Kundenmeinungen
Die festliche Alternative, 14. November 2008
Ich habe kein Verständnis dafür, dass alle paar Jahre von den vermeintlichen Experten eine Aufnahme des Weihnachtsoratorium(oder der Passionen und der h moll Messe) zur Referenz erklärt wird, welche alle anderen erhältlichen Einspielungen überflüssig und unbedeutend erscheinen lässt.Gerade bei den großen Vokalwerken Bachs gibt es so viele unterschiedliche Interpretationsansätze, dass es eine Wonne ist, verschiedene Aufnahmen zu besitzen, Vergleiche anstellen zu können und immer wieder neues entdecken zu können. Die Entscheidung zur persönlichen Referenz bleibt dann flexibel, stimmungsabhängig und undogmatisch.Dieses Weihnachtsoratorium gehört zur ungebrochenen nicht historisierenden ostdeutschen Aufführungstradition. Es handelt sich hierbei um eine Einspielung aus dem Jahre 1974/75. Diese Einspielung wurde für das DDR Label Eterna gemacht. Nomen est Omen: Den Technikern ist es gelungen, eine Einspielung einzufangen, welche aufnahmetechnisch mit vielen jüngeren Einsielungen mithalten kann, und dies macht sie zur Referenz, da in den letzten Jahrzehnten fast nur noch authentische Einspielungen entstanden sind.Allein die Arie "Großer Herr, starker König" lohnt die Anschaffung dieser Aufnahme. Ludwig Güttlers Bläserensemble schmettert festlich und sehr präsent ohne jedoch aufdringlich zu werden. Die Solisten versprühen weihnachtliche Stimmung ohne jeden Ansatz romantisierenden Kitsches.Und über Peter Schreier als den besten und vor allem deutlichsten Evangelisten für Bachs Vokalwerke brauch an dieser Stelle nichts mehr gesagt werden. Wie überhaupt im Großen und Ganzen die Textverständlichkeit hervorragend ist.Wer vielleicht ein Problem mit Knabenchören hat und diese in Bachs Vokalwerken nicht vorfinden will, dem sei gesagt, dass der Kreuzchor hier das Vorurteil widerlegt, dass eben Knabenchöre allenfalls in den einstimmigen Chorälen mithalten können, sie jedoch , wenn es fugenartig zugeht,die künstlerischen Absichten Bachs zerstören.160 Minuten weihnachtliche Hochstimmung im Wohnzimmer machen diese Produktion zur unerreichten festlichen Alternative und klanglichen wie interpretatorischen Referenz. Hier steht nicht nur Weihnachten drauf, hier ist auch Weihnachten drin.Und ein Weihnachtsoratorium zum Preis von weniger als einer CD sollte selbst jene in Versuchung führen, die glauben, ihre gültige Referenzaufnahme bereits gefunden zu haben.Die Festlichkeit wir noch durch die liebevolle Aufmachung unterstrichen. Drei CDs im Digipack und einem Samtschuber mit goldener Beschriftung. Booklet in deutscher und in englischer Sprache.
Unübertrefflich!, 27. Dezember 2005
Viele Worte zu machen lohnt sich nicht: Man höre selber und sei überwältigt - große Musik groß vorgetragen, von den Besten der Besten.
Nur noch zur Aufnahmequalität: Hört man ganz genau hin, so lassen sich an sehr, sehr wenigen Stellen für Sekundenbruchteile ganz leichte "Schwankungen" feststellen, die von den Aufnahmebändern herrühren. Aber sonst ist der Klang herrlich rund, warm und ausgewogen, keine digitale Technik vermag das zu übertreffen und vielleicht sogar nicht einmal zu erreichen.Fazit: Es geht nicht besser: Ein Meisterwerk meisterhaft vorgetragen! Es mag sein, dass diese Aufnahme den Pedanten unter den Bach-Hörern nicht zusagt. Jene, die nur die sog. historische Aufführungspraxis gelten lassen und sich an den "neuesten Stand der Bachforschung" klammern, mögen sich unter ihren Bach-Perücken an den ihnen genehmen Einspielungen gütlich tun. Barock-Musik als "quasi Tanzmusik" abzutun und alles, was dem womöglich zuwiderläuft, als monoton und langweilig zu bezeichnen, zeugt aber von einer eher eingeschränkten musikalischen Betrachtungsweise. Gerade die angeblich mitreißenden und ständig schwungvollen Dirigate können schnell ermüden.Ich möchte im Gegenteil behaupten, dass diese Dresdener Aufnahme die Differenzierungen in der Komposition sehr gut zum Vorschein kommen lässt und auf diese Weise eine Spannung und "Power" erzeugt, die jegliche Monotonie gerade verhindert. Und die Qualität von Solisten und Chor dieser Aufnahme anzuzweifeln ist einfach nur anmaßend. Alle vier sind top und können nur erreicht, nicht übertroffen werden. Letztlich sollte das Weihnachtsoratorium doch - und das war gewiss Bachs vornehmstes Anliegen - ein Stück Verkündigung sein! Das vermag diese - meinetwegen romantische - Interpretation auf die allerbeste Weise. Hier strahlt die Musik Wärme, Leben und Freude aus, die sicherlich auch, aber eben nicht nur auf tänzerischem Schwung aufbaut und in tiefgehender Weise beeindruckt!
Referenz-CD, 28. Januar 2005
Viele Versionen des Weihnachtsoratoriums habe ich bereits gehört - die hier vorliegende Aufnahme empfinde ich als unerreicht. Sie ist die 1984 von der VEB aufgenommene Einspielung mit der exzellenten Besetzung Augér (Sopran), Burmeister (Alt), Schreier (Tenor) und Adam (Bass), die sowohl perfekt singen als auch unter Martin Flämigs Leitung eine Interpretation dieser Musik erreichen, die die Tiefe der Bachschen Komposition unvergleichlich auslotet. Hinzu kommt ein äußerst gut aufgelegter Dresdner Kreuzchor und glockenreine Knabenstimmen. Kaum zu schweigen vom tadellos aufspielenden Bachorchester der Dresdner Philharmonie. Die Aufnahme ist perfekt (ein anderes Wort passt nicht) abgemischt, die Stimmen und die Instrumente sind klar und dennoch warm, ohne je indifferent zu klingen.Die Bach-Trompeten klingen einfach nur göttlich.Da spielt es kaum eine Rolle, dass die Aufnahmetechnik noch nicht digital war - selbst die Schallplatte dieser Vertonung habe ich bis zum Erscheinen der CDs sämtlichen neueren CDs vorgezogen, und das Mastering der CDs ist trefflich, den Charakter der Einspielung bewahrend, gelungen.Für mich ist diese CD Referenz. Ich kann sie nur empfehlen.
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