Beschreibung
Wenn Vincenzo Bellinis Semiseria-Oper La Sonnambula heute noch begeistern kann, dann in einer solchen Aufnahme: Das geniale Dreigestirn Maria Callas, Leonard Bernstein und Luchino Visconti brachten das Werk 1955 an der Mailänder Scala gemeinsam auf die Bühne. Die live mitgeschnittene Aufnahme bewahrt ein hohes Maß der Intensität und Ausdrucksstärke, die diese Produktion gehabt haben muss. Der häufige frenetische Beifall des Publikums ist ein eindrucksvoller Beweis für die unmittelbare Wirkung dieser großen künstlerischen Leistung. Als Hörer des Mitschnitts nimmt man fast 50 Jahre später die deutlichen Saal- und Bühnengeräusche sowie die eingeschränkte Aufnahmequalität gern in Kauf, denn hier gibt es eine gut disponierte und relativ entspannte Maria Callas als Mittelpunkt eines teilweise sehr guten Ensembles zu erleben. Von herausragender Qualität ist neben Maria Callas in der Titelpartie der Amina vor allem Cesare Valletti als Elvino: Das gemeinsame Liebesduett der beiden im ersten Akt ("Son geloso del Zefiro errante") ist ein erster überwältigender Höhepunkt der Aufnahme, denn den Kantilenen Bellinis wird in puncto nuancierte Ausdrucksfülle Erstaunliches entlockt. In anregendem Kontrast zu Maria Callas und ihrer permanenten atemberaubenden Hochspannung steht Eugenia Ratti als Lisa mit ihrer hell timbrierten, mädchenhaften Sopranstimme. Ihre die Handlung vorwärts bringende Umtriebigkeit lässt die Würde und das vorübergehende Unglück ihrer Kontrahentin Amina noch zusätzlich an Profil gewinnen. Leonard Bernstein schließlich, damals noch kein erfahrender Operndirigent, geht mit der Partitur dennoch sehr souverän und kreativ um; sein überschäumendes Temperament, gepaart mit großer Liebe zum Detail, kommt der Partitur sehr zu Gute. Die vorliegende Aufnahme ist neben einer Medea-Produktion von 1953 das einzige Dokument der Zusammenarbeit zwischen Maria Callas und Leonard Bernstein. --Michael Wersin
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