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"Dear Tschurangrattlers", 20. Februar 2007
"Tschurangrati" ist ein imaginäres Land in Afrika, man wird Zeuge des alltägliche Lebens in der deutschen Botschaft zwischen Revolution, Weißwurscht und Friseurbesuch der Botschaftsgattin. Polt ist hier gleich in drei Rollen zu sehen: Als tüchtiger Geschäftsmann, der lukrativen Menschen- und Organhandel betreibt, als Vertreter der Hanns-Seidel Stiftung, der den Afrikanern die Demokratie erklärt ("Dear Tschurangrattlers.. We don't see black for your future here in Africa") und als Anführer von vier fränkischen Proleten in FC-Bayern-Trikots, die sich in der Botschaft nach einem Bordell erkundigen ("aba kaine so Aids-Burch") und später einen der ihren bestatten müssen. Gisela Schneeberger spielt die zickige Botschaftssekretärin, die gegen Parasiten kämpft und Streichelkinder für Empfänge desinfiziert, sowie die kugelrunde, entrückte Botschaftsgattin "Malamedi", die ständig ihre Katze sucht. Dazu Otto Grünmandl als frustrierter Botschafter in einem Land jenseits des Weltgeschens und einige Superlieder der Biermösl-Blosn (z.B. "Kenia - ken I a", die meisten auch auf der CD "Wo Samma" zu hören). Das Theaterstück "Tschurangrati" lief Anfang der 90er-Jahre lange erfolgreich in den Münchner Kammerspielen. Es ist vielleicht das beste von mehreren herausragenden Stücken von Polt, der der Biermösl Blosn und dem Regisseur Hanns-Christian Müller. Ein gänzlich rundes Stück bösesten bajuwarischen Humors, unbedingt ansehen.
democracy has a very long tradition ... in Bavaria, 19. Dezember 2004
"In der Banalität steckt, würd' ich sagen, eine Bombe."
Wie recht einer der Autoren, Gerhard Polt, mit dieser Aussage hat, lässt sich anhand des Handlungsverlaufs des Theaterstückes "Tschurangrati" mitverfolgen. Der Dreh - und Angelpunkt der Handlung ist die deutsche Botschaft in Tschurangrati, einem fiktiven Staat in Zentralafrika, wo der Zuschauer Einblick in den Botschaftsalltag gewinnt. Ein politisch Verfolgter sucht in der Botschaft Zuflucht und möchte nach Deutschland fliehen, doch das Ganze hat einen Haken: der bayerische Ministerpräsident Stoiber hat seinen Besuch in Tschurangrati angekündigt. So bleiben dem Botschafter Bodo von Pröbstl und seiner Frau Mala nur noch wenig Zeit, die notwenigen Vorbereitungen zu treffen -das ist mit einem politisch Verfolgten Jeremias Savimbi in den heimischen Gefilden natürlich nicht leicht. Schnell muss ein neues "Streichelkind" für Herrn Stoiber gefunden werden, denn das Alte starb an Aids, in einem Crashkurs lernen die "Tschurangrattler" von Dr. Leinweber der Hanns-Seidel-Stiftung "the roots and the idea of a happy democracy", die Leiche eines deutschen Tourist muss im Kühlschrank der Botschaft eingefroren werden, Mala von Pröbstls Hund verschwindet und und und. Letzendlich bleibt natürlich keine einzige Szene des Theaterstückes frei von den Seitenhieben auf die Skandale, die sich in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts (und auch schon früher) so angestaut haben. Nicht nur durch die geniale Verbindung von bitterer Wahrheit mit subversivem Humor, von glänzenden Fassaden und den dreckigsten Hintergründen, auch durch die drei Hauptdarsteller, Gerhard Polt, Otto Grünmandl und Gisela Schneeberger sowie die Biermösl Blosn als musikalische Untermalung und Nebendarsteller zählt dieses Stück zu einem der strahelndsten Sterne, die jemals in den Münchner Kammerspielen aufgegangen sind.
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