Beschreibung
Ihrem Ruf als norwegische Joni Mitchell wird Kari Bremnes auch beim 13. Album wieder vollauf gerecht. Wie ihre US-Kollegin betört die Sängerin und Songwriterin von der Lofotinselkette einmal mehr mit schönen Melodien, intensiven Gefühlen und Verszeilen voller Sprachgewalt. Für zehn Eigenkompositionen und eine Bearbeitung von Sandy Dennis Klassiker "Who Knows Where The Time Goes" hat sie mit Begleitern wie Trompeter Nils Petter Molvær einen melancholisch-spröden Folkrock erschaffen, wie er in der Färbung nur aus dem hohen Norden kommen kann. Sobald diese wehmütigen Töne erklingen, sieht der Zuhörer vor dem inneren Auge unweigerlich Fjorde, den Himmel der Mittsommernacht und Polarlichter vorüberziehen. Für das zweite englischsprachige Album (nach Norwegian Mood, 2000) hat Kari Bremnes Songs jüngeren Datums aus ihrem Heimatidiom übersetzt. Dabei blieben zwar einige gedankliche Feinheiten und Metaphern auf der Strecke, doch auch so fasziniert die Skandinavierin immer noch mit sehr gehaltvollen Textideen. So sinniert sie etwa in "Protection" überaus anrührend über die Geborgenheit der Kindheit, die man als Erwachsener schmerzlich vermisst. "I See You" erzählt von einem Paar, dem die Liebe mit den Jahren schleichend abhanden gekommen ist. Im Titel-Track "You'd Have To Be Here" treffen wir auf eine Frau, die alles im Leben mit dem Liebsten teilen möchte, bevor die Vergänglichkeit des irdischen Daseins gnadenlos zuschlägt. Und im Song "Can It Really Be Years" geht es zu guter Letzt um unerfüllte Träume, um nicht verwirklichte Lebenspläne. All das gibt Bremnes mit einer Ausdrucksstärke wieder, die nicht nur im europäischen Raum ihresgleichen sucht. --Harald Kepler
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