Kundenmeinungen
Symbiotisch, 26. November 2008
Im nunmehr fast 30jährigen Schaffen der Neubauten ist (je nach Bandphase) von purem Krach bis hin zu fragil-melodiösen Songs alles enthalten. Irgendwo in dieser Wandlungszeit zwischen beiden Extremen erschien 1987 dieses Album.Steht das eröffnende "Zerstörte Zelle" in seiner Expressivität noch ganz in der Tradition der Vorgängeralben, ist bereits das folgende "Morning Dew" geradezu eingänglich - wäre da nicht Blixa Bargelds hypnotisch-beschwörender Gesang. Doch zu früh gefreut, bereits mit "Ich bin's" gibt es wieder voll auf die Zwölf, da wird auf's Blech gehämmert, bis das Metall glüht, während es überall scheppert und klingelt.Blixa Bargeld erwähnte in mehreren Interviews, dass Depeche Mode in gemeinsamen Berliner Studiotagen von den Neubauten erzeugte Sounds beispielsweise für "People Are People" verwendet hätten. Wahrheitsgehalt hin oder her, auch in "MoDiMiDoFrSaSo" glaubt man eine musikalische Verwandtschaft zu den britischen Elektronikern herauszuhören, diesmal erinnert das wüste Soundgemälde an "Something To Do".Ruhiger geht es bei "Zwölf Städte" und "Keine Schönheit ohne Gefahr", meinem Favoriten des Albums, zu. Da kann man in einzigartig rätselhaften Texten versinken, auf gar keinem Fall Musik für nebenbei! Das abschließende "Kein Bestandteil sein" ist eine wunderbare Symbiose aus Härte, Eindringlichkeit und doch spannender Melodieführung. Tolles Album, allerdings nicht in jeder Stimmungslage zu genießen.
Geordnetes Chaos, 1. Dezember 2006
Die Krachmacher von den EN werden ruhiger, allerdings nur ein wenig. Wer schon zuvor großen Wert auf interessante Texte gelegt hat, wird zufrieden sein. Blixa Bargeld ist als Musik-Poet in seinem Element. Diese CD ist trotz manch lauter Musikfeatures und schroffer Beats eine deutliche Weiterentwicklung des EN-Sounds in Richtung "Hörbarwerden".
Die interessanteste Phase der Neubauten, 26. Juni 2005
Kennen Sie den Begriff ,,Geniale Dilettanten''? Diese Bezeichnung hatten Musikkritiker für unter anderem auch die Neubauten geprägt, weil sie zu Beginn ihrer Karriere zwar keine Instrumente richtig beherrschten, aber trotzdem so was wie Musik hervor brachten. Das steht in der Tradition des Punk, obwohl man die Musik der Neubauten nie so recht als Punk bezeichnen konnte.
,,Fünf auf der nach oben offenen Richterskala'' ist meiner Meinung nach besser produziert als die Vorgängeralben. Und es hat inhaltlich auch mehr zu bieten. Es ist eben nicht mehr so krachig wie ,,Zeichnungen des Patienten O.T'' und noch viel weniger krachig als ,,1/2 Mensch''. Man sollte wissen, dass dieses Album die Zeit widerspiegelt, als die Neubauten in Japan Stadien vollspielten (wie bei uns die Stones). Im Vergleich zum Nachfolger-Album ,,Haus der Lüge'' ist ,,Fünf auf der nach oben offenen Richterskala'' weniger poppig. Es ist eine wunderbare Ballade drauf (,,Keine Schönheit ohne Gefahr''), ,,Ich bin's'' und ,,Modimidofrsaso'' sind sehr rhythmische Stücke. ,,Zerstörte Zelle'' steht noch am ehesten in Verbindung mit den vorherigen Alben. Dieses Album klingt besser als der Sampler ,,Strategies against Architecture'' vor (weiss nicht, was die Jungs sich bei den Remixes der guten Titel für den Sampler gedacht haben). Für mich persönlich ist dieses Album ein Meilenstein deutschen Musikschaffens. Und deshalb bewerte ich es so hoch.
Silhouettenhafter Dammbruch der Zelle durch die Vakuole, 25. Dezember 2004
Bei dieser Platte muss man schon einiges abverlangen, will mandoch die Jagdgründe der Neubauten auf dem Hügel der unerkenntlichen und zerstreuten Fixität erkennen, forschen und lieben. " Fünf auf der nach oben offenen Richterskala " stelltauf extremste Weise die explizite Darstellung des Neubauten-fragments dar. Und das erwiesener Weise seit "Halber Mensch".Zu ihrer später eher theatralischen und kunsthaften Epochestellt dieses Album den alten Klangstil mit geriffelten Klängen,armenischem Pfeffer und einer Prise Naivität sowie saddharistischer Manier und kryptischen Texten dar.Bei "FADNOOR" sei gesagt: Die Neubauten zeigen ihre Silhouettennicht nur auf dem gelungenen Cover, sondern wollen -besondersM.Chung und F.M. Einheit - , den Krieg ( u.a. in 12 Städten )und die klaffende Wunde eines hungrigen Adlers proklamieren.Dies wird auf alle Fälle durch die Abwandlung des Prometheusdurch Blixa Bargeld auffällig, der auf wundersame Weise seinMinenfeld darbietet.Trotzdem sollte man sich diese LP mit viel Zeit (!) undeiner eigenen Meinung einflößen.
Neubauten eben., 5. April 2003
Zu dieser Platte kann man eigentlich nicht viel schreiben. Es ist eine gewöhnliche Neubauten Platte im alten Stil. Was natürlich nicht heisst dass sie schlecht ist. Songs wie Ich Bin's, Modimidofrsaso und Kein Bestandteil sein gehören zu den Höhepunkten der Platte. Für jemanden, der jetzt aber beispielsweise schon die Compilation Strategies Against Architecture II hat, auf der Ich bin's und Kein Bestandteil drauf gepresst sind, für den sollte meiner Meinung nach der Kauf dieser CD nicht die oberste Priorität haben.
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