heimat aus, ihre Eheschließung mit dem neuseeländischen Siedler und Farmer Alisdair Stewart (Sam Neill) arrangiert. Ihre neunjährige uneheliche Tochter Flora (Anna Paquin) begleitet sie auf dieser Reise ins Ungewisse. Angekommen in Neuseeland bleiben die beiden mit ihren Truhen und dem mitgebrachtem Piano erst mal am Strand der Neuseeländischen Küste sitzen und warten, dass der neue Ehemann sie abholt. Der Gatte Alisdair erweist sich als grober Klotz, ein Beispiel für eine westlichen Kolonialherren, der mit seiner "Zivilisation" die "Barbarei" der Maori zu überwinden sucht. Der neue Ehemann, der sich auch nicht gerade ergötzt zeigt, eine so eine komische streng-viktorianische Tante als Frau eingehandelt zu haben, macht so gut wie alles falsch, was man falsch machen kann. Als Krönung wird Adas geliebtes Piano an seinen Nachbarn George Baines (Harvey Keitel) verkauft. Der eigenbrötlerische Einsieder, sein Gesicht mit Maori-Tatoos bedeckt, ist fasziniert von Ada und bittet die unnahbare Frau um Klavierunterricht. Als Lohn stellt er Ihr die Rückgabe des Pianos in Aussicht. Natürlich bleibt es nicht bei Klavierunterricht. Baines behandelt Ada als eine Art Fetisch, zwingt sie, auf eigentlich abstoßende Art, auf seine erotisch gefärbten Bedürfnisse einzugehen. Trotzdem entwickelt sich eine glaubhafte und zu Herzen gehende Liebesgeschichte zwischen den beiden."Wenn sich die weißen Siedler mühselig ihren Weg über den schlammigen Boden und durch die üppige Vegetation bahnen, wirken diese schon seltsam deplatziert an diesem Ort der Wildnis. Nicht zu vergessen die symbolische Kraft, die diese Bilder implizieren: In einem psychoanalytischen Kontext verweisen sie sowohl auf Sexualität als auch die unbewusste Gefühlswelt, die innerhalb des viktorianischen Weltbildes jeweils negative Konnotationen aufweisen." Zitat FilmdienstDer Film wird nicht umsonst mit Werken wie WUTHERING HEIGHTS und JANE EYRE verglichen.Der Film ist voll von symbolischer Aussagekraft. Die Kostüme sprechen in diesem Film für sich, das schwarze hochgeschlossene Kleid, die vielen Röcke übereinander, die Turnüre, das Korsett, alles wird immer wieder ausgiebigst ins Bild gerückt. Es geht hier eben auch um das viktorianische moralische Korsett, welches unter seinen unzähligen Röcken die weibliche Eigenständigkeit, uneheliche Kinder und Sexualität tabuisiert. Die Neuseeländischen Einwohner sind hier das Kontrastprogramm, leicht bekleidet, offen und lebensfroh, bedeuten ihnen diese Tabus nichts. Die Kinder reiben sich unbefangen in ihrer kindlichen Sexualität, an den Bäumen."Das Piano" nenne ich nun einfach mal eine Variante des Lady Chatterley- Motivs. Die Erotik, die in "Lady Chatterleys Liebhaber" deutlich gezeigt wird, bleibt hier nur angedeutet.Eine Aufführung des Märchens mit dem despotischen "König Blaubart" im Film ist natürlich auch kein Zufall!Dann gibt es noch die zwei reizenden Tanten: Süß, Tante Morag (Kerry Walker), als die alte spießige Jungfer! (Ich dachte erst das wäre ein Mann, der die Rolle spielt.)Die Bilder sind unglaublich. Mich erinnern sie unwillkürlich an die Meisterwerke von Caspar David Friedrich. Die unberührte neuseeländische Wildnis und der dunkle Wald mit den riesigen, knorrigen Bäumen, die verschlammten Wege und darin die stumme Frau mit Korsett und Reifrock. Die Szenerie wirkt fast bizarr und ein Hauch von Tim Burton liegt in der Luft. Die Natur steht im Kontrast mit der viktorianischen Moral, welche Ada verstummen ließ.Michael Nyman, der die wunderbare Musik zum Film komponierte, untermalt die Bilder auf virtuose Art und unterstreichen den "zurückhaltenden und hervorbrechenden Vitalismus". Die Musik widerspiegelt auch das, was im Innern der stummen Frau vor sich geht und zeigt wie sie sich selbst im Klavierspiel ausdrückt, durch das Piano spricht. Auch die Momente der Gebärdensprache mit ihrer Tochter zeigen die Vertrautheit und beredte Liebe zwischen den beiden. Überhaupt sind die Hände von Holly Hunter sprechend, in ähnlicher Intensität wie ihre Augen.Hier erlebt man große Schauspielkunst: Holly Hunter durfte den Oscar als beste Schauspielerin absolut zu Recht mit nach Hause nehmen. Sie trägt den Film, zweifelsohne. Ihre Partner Sam Neill und Harvey Keitel bieten beide aber auch eine absolut glaubwürdige Darstellerleistung.Adas Tochter Flora, wunderbar verspielt und feenhaft dargestellt von der kleinen 10 Jahre alten Anna Paquin, ist aus dem Film nicht wegzudenken! Für die Darstellung dieses vielschichtigen Kindes, hat Paquin verdient den Oscar als beste Nebendarstellerin eingeheimst.Regisseurin Jane Campion, bekam die Trophäe für das beste Original-Drehbuch. ( Siehe auch den Roman zum Film)Die Intensität dieses Filmes hat mich früher, wie heute, umgehauen. Ich habe den Film nun schon 6 mal gesehen und er hat sich nur wenig in seiner Wirkung auf mich abgenutzt. Es ist seit vielen Jahren mein absoluter Lieblingsfilm! Fazit: Ich kann jedem dieses düster-poetische Meisterwerk ans Herz legen! Wunderschöne Bilder, traumhafte Musik und große Gefühle in einer tiefgründigen und symbolhaften Geschichte über die (erotische) Erweckung einer Frau. Nicht gerade etwas für Harmoniesüchtige, das ist schon auch eine bittere, teilweise schockierende Geschichte und hier wird keine leichte Kost serviert! *****Das PianoOriginaltitel: The PianoDramaAustralien/Neuseeland 1993 121 Min:Ich empfehle die 3er Edition: Das Piano (3 DVDs)Hier ist auch die geniale Filmmusik als CD enthalten! Das Bild ist fast in schwarz /weiß und entbehrt fast alle satten Farben. Das ist allerdings gewollt! Aber von VHS Qualität keine Spur, ein gestochen scharfes, wenn auch manchmal leicht körniges Bild. (Falls sich das nicht widerspricht) Es gibt übrigens auch ein Buch Das Piano. Der Roman., welches u.a. auch die Vorgeschichte Adas erzählt. Das Buch zum Film von Jane Campion und Co- Autorin Kate Pullinger.
Peinliche Gefühlsduselei! , 25. Juli 2008
Dieses Machwerk soll ja zu den Filmen gehören, die angeblich besonders Frauen ansprechen. Nun ja, wer immer diese Frauen sein mögen - ich gehöre nicht dazu. Neben der öden, zutiefst langweiligen Handlung und den hölzernen Dialogen und nichtssagenden Schauspielern ist es vor allem die schlechte Musik, die mich besonders aufregt. Holly Hunter soll alle Klavierstücke selbst gespielt haben - ja, das merkt man auch. Liebe Mrs Hunter, das Geklimpere, das in diesem Film von Ihnen als "Klaviermusik" verkauft wird, ist allenfalls schlechte, einfallslose Improvisation, hat aber mit echtem Klaverspiel nichts zu tun. Das einzig gute an diesem kitschigen Gefühlsgesäumel ist das schöne Tafelklavier, und ausgerechnet das muß büßen und endet in den Fluten des Meeres. Gut, man könnte die Versenkung des Klaviers auch als dessen Freitod deuten, denn welches Instrument möchte schon dauerhaft einem solchen nervtötenden Gestümper ausgesetzt sein. So ein Klavier ist schließlich auch nur ein Mensch bzw. wenigstens "ein gutes Tier, still, friedlich und bescheiden", wie es Wilhelm Busch formulierte. Auch das Abhacken von Adas Finger ist somit eine etwas brutal anmutende Maßnahme ihres betrogenen Ehemannes Stewart, im Dienste der Musik jedoch ein durchaus zu begrüßender Schritt in die richtige Richung.
ein filmisches Kleinod ... die Selbstbefreiung im Verborgenen, 24. Juli 2008
In diesem wunderbar poetisch und mit grandiosen Naturaufnahmen gefilmten Drama begeistert Holly Hunter mit einer Spitzenleistung als stumme, talentierte und begeisterte Klavierspielerin Ada McGrath in ihrer physisch-psychischen Auseinandersetzung mit ihrem rauen und ungebildeten Ehemann Sam Neill und dem Gönner ihrer "Stimme", dem Analphabeten George Baines.Erzählt wird diese unkonventionelle Parabel über die Selbstbefreiung und -findung einer Frau, die tragischen Verwicklungen und die beängstigenden Auflösung der Grenzen komplexer leiblicher Beziehungen und Beanspruchungen in beeindruckend ruhigen, fesselnden Bildern von großer Dichte und Intensität zwischen Brutalität und Zärtlichkeit.... ein metaphernreicher, virtuos inszenierter Film mit dem Focus des Gegensatzes von Zivilisation und einer bedrohenden, unberechenbaren und zugleich faszinierenden Natur [in Anlehnung an: Dieter Wunderlich, 2002]
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