Kundenmeinungen
Ein revolutionärer Mönch, in einem weniger revolutionärem Film!, 27. Dezember 2007
Luthers Leben und Wirken birgt genug Stoff für einen Monumentalfilm in sich, ähnlich wie beispielsweise "Ben Hur". Regisseur Eric Till begnügt sich hier allerdings mit einem Durchschnittslängenfilm, der auch, was das Filmische an sich angeht, eher im Durchschnitt anzusiedeln ist. Positiv hervorheben möchte ich die schauspielerischen Leistungen der Akteure. Joseph Fiennes (Luther) hat offenbar wirklich sein Bestes gegeben. Auch die anderen SchauspielerInnen waren mit Leidenschaft bei der Sache.
Am besten wird dem Zuseher wohl Sir Peter Ustinov, in der Rolle der sächsischen Kurfürsten Friedrich in Erinnerung bleiben. Souverän, wie eigentlich immer meistert er in "Luther" seine Rolle.
Die Geschichte an sich, brauchte ja nicht "erfunden" zu werden. Die Geschichte wurde ja von der Geschichte selbst geschrieben. Luthers Leben wird in diesem Streifen brav chronologisch wiedergegeben, wobei einige Passagen einen sehr gerafften und überschnell übergangenen Eindruck hinterlassen. Hinzu kommt noch, dass Luther als strahlender, markelloser Held dargestellt wird, was aus historischer Sicht bestimmt nicht 100%ig vertretbar ist. (Neuere Forschungen haben beispielsweise belegt, dass Luther zweifelsohne gewisse antisemitische Züge hatte, was hier völlig ausgeleuchtet bleibt.)
Kurz: In "Luther" kämpft der idealisierte, rebellische Held gegen die böse, intrigenhafte katholische Kirche. Freilich möchte ich jetzt das Wirken der röm.-kath. Kirche zu dieser Zeit nicht beschönigen. Man hätte aber durchaus mehr Spielraum zwischen "Gut" und "Böse" lassen können, um den Zuseher die Möglichkeit eines eigenen Urteilens zu lassen.
Ok, als es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Lutheranern kommt, wird zwar das Dilemma der neuen Glaubenslehre offenkundig; insgesamt ist es aber nur eine oberflächliche Bestürztheit und Anteilnahme mit der Unzahl an Opfern (auf beiden Seiten).
Ich möchte dieses filmische Werk keinesfalls verreißen. Wie gesagt, sind die Schauspielerleistungen alles in allem wirklich gut. Auch Kulissen und Kostüme überzeugen im Allgemeinen. Trotzdem bleibt am Ende irgendwie aber doch dieses Gefühl, dass man mehr aus diesem hochinteressanten, brisanten Stoff hätte herausholen können.
Negative Randbemerkung: Die Liebelei, zwischen Luther und Katharina von Bora (die er in späterer Folge schließlich heiraten wird), wurde absolut unglücklich und unpassend in den Film eingebaut. So, wie die Beziehung in "Luther" dargestellt wird, hat sie etwas hollywoodähnlich-unglaubwürdiges an sich, etwas das ganz und gar nicht zum Rest des Films passt.
Fazit: "Luther" hätte ruhig eine gute Stunde Laufzeit mehr vertragen - von einer detaillierten Darstellung kann man hierbei keinesfalls sprechen. Womöglich (hoffentlich) nimmt sich ja eines Tages ein anderer Regisseur diesem Thema an, und schafft ein tatsächliches Meisterwerk...
Von einem wirklichen Meisterwerk kann man, trotz mehrerer positiver Aspekte, bei "Luther" im Großen und Ganzen leider nicht sprechen. SCHADE!
In die Kategorie "Sehenswert" kann man diesen Streifen aber durchaus reihen!!
Toller Film auf toller DVD, 30. Januar 2007
Die Verfilmung über den Hauptlebensabschnitt Luthers ist wirklich gelungen.
Ich kann diese DVD nur weiterempfehlen. Bei diesem Film kommt keine Langeweile auf und ist auch für kleine Zuschauer anschaulich und verständnisvoll dargestellt.
Auch zu empfehlen ist die 2er Disc Edition mit einer neuen Dokumentation.
Reformation für Seele und Verstand anschaulich gemacht, 28. Dezember 2006
Ich habe den Film Luther nun schon drei Mal gesehen. Jedesmal sehe ich ihn mir auch aus der Sicht eines ehemaligen Katholiken und Ministranten an, der selbst vor etwa 20 Jahren als Jugendlicher nach reiflicher Überlegung die römisch katholische Kirche verlassen hat. Damals wurde mir die Bibel viel lebendiger und wahrhaftiger, als die Kirche sie mir je vermittelt hatte, und ich suchte mir Christen, denen es ebenso erging.
Die vergleichsweise milden Reaktionen meiner Umgebung (ich mußte u.a. ein Gespräch beim Sektenbeauftragten der katholischen Kirche über mich ergehen lassen) sind ein Nichts gegenüber dem Widerstand, den Martin Luther ertragen mußte, den die damaligen "geistlichen" Machthaber lieber tot gesehen hätten als lebendig. Bei ihm kamen schwere innere Kämpfe dazu, die in diesem Film deutlich aufgezeigt werden. Luthers Angst vor der Hölle und sein zehrender Zweifel daran, daß der Glaube an Christus auch ihn ewig erretten könne, werden in sehr anschaulichen Szenen dargestellt. Der Film konzentriert sich überhaupt auf das Hauptwerk der Reformation und als solches auch auf einen Zeitabschnitt in Luthers Leben, der offenbar VOR seiner dann in den Spätschriften ersichtlichen Judenfeindlichkeit liegt.
Ein umfassendes Lutherbild gibt der Film damit natürlich nicht und sollte vielleicht daher eher "Die Reformation" lauten, als "Luther".
Das Hauptwerk Luthers aber, nämlich die Erschütterung der Machtkonzentration der damaligen römisch katholischen Kirche und der Durchbruch zu der "wahren Freiheit eines Christenmenschen" wird meines Erachtens in jeder Hinsicht großartig dargestellt: sowohl durch die inneren und äußeren Kämpfe des Martin Luther bis hin zur Rettung seines Lebens durch Friedrich den Weisen und die innere Befriedung seiner Seele durch die Erkenntnis der heiligen Schrift. Auch die im Film (hier und da kritisierte, weil nicht historisch belegbar) würdevolle und bewegende Reaktion Friedrichs des Weisen auf das ihm geschenkte Neue Testament rückt ein weiteres Hauptwerk der Reformation, nämlich die Bibelübersetzung in den Fokus der Betrachtung.
Jeder Kritiker sollte diesem Film wenigstens zugestehen, daß er mit großen Aufwand, guter schauspielerischer Arbeit und auch spannend dieses so wichtige Kapitel deutscher und europäischer Geschichte vermittelt.
Heldenverehrung auf Deutsch, 30. November 2006
"Luther" ist ein spannender, gut gespielter und peinlich oberflächlicher Film über einen Mann, der hier dargestellt wird, als wäre er ein katholischer Heiliger. Beinahe fehlerfrei eben.
Von einigen Wutausbrüchen abgesehen tritt dieser Luther auf, als wäre er ein jesusgleicher Charakter.
Aber was ist - zum Beispiel - mit dem Antisemiten Martin Luther? Denn nicht anders kann man einen Menschen nennen, der den Rat gab "Häuser und Synagogen" der Juden zu verbrennen. Juden in Schweineställe einzusperren, damit sie merkten, dass sie nicht die Herren der Welt wären.
Noch schamloser zeigt uns dieser Film Luthers Verhalten während dem Bauernaufstand. Er schrieb an die betroffenen Fürsten in Bezug auf die Aufständischen:
"Dieses Gesindel muss man erschlagen wie tolle Hunde!"
Der Filmluther weint über die armen, verirrten Seelen.
(Über sein Verhältnis zu Frauen gibt es nur Indizien, die jedoch ein ebenso klares Bild, das ich, des guten Willens wegen hier nicht darstelle, ergeben...)
Ich hatte mich auf eine vernünftige, zumindest halbwegs kritische Auseinandersetzung mit der Figur des Dr. Luther gefreut.
Dieser "Luther" ist ein Actionheld in einer Darstellung, dass Hollywood vor Neid erblassen könnte.
Warum muss dieser Mann, dessen Überzeugungen doch ohnehin mit der ev. Kirche nichts mehr zu tun haben, so glorifiziert werden?
Darf in keiner DVD-Sammlung fehlen, 27. Oktober 2006
Ein gelungenes Werk, dass uns in gut zwei Stunden den Ursprung und Verlauf der Reformation näher bringt. Ob nun manche Details von der historischen Wirklichkeit abweichen oder nicht. Es ist schließlich ein Spielfilm und keine Dokumentation, somit muss man den Machern auch eine gewisse künstlerische Freiheit zugestehen. Für mich ist dieser Film absolut sehenswert.
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