Kundenmeinungen
"Der Tod und das Mädchen", 10. Dezember 2008
Von den mehr als 20 Woodys, die ich zuhause hab, ist mir dieser der liebste. Es ist kein Wunder, daß er kommerziell so erfolglos geblieben ist, denn Woody mutet dem Zuschauer hier einiges an unliebsamen und nicht immer sehr einfachen Fragen zu. Auffällig sind die drei Lebensentwürfe auf der einen Seite, die man in dem Film zu sehen bekommt - 1. Allens als idealistischer Dokumentarfilmer der mit eben diesem Idealismus immer wieder an die Grenzen des möglichen stößt, und sie immer wieder neu ausloten muss2. Aldas Lebensentwurf, der genau das Gegenteil ist, nämlich völlig oberflächlich und hedonistisch, und der sich auch gar nicht mehr bemüht, das zu ändern.und 3. der des Philosophen, der wirkt, als hätte er das Leben in all seinen Teilen verstanden und seinen Frieden mit sich gemacht, und dann "augenscheinlich" völlig entgegengesetzt zu seinen Theorien handelt. Und auf der anderen Seite ein Mann, dessen Lebensentwurf so stabil und unverrückbar schien, und den nun alles aus der Bahn zu werfen droht. Sowohl sein Handeln, als auch sein Unterlassen. Und so kommt am Ende - neben einer zwischendurch auch noch abgehandelten Liebesgeschichte - die alte Frage nach Schuld und Sühne auf, und die Schlußszene deutet an, daß es dieses Verhältnis, wenn dann nur auf gesellschaftlicher Ebene gibt: der eine muss für das leiden, was der andere tut. Das Thema des Augenarztes ist sehr vergleichbar mit Matchpoint, aber hier wird dessen Aufstieg in die "bessere" Gesellschaft viel weniger stark thematisiert. Außerdem ist Matchpoint ein durchweg ernster Film -und meiner Meinung nach übrigens in vielen Punkten unterschätzt- während Verbrechen und andere Kleinigkeiten einige der lustigsten Szenen enthält, die man je bei Woody gesehen hat, was wohl auch durch diese Abwechslung von Drama und Komik entsteht. Spätestens wenn Allan Alda mit Mussolini verglichen wird muss auch der letze mitlachen. Ein absolutes Highlight, und meiner Meinung nach ein Film, der auch mit den besten von Woodys Vorbild Ingmar Bergman mithalten kann (auch wenn das natürlich so direkt nicht wirklich vergleichbar ist).Ein echtes Stück Filmgeschichte und Muss im DVD-Regal jedes Filmliebhabers.
schwarzes Meisterwerk, 27. September 2006
VERBRECHEN UND ANDERE KLEINIGKEITEN gehört zu den besten Werken Woody Allens (für einige ist es das beste überhaupt), weil es die Grenzen zwischen Komödie, Drama und Tragödie in intelligentester Weise auslotet und dabei durchgehend unterhaltsam, witzig und spannend bleibt. Der Inhalt: ein erfolgreicher Augenspezialist (Martin Landau) hat eine heimliche Affäre (Anjelica Huston) und lässt diese von seinem Bruder beseitigen, als sie droht, sein Doppelspiel auffliegen zu lassen. In einer Parallelhandlung dreht ein Dokumentarfilmer (Woody Allen) einen Film über einen Philosophie-Professor und verliebt sich in seine Produzentin (Mia Farrow). Gegen Ende finden beide Geschichten zusammen.VERBRECHEN UDN ANDERE KLEINIGKEITEN lässt sich keinem Genre zuordnen. Es wäre müßig, alle Themen aufzuzählen, mit denen Woody Allen hier spielt. Hauptsächlich geht es um persönliche Schuld und Verantwortung, um das Lernen aus unseren Fehlern und der Vergangenheit - und um Gott. Der Film ist düster in seinen Untertönen und doch so straff und mitreißend inszeniert und geradezu brillant gespielt (insbesondere von Martin Landau in einer sehr schwierigen Rolle wir müssen ihn als Charakter für seine Handlungen ablehnen, können ihn aber verstehen und haben Mitleid), dass er niemals deprimiert. Die komischen Momente, die sämtlich bei Woody Allens Parallelhandlung liegen, stören den dramatischen Fluss der Hauptgeschichte in keinster Weise und bereichern den Film. Noch lange nach Ende des Films kann man sich schwer den aufgeworfenen Fragen entziehen, er animiert geradezu zur anschließenden Diskussion. Woody Allens aktueller Film Match Point übernimmt übrigens die Handlung von Verbrechen... beinahe 1:1 für ein jüngeres Ensemble, und es zeigt sich gerade durch den großen Publikumserfolg, dass die Geschichte nichts an Brisanz verloren hat und für alle Generationen gültig ist. Ein zeitloses Meisterwerk, ohne Frage.
Wirklich sehenswert!, 9. September 2006
Verglichen mit Allens neuestem Werk "Match Point" ist dieser Film von 1989 wirklich sehr sehenswert. Er verbindet eine Satire auf die eitle und geltungssüchtige Medienwelt (wunderbar selbstgefällig: Alan Alda) mit einer abgründigen Geschichte über einen berühmten Augenarzt (beachtlich: Martin Landau), dessen Geliebte (schön neurotisch: Anjelica Huston) seiner Frau reinen Wein einschenken will, weshalb er sie schließlich loswerden muss, was ihn moralisch kurzzeitig durcheinanderbringt; und schließlich begegnet uns, wie in so vielen Woody-Allen-Filmen, ein unglücklich lebender und liebender Woody, der sich im Netz emotionaler und philosophischer Untiefen verheddert und dennoch seinem Unglück immer wieder (Galgen-)Humor abgewinnt. Dazu ist das ganze sehr schön durchkomponiert und miteinander verwoben, nicht zu vergessen die wunderbar passende Musik. Unbedingt anschauen!
Einer der großen Allen-Filme, 22. Dezember 2005
Gehört zu den unverzichtbaren Allen-Filmen, der hier 1989 komödiantische Elemente mit düsterer Seelenforschung in einem Film verband, wobei in dem einen Teil des Film erst selbst (der gegen Alan Alda um die Gunst von Mia Farrow buhlte) und in dem anderen Martin Landau die Hauptrolle spielten. Zu Recht gab's Oscar-Nominierungen für Allens Drehbuch und Regie sowie für Landau. Das Beste am Film war der Antagonismus zwischen Allen und Alda, während Allen mit der schweren Thematik in Landaus Geschichte nicht immer genug anzufangen weiß.
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