Kundenmeinungen
Boy-Girl-Harmonies mit Fuzz, Feedback und Noise, 10. Mai 2007
"Attack of the Ghost Riders", die Ende 2002 erschienene geniale erste Single der Raveonettes, fügte dem gerade in Fahrt gekommenen Sixties-Garage-Rock-Revival eine neue Facette hinzu. Endlich hatte auch Columbia/Sony eine Band gefunden, die man den Fans von The Hives & Co als Alternative anbieten konnte. Die Musik erinnerte ansatzweise an The Cramps, und die Raveonettes waren auf der folgenden 8-Track-EP "Whip It On" dann tatsächlich düsterer und trashiger als die populäre Konkurrenz. Doch leider besaß kein Song darauf die Qualität der ebenfalls enthaltenen Single-A-Seite.
Wurde auf dem Cover der EP noch stolz verkündet: "recorded in glorious b minor", prangt auf dem ersten Album "Chain Gang Of Love" nun "recorded in b major". Erneut nur drei Akkorde, aber dieses Mal alles in Dur. Tatsächlich denkt man nur noch selten an The Cramps, eher an die drumcomputer-unterlegten Popsongs von The Jesus & Mary Chain. Produziert hat Richard Gottehrer, der vorher schon den Sixties-Pop von Blondie, den Go Go's und den Angels inszenierte, und als Singles wurden die beiden besten Tracks ausgekoppelt: "That Great Love Sound" und "Heartbreak Stroll".
Nach mehrmaligem Hören weiß man allerdings nicht, ob die Raveonettes die von ihnen zitierte Musik (The Jesus & Mary Chain, Buddy Holly, Phil Spector, The Angels) wirklich so mögen, oder ob sie durch dieses endlose Zitieren einfach nur mit den Hörern spielen wollen. Oder sind sie doch nur Angeber, die krampfhaft und strebermäßig versuchen, Sounds und Songs ihrer musikalischen Vorbilder aufs perfekteste zu reproduzieren?
Empfehlenswert für alle, die Sixties-Boy-Girl-Harmonies mit Noise-Einlagen mögen.
Wunderbare Arroganz, 10. März 2004
Hören: Das Duo aus Dänemark kann zu Recht stolz auf ihr Machwerk sein. Mit viel Schmackos, Coolness und ein wenig Selbstmitleid brettern die Raveonettes ihre Songs herunter und stolpern dabei nie. Vielleicht beinahe zu cool, zu stilsicher um sich selbst darin zu finden. Die Platte glänzt durch eine Kompaktheit, die auf die Dauer anöden könnte. So ist ihre Stärke auch ihre Schwäche: Man holt sie gerne mal hervor, hat es aber nach einmal Durchhören wieder gesehen für eine Weile. Persönlich putzte ich gerne zu ihrem Sound und ehrlich gesagt spielt es mir dabei keine grosse Rolle ob sich nun „Chain Gang Of Love" oder „Whip It On" dreht. Die Erstere erscheint en peu lebensfroher. Zu genau muss man nicht hinhören.
Stil: The Jesus and Mary Chain haben wir bereits gehört. Black Rebel Motorcycle Club muss sicher noch hinzugefügt werden. Es wird mit dem immergleichen Effekten gearbeitet: Viel Hall und gerne mal einen Stimmenverzerrer. Die Effekte werden so gezielt und bewusst eingesetzt, dass ich die Assoziation zu Garagen nicht mehr hinbekomme. Dafür sind die Raveonettes zu wenig schmutzig. Das Bisschen Dreck kommt einfach zu durchproduziert und zu glatt daher. Der Zufall fehlt und mit ihm Charakter und die Idee von Ehrlichkeit. Es scheint, dass Image beinahe alles ist. Wer ehrlicheren Sound will ist mir BRMC besser bedient. Fazit: Trotz allem vier Sterne für sehr gutes Songwriting, das Treffen eines Zeitnervs und die Überheblichkeit nicht wirklich etwas Neues als genial zu verkaufen. Ich bereue nichts.
Ganz gut, könnte noch besser sein, 13. Januar 2004
Den Melodien kann ich ruhigen Gewissens 5 Sterne geben. Ja, und der Vergleich Jesus and the Mary Chain meets Phil Spector/Blondie passt auch. Was mich derbe stört ist, dass die gelungenen Melodien mit einem zum Teil heftigen und m.E. auch unpassenden Gezische, nachempfundenen Vinylgeknister und relativ billig klingenden Drumcomputern untergepflügt und in den Hintergrund gedrängt werden. Schade! Aber das ist sicherlich Geschmackssache. Kurzum: Gut gemachter Garage-Pop mit trotz alldem hohem Funfaktor! Und mit der Hoffnung auf die nächste, noch bessere Scheibe des Nord-Duos.
Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück, 23. September 2003
die 'whip it on' - e.p. gehörte für mich zu DEN highlights des noch jungen jahres 2003, umso gespannter war ich auf den ersten longplayer, der ja nicht lange auf sich warten ließ. leider bleibt 'chain gang of love' ziemlich hinter den erwartungen zurück, die man nach der grandiosen e.p. an die band hatte. anstatt ihr geniale mischung aus rotzigem punk, dunkler psychedelic und catchy hooklines und melodien im stil der 60'er und 70'er beizubehalten, wird bei 'chain gang of love' das tempo meist ziemlich zurückgedreht, so daß bis auf die sehr gute single 'that great love sound' sowie 'little animal' (textlich) kaum ein track richtig begeistern kann bzw. diese brodelnde mixtur aus 60'ies, trash, erotik, drogen - und punk attitüde besitzt. stattdessen herrscht eher eine süßliche, slow motion surfrock stimmung. auch die produktion hat mir auf der e.p. viel besser gefallen, da wesentlich druckvoller. ich weiß nicht, ob the raveonettes mit diesem album 'erfolgreicher' sein wollen, oder ob sie leider alle guten songs bereits auf 'whipt it on' verbraten haben, schätze aber das zweiteres der fall ist. hammer songs wie 'attack of the ghost riders', 'do you believe her' oder 'beat city' sucht man auf 'chain gang of love' jedenfalls vergebens. schade.
Musik zum B-Movie, 17. September 2003
Das dänische Duo knarzt in seiner bewährten Art durch weitschweifige amerikanische B-Movie-Landschaften, in denen es nach Leder, Benzin und Sex riecht. Der soundmäßige Vergleich zu The Jesus and Mary Chain ist schon gezogen worden. Doch mindestens ebenso intensiv ist die Verbindung der Raveonettes zu Phil Spector, dem König des "Wall of Sounds", sowie natürlich Velvet Underground. Und selbst die Girlgroups der 60er sind nicht weit: Liegt vielleicht an Produzent Richard Gottehrer, der nicht nur Blondie, sondern 20 Jahre vorher schon den Angels ("My Boyfriend's back") zu Charts-Ehren verhalf. Einziges Manko: Die CD ist verdammt kurz geraten.
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