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02/Dez/2008 - 02:16 |
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Beschreibung
Musikwissenschaft kann spannend wie ein Krimi sein: Die vorliegende CD-Aufnahme etwa kam zustande, weil der Musikologe Olivier Fourès durch Recherchen Anhaltspunkte dafür fand, das die bisher keinem Komponisten zugeordnete Serenata Andromeda liberata höchstwahrscheinlich von Antonio Vivaldi verfasst worden ist. Warum? Weil eine Arie daraus auch an anderer Stelle, und zwar eindeutig als Werk Vivaldis, überliefert ist. Genauere Untersuchungen des Werks brachten seine hervorragende Qualität zu Tage und ließen den Schluss zu, dass auch der Rest möglicherweise von Vivaldi stammt - freilich könnte es sich ebensogut ein Pasticcio handeln. Auch ein Anlass, für den diese Abendmusik geschrieben worden sein könnte, ließ sich ausmachen: Die ausführlich gefeierte Rückkehr des Kardinal Ottoboni nach Venedig im Jahre 1726 (er war für vierzehn Jahre verbannt gewesen). Selbst Verbindungslinien zwischen diesem Ereignis und der mit einigen Freiheiten aus der griechischen Mythologie entnommenen Handlung um Perseus und Andromeda konnten gezogen werden - fertig war die musikwissenschaftliche Sensation. Nun kann sich der Hörer selbst der besonderen Schönheit der Musik überzeugen: Andrea Marcon hat Andromeda liberata mit einem weitgehend hervorragenden Ensemble eingespielt. Als Perseus ist der Countertenor Max Emanuel Cencic, einer der gegenwärtigen Shooting-Stars der Alte-Musik-Szene zu hören; die von ihm heldenhaft befreite Andromeda wird von Simone Kermes dargeboten. Cencic agiert mit voller Hingabe und bebender Intensität; er vermag seinem Timbre auch in der für Countertenöre kritischen tieferen Lage eine charakteristische Farbe zu verleihen. Simone Kermes begeistert vor allem in ihren beiden Klagearien am Ende des ersten Teils, die sie mittels großer stimmlicher Geschmeidigkeit sehr expressiv und anrührend gestaltet. Das Venice Baroque Orchestra bietet Historische Aufführungspraxis auf hohem Niveau; besonders die improvisatorische Ausführung des Continuoparts, um nur ein Detail zu nennen, geschieht mit erfreulicher Kreativität. -- Michael Wersin
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