Kundenmeinungen
Klangereignis, 18. April 2007
Als Ende 1962 im Rahmen einer großangelegten Subskription die Deutsche Grammophon Gesellschaft Beethovens Neun Symphonien mit Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern auf den Markt brachte, war das eine Sensation ersten Ranges. Viele waren zunächst skeptisch, aber der Erfolg stellte sich ganz rasch ein, und die aufwendige 8 LP-Kassette wurde zu einem wahren Verkaufsschlager. Bei ihrem Deutschland-Besuch 1965 wurde Königin Elisabeth II. sogar ein Exemplar dieser Kassette von der Bundesregierung als Gastgeschenk überreicht.Inzwischen sind fast 45 Jahre ins Land gegangen, und es hat danach eine Fülle von Gesamtaufnahmen den Weg zum Käufer gesucht, darunter auch etliche hochkarätige. Ich nenne stellvertretend Böhm (DGG), Solti (Decca), Jochum (Philips), Bernstein (DGG), Wand (RCA), Szell (CBS/Sony), Zinman (ArteNova). Auch Karajan selber hat 1976/77 und 1983/85 eigene Remakes (beide DGG) mit den Berliner Philharmonikern folgen lassen, die zwar von der weiterentwickelten Technik profitieren konnten, künstlerisch aber deutlich hinter den Aufnahmen von 1961/62 zurückblieben.Obwohl ich selber ein Dutzend Gesamtaufnahmen der Beethoven-Symphonien besitze, die alle ihre Meriten haben, würde ich jedem, der sich nur eine einzige Version in den Schrank stellen möchte, zur hier in SACD-Qualität wieder vorgelegten Karajan-Kassette von 1962 raten. Klanglich sind die alten Einspielungen noch immer ein Ereignis, nie waren die Berliner Philharmoniker besser disponiert und motiviert, alle Klanggruppen sind von umwerfender, unüberbietbarer Leuchtkraft und Präsenz. Man spürt, mit welcher Akribie und Hingabe im Vorfeld der Aufnahmen gearbeitet wurde, und ich kann mir eine werkgerechtere, partiturnähere Produktion nicht vorstellen. Selbst die Tempi orientieren sich weitgehend an den Vorschriften des Komponisten. Wer diese Aufnahmen negativ beurteilt, ist entweder ideologisch vorbelastet oder er hat sich einfach gar nicht die Mühe gemacht, sich mit ihnen ernsthaft zu befassen. Es war und ist ja immer noch eine gewisse Mode, Karajan und sein vielfältiges und fruchtbares Wirken im internationalen Musikbetrieb kleinzureden. Ich rate jedem, an die Aufnahmen unvoreingenommen heranzugehen, und er wird entdecken, welchen Schatz er erworben hat. Sie werden, allen Unkenrufen zum Trotz, die Zeiten überdauern. Natürlich sind nicht alle Werke ganz gleichmäßig gelungen, da wäre jeder Dirigent überfordert. Eindeutige Höhepunkte sind für mich die Zweite, die Eroica, die Fünfte (der Schlußsatz ist von hinreißender Virtuosität) und die Neunte, die auch noch mit einem großartigen Solistenquartett aufwarten kann. Die Pastorale, um das nicht zu unterschlagen, leidet ein wenig unter der Nichtbeachtung der Wiederholungszeichen des Komponisten im ersten und dritten Satz. Ansonsten wird auch dieses Stück mit herrlicher Hingabe und Leidenschaft gespielt.Das SACD-Verfahren hat die schon in der originalen LP-Ausgabe klanglich hervorragenden Aufnahmen noch einmal gehörig aufgebessert. Die CD's können übrigens auf jedem normalen CD-Gerät abgespielt werden. Ein Beethoven-Album, das in jede gute Klassik-Diskothek gehört.
Exemplarische Aufnahmen in stark verbessertem Klang, 9. Oktober 2003
Die SACD-Fassung des ersten Beethoven-Zyklus von Karajan ist in jeder Hinsicht gelungen. Sie korrigiert auch zum Teil gewisse Klischeevorstellungen, wonach Karajan zu sehr auf oberflächliche Klangwirkungen und weniger auf die inneren Strukturen Wert legte. Es treten nämlich viele Details und Nebenstimmen zutage, die man zuvor kaum herauszuhören vermochte. Dennoch sind immer die großen Linien und Spannungsbögen erkennbar. Hier war ein Dirigent am Werke, der voller Überzeugung seine eigenen Vorstellungen realisierte und sich nicht um Metronomangaben oder andere Äußerlichkeiten scherte. Karajan wäre wohl nie auf die Idee gekommen, den dritten Satz der 9. Sinfonie in 11 Minuten herunterzuspulen, wie dies heute nicht unüblich ist. Mein einziger Einwand betrifft die Pastorale, deren ersten Satz er für meinen Geschmack zu schnell nimmt (auch in den späteren Zyklen). Insgesamt aber erlebt man Beethoven hier als einen bekenntnishaften Komponisten, der der Welt etwas zu sagen hat. Die Berliner Philharmoniker sind durchweg in Höchstform und bestechen nicht zuletzt durch den wunderbaren Klang der Bläser, insbesondere der Hörner.
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