Kundenmeinungen
Unumgänglich!, 21. Dezember 2007
Zeppelin damals offensichtlich bereits in der größten und endgültigsten Krise der Gruppe angelangt, fabrizierte hier dennoch ihr größtes Glanzstück und gleichzeitig die Manifestation ihres Niedergangs.
Niemand wird dieses Doppelalbum jedoch verstehen können, wenn er sich nicht in die Situation eines damals, sagen wir vielleicht Sechzehnjährigen, hineinversetzen kann oder will. Ich selbst war damals genau in diesem Alter. NDR2 hatte das Album in seinem "Musik für junge leute nach der Schule" über die Mauer geweht. "Geil" nein, das Wort passte (danmals sowieso) nicht - aber, es war etwas ganz anderes, als das, was ständig lief. Es war Hardrock vom Härtesten was man sich vorstellen konnte, es waren neue ungewöhnlich groovende Bluestitel und es waren einige Stücke, von denen man überhaupt nicht wusste, wie man sie einordnen sollte.
Ok, und was hat das heute noch sagen? Dieser Frage nachzugehen, sollte man sich die CD zulegen. Stücke wie "In my Time of Dying", "Kashmir" haben ihren unmittelbaren mystischen Kern nie verloren. "Boogie with Stu" und "Black Country Woman" machen einen auf lockere Art und Weise mit der faszinierenden schwarzen Musik der Südstaaten bekannt. Und die Titel dazwischen unterhalten mit immer neuen Konzepten (und Anleihen).
Mein Leben jedenfalls wäre anders verlaufen, wenn es diese beiden Platten nicht gegeben hätte.Eine ähnliche Wirkung auf den heutigen Hörer zu erwarten wäre allerdings vermessen.
Mansfield
"einmal zep mit alles", 23. August 2005
Die Versuchung, ein Doppelalbum zu machen, die - öfter mal, aber nicht nur - Bands befällt, die vor Kraft kaum laufen können, war zu dem Zeitpunkt, als diese Platte herauskam, noch keine alltägliche Angelegenheit. Später sollten ihr dann Guns N' Roses, Goldie und allzuviele andere mehr nachgeben, mit teilweise mehr als durchwachsenen Resultaten. Von daher ist "Physical Graffiti" eher nicht als leuchtendes Vorbild zu nehmen.
Dennoch: Trotz der mangelnden stilistischen Geschlossenheit auf CD 2 (bzw. Seite 3 und 4) können die meisten Tracks des Albums ein hohes Niveau an künstlerischer Qualität halten. Es macht sich aber eben auch bemerkbar, dass "Graffiti" neben der Arena für neue Zeppelin-Stücke auch Abladeplatz für Übriggebliebenes der letzten vier Jahre ist: "Bron-Yr-Aur", "Boogie With Stu", "Down By The Seaside" und "Black Country Woman" gehören ebenso eindeutig auf "Led Zeppelin III" wie "Houses Of The Holy" auf gleichnamige Platte gehört. Wirklich original neu und "Klasse von 1975" sind "Custard Pie" (knusperknabberknackigfrisch), "The Rover" (eigentlich auch ein 1970er Headley Grange-Stück, vom Sound aber komplett modernisiert), "In My Time Of Dying", "Trampled Underfoot", "Kashmir", "In The Light", "Ten Years Gone" und "The Wanton Song" (wie "Songfacts" so treffend zusammenfaßt: "This is about sex." Mit Rückwärtsecho, könnte man noch hinzufügen). Im Prinzip hätte man das ganze Paket - auch das ein Gedanke, wie er einem öfters mal bei Doppelalben in den Sinn kommt - auf eine kompakte Scheibe eindampfen können, aber es hat halt anders sollen sein. Genug Kritik am Mosaik: "Physical Graffiti" macht Laune, ist ehrfurchtgebietend und wartet mit einigen der stärksten Zeppelin-Songs ever auf. Die erste CD (bzw. Seiten 1 und 2) funktioniert trotz ihrer zeitlichen Inkohärenz reibungslos, mit "In My Time Of Dying", "Trampled Under Foot" und natürlich "Kashmir" als bahnbrechenden Meisterstücken in Sachen epischer Doom-Blues, Sex-Funk und Riffmonstrosität - die Essenz Zeppelin'schen Schaffens also. CD 2 wirkt dagegen stark durcheinandergewürfelt, und nur die 75er Tracks "In The Light" - eine wunderbare Kombination aus ätherischen Synthesizern und klassischem Zep-Rock - sowie das herzzerreißend schöne "Ten Years Gone" können den Standard halten, den die erste Hälfte gesetzt hat. Die übrigen Songs stammen eben aus anderen Epochen in der Bandhistorie und hätten am besten auf den zugehörigen Alben funktioniert, aber wenn man jedes Lied für sich nimmt, sind schon ein paar schöne Sachen dabei. Fazit: Zeppelins Reste-Rampe leidet mitunter an ihrem zusammengewürfelten Charakter, aber die Songs sind schon ziemlich GUT. Mehr/größer/größenwahnsinniger ging einfach nicht, und "Presence" sollte danach auch wieder kleinere Experimentier- und Nachverwertungsbrötchen backen.
Double the discs and double the Led Zeppelin fun,,, 3. Juli 2005
Led Zeppelin doubles up on the fun in this 1975 double album, which makes sense since it had been two years since the release of "Houses of the Holy." Repeated listening makes it clear that each disc should be taken on its own terms. Every time I listen to Disc One of "Physical Graffiti" I come to the conclusion that most of these songs were created out of jam sessions, as opposed to Page and Plant sitting down in the living room and working on tunes. You get the feeling Jimmy Page was fooling around, found some guitar riff that he liked and then Led Zeppelin fashioned an entire song out of it (e.g., "Custard Pie" and "Houses of the Holy"). The same thing with John Paul Jones's organ work on "Trampled Under Foot" and John Bonham's drumming on "Kashmir." Clearly "Physical Graffiti" is Led Zeppelin's most collaborative album, with Jones and Bonham getting credits on six of the 15 tracks. While "Kashmir" has always been the most recognizable song on the album, long before Puff Daddy remixed it for the giant green lizard movie bomb, the group's true showpiece is the 11:08 "In My Time of Dying," which finally gets the boys back in the neighborhood of the blues (along with "Boogie With Stu" and a few other tracks). "Dying" is the longest studio track in the entire Led Zep repertoire and one of four songs 6:55 or longer on the album. Who needs A.M. Top 40 air play?
In contrast Disc Two contain the lighter songs, the acoustic "Bron-Yr-Aur" and the cutesy "Down By The Seaside," as well as another attempt to duplicate "Stairway to Heaven" with "Ten Years Gone," before getting back to big time rock and roll (e.g., "The Wanton Song" and "Sick Again"). This is clearly the more experimental disc in the set, although I would not go so far as to suggest that the second comprises the "graffti" to the "physical" first. More than any other Led Zeppelin album, "Physical Graffiti" reminds us that while Page and Plant were always out in front the rhythm section of Jones and Bonham was equally as good, even if the pair were under appreciated in comparison. Along with their first and fourth albums, this is one of Led Zeppelin's best, its filler cuts more than compensated for by the overall ambition of the effort.
Neben dem vierten für mich das beste von Led Zep, 14. Mai 2005
Led Zeppelin waren ja bekannt für ihre Vielseitigkeit und dafür, sich von allen möglichen Musikrichtungen inspirieren zu lassen. Nach den beiden ersten, sehr Hard-Rock- und Blues-orientierten Alben, wagten sie mit "III", "IV" und "Houses Of The Holy" neue Schritte und hatten stets neue Überraschungen parat. Auf "Physical Graffiti" findet die enorme stilistische Bandbreite der Band ihren Höhepunkt. Es ist zwar bei Doppelalben logischerweise sehr schwer, konstant auf hohem Niveau zu bleiben, die ganze Zeit den Hörer sowohl mit Abwechslungsreichtum, als auch mit gutem Song-Wrting bei der Stange zu halten und keine Langeweile aufkommen zu lassen, aber Led Zeppelin schaffen dies doch ziemlich gut. Der Opener "Custard Pie" (heißt übrigens so viel wie "Kuchen mit Vanillesoße"... lustig) mit seinem markanten Riff und der Mundharmonika ist irgendwie so ein typischer Zeppelin-Rocker, auch wenn er anders klingt als die Opener der vorigen Alben, die auch stets eher die straighten Hard-Rock-Songs waren. Das anschließende "The Rover" ist gleich einer meiner Faves auf dem Album; die Melodieführung besonders im Refrain ist klasse und der coole Bass tut sein Übriges. Im 11-minütigen Blues-Epos "In My Time Of Dying" kommt dann durch Pages Slide-Gitarre tiefstes Südstaaten-Feeling auf, bei dem John Bonham die Bass-Drum richtig krachen lässt. Track 4, "Houses Of The Holy", war natürlich eigentlich für das Vorgängeralbum gedacht und von der fröhlichen Melodie her merkt man dies auch. Nicht unbedingt der stärkste Song von "Physical Graffiti", aber ganz nett. Den Abschluss der ersten CD - oder LP - bilden dann das sehr funkige (besonders durch Jones' Keyboardsolo) "Trampled Underfoot" und das orientalisch klingende "Kashmir", das wohl jeder kennt; oder zumindest das Riff, das ja schon x-mal geklaut wurde. Durch die orientalische Harmonieführung und den Gesang von Plant kommt irgendwie eine sehnsüchtig klingende Stimmung auf und Robert Plant erklärte auch mal, dass er sich irgendwie in den Kopf gesetzt hätte, unbedingt mal nach Kaschmir zu fahren. Obwohl die erste CD schon ziemlich gut ist, finde ich persönlich die zweite fast noch besser, obwohl man sich darauf schon ein bisschen einlassen muss. Gerade so ein völlig zugedrogt klingender Psychedelic-Song wie "In The Light" gleich am Anfang ist sicherlich durch die spacigen Synthie-Sounds nicht so leicht verdaulich, ist aber schon ziemlich gut gemacht, vor allem wenn sich, durch die Musik hervorragend ausgedrückt, die schwermütigen Stimmung gegen Ende in eine fröhlichere, optimistischere wandelt und Plant dazu "everybody needs a light" singt. Etwas leichter verdaulich ist hingegen natürlich Pages kurzes Akustikstück "Bron-Yr-Aur" und das anschließende "Down By The Seaside" ist geradezu lässig und herrlich relaxt. Mit "Ten Years Gone" folgt danach eine melancholische Ballade, bei der Page angeblich 14 Gitarrenspuren (!) übereinander gelegt haben soll. Für mich einer der schönsten Songs von Led Zeppelin überhaupt. Während dann das Hammond-Orgel-geprägte "Night Flight" recht überzeugend ist, wirkt "The Wanton Song" etwas belanglos und stellt für mich das schwächste Stück des Albums dar. Dann wären da noch "Boogie With Stu", das mal wieder etwas ganz anderes ist, "Black Country Woman", das einen guten Groove hat und vor allem durch den geilen Aufbau dank der Drums von John Bonham lebt und "Sick Again"; ein fetter, rockender Abschluss, denn vor allem das Abwärts-Riffing der Gitarre und des Basses im Refrain ist einfach nur zum Niederknien. Fazit: Man sollte sich Zeit nehmen, um "Physical Graffiti", das für mich neben dem vierten Werk das beste der Zeps ist, richtig zu entdecken - denn es gibt wahrhaft viel zu entdecken. Übrigens nicht nur, was die Musik betrifft, sondern auch das äußerst interessant gestaltete Cover.
Vielleicht LedZeps bestes Album, 4. März 2005
„Ein Talent leiht, ein Genie stiehlt." soll Picasso mal gesagt haben. Nun haben Led Zeppelin mit Picasso recht wenig am Hut aber wenn dessen Aussage stimmt, dann sind Led Zeppelin sicherlich die Genies des Rock. Kaum eine Band klaute im Laufe ihres Bestehens so gekonnt im Blues- und Folkfundus wie sie und kaum eine Band klang dabei so kraftvoll, so eigenständig, originell und musikalisch wie sie. Die Liste der Vorbilder und (in den Liner Notes meist „vergessenen") Quellen ist lang: Willie Dixon, Otis Rush, Sonny Terry, Chester Burnett (Howlin' Wolf), Albert King, Blind Willie Johnson, Memphis Minnie, Leadbelly. Und beim „Boogie with Stu" (gemeint ist Stones-Keyboarder Ian Stewart) covern sie hier auch noch Richie Valens. Die Highlights auf diesem Album sind für mich allerdings das majestätische „Kashmir", der hardrockende Boogie „The Rover" und mein absoluter Favorit, die 11-Minuten-Bluesnummer „In my time of dying". Led Zeppelin liefern hier den Beweis dafür, daß eine gute Band mehr ist, als die Summe ihrer Mitglieder. Jeder für sich ein hervorragender Musiker, bildeten sie zusammen den Prototyp der groovenden Heavy-Rock-Band mit Stil. Led Zeppelin wurden mittlerweile selbst oft kopiert und gecovert - aber nie erreicht. Jedem ihrer Epigonen immer noch haushoch überlegen.
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