Kundenmeinungen
Rauer und härter als der Vorgänger, 22. Juli 2008
Viele vergleichen diese Platte mit ihrem direkten Vorgänger "Kid A", was auch richtig ist, da sie aus einer Session stammen. Allerdings ist "Amnesiac" viel rauer und härter geworden, was einem aber erst beim dritten Durchlauf auffällt. Viele der Songs gehen als Antikriegssongs durch, insbesondere "You and whose army?" und "Dollars & cents". Es ist eine Platte für Winterabende oder für Regentage, an welchen der Regen besonders stark an die Fenster prasselt, da dieser Effekt der CD noch einen zusätzlichen Reiz gibt. Besonders nicht alltägliche Töne beherrschen diese Platte, wie die orientalischen Klänge auf "Packt like sardines in a crushed tin box" oder die harten dunklen Klaviertöne zu Beginn des "Pyramid song", die auch ein wenig abschrecken. Bei dem Hintergrundgeräusch bei "Pull/Pulk revolving doors" dachte ich zuerst an eine Geldzählmaschine, tatsächlich sind es Drehtüren. Der traurig schöne, an einen Beerdigungsblues am Mississippi erinnernde Song "Life in a glasshouse", wird alleine durch die zusätzliche Trompete, Klarinette und Posaune getragen. Auch wirkt das zweiminütige Gitarrensolo "Hunting bears" sehr traurig. Die Texte sind auch wie immer sehr deprimierend und traurig gehalten, wir werden aber aufgeklärt, das es die "dollars and cents, and the pounds and pence and the marks and yens" sind, die die kleinen Seelen brechen ("Dollars & cents"). So überzeugend wie die beiden Vorgänger ist diese Platte leider nicht, vielleicht weil sie fast schon etwas zu eingängig geworden ist. Gut ist sie trotzdem.
Amnesiac, 25. April 2008
Alleine das pianolastige Stück "Pyramid song" würde den Kauf dieser Platte schon rechtfertigen. Gehört ohne Zweifel zum Besten, was je von Radiohead geschrieben wurde. Aber auch die anderen Songs tragen allesamt dazu bei, dass dieses Radiohead-Album wieder mal der Komkurrenz ein ganzes Stück voraus ist. Tom Yorke und seine Mitstreiter verzichten auch hier überwiegend auf 08/15-Akkordfolgen und schaffen so ergreifende Perlen (wie z.B. "You and whose army", "I might be wrong"), die ihresgleichen suchen.Im Prinzip sind Kid A-sche Elemente überall spür- und hörbar, nur halt diesmal verpackt in Songs mit altbewerter Songstruktur. Aber Radiohead wären nicht Radiohead, wenn es auch hierbei keine Ausnahmen gäbe. "Like spinning plates" bspw. hat mit altbewerter Songstruktur nichts gemein. Eine von Synthies getragene Nummer - erinnert entfernt an Pink Floyd und sowas nenne ich einfach innovativ klasse."Amnesiac" ist nicht einfach ein Musikalbum. Es ist Kunst und zeigt mit seinem Erscheinen wieder mal ganz deutlich die Grenzen bei anderen (hochgelobten) Bands auf.
Unterbewertet, 7. Dezember 2006
Ja, klar. Es ist das alleinegelassene Schwesterchen von Kid A. Aber ich finde es sogar besser. Weniger Lieder, dafür sorgfältiger ausgesucht. Keine Füller. Gerade die letzten 15 Minuten von Kid A kleben wie Kaugummi. Auf Amnesiac jedoch baut das jazzige "Dollars & Cents" baut eine Brücke über das hinhaltende "Hunting Bears" zum wirklich innovativen "Like Spinning Plates", das selbst auf dem grandiosen Livealbum "I Might Be Wrong" nicht getoppt werden konnte. Klar, alles Synthie (rückwärts gespielt), aber unglaublich gut. Tom Yorkes Stimme nervt weniger als auf alten Alben (vielleicht etwas bei "Morning Bell"). Mein Favorit ist aber das resolute "I Might Be Wrong", ähnlich wie "National Anthem" auf der Kid A, aber dynamischer und irgendwie düsterer. Das als Single ausgekoppelte "Knives Out" ist das einzig poppige Stück hier, das aber Amnesiac nicht annähernd wiederspiegelt. Kurzum: ein tolles, innovatives Album, nach dem Radiohead leider wieder mehr in den Pre-"OK Computer" Stil verfallen sind. Kaufen!
Ein Buch, 3. August 2006
Amnesiac ist von vielen mißachtet worden, weil es nie dem Mief einer nachgeschobenen Platte ablegen konnte. Ich habe mich der Platte mal über Tage genähert und mich verliebt. Amnesiac ist ein ganzes Buch mit allen Inhalten, die ein Buch vermittelt und macht süchtig. Ein kleines Geheimnis.
Wer (Kid) A sagt, muss auch A(mnesiac) sagen, 24. Februar 2005
Auch, wenn der Vorwurf eine Binsenweisheit ist, die für alle (Beinahe-)Doppelveröffentlichungen gilt: Amnesiac ist ein Gang in den Geräteschuppen. Der Versuch, eine komplette Inneneinrichtung allein aus Sägespänen und Teppichresten zusammenzuklabastern.Manch einer wird den Vergleich mit Perlen (Kid A) und Rohdiamanten (Amnesiac) ziehen wollen, aber wahr ist doch viel mehr: Wo die zähe Melodieseligkeit von "How to Disappear Completely" oder "Motion Picture Soundtrack" noch einen traumähnlichen Sog erzeugte, knallt man hier auf die eisharte Geräuschkruste von "Pulk/Pull Revolving Doors" und "Like Spinning Plates", ohne auch nur die geringste Chance eines Durchbruchs. Oder erstickt in der breiigen Vorspiegelung einer Melodie, wie in "I Might Be Wrong".Klar, Lichtblicke gibt es auch auf Amnesiac: "You and Whose Army", zum Beispiel. Oder "Knives Out". Allerdings ist das Licht etwas schwächer geworden, als wäre der Osram kurz vorm Durchschmoren. Klar: Im Geräteschuppen ist man so selten, da reichen auch Energiesparlampen.
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