Beschreibung
Kempff war ein Meister der poetischen Lyrik, mit einem wunderbaren Anschlag und einer atemberaubenden Beherrschung subtiler Spannungen und Klangfärbungen -- alles unschätzbare Attribute eines Schubert-Interpreten. Er besaß auch die Begabung, lang angelegte Strukturen zusammen zu halten, bei denen sonst oft das Ziel verloren geht. Er konnte so einer Falle aus dem Weg gehen, in die so mancher Pianist gestolpert ist, nämlich den Details von Schuberts "himmlischen Längen" so viel Aufmerksamkeit zu widmen, dass man sich hierin verirren kann. Man kann oft den Vorwurf hören, dass er die Poesie zu sehr betont und dabei die Dramatik vernachlässigt. Dieses wunderbare Set widerlegt diesen Vorwurf. Wenige Pianisten haben zum Beispiel bisher so erfolgreich den wahrscheinlich wildesten Satz von Schubert, das gespenstische Andantino der A-Dur Sonate D. 959, so erfolgreich gemeistert. Hier fängt Kempff die gequälte Stimmung des Stückes bis zur Perfektion ein, ohne dessen klassische Struktur zu zerstören. Die Tempi werden im allgemeinen gedehnt, aber bei Kempffs glanzvollem Klang und bei seinem unbeirrbaren Sinn für natürliche Phrasierung wünscht man sich niemals eine Beschleunigung. Hinzukommen als Zugabe einige selten gehörte frühe Werke. Einige von ihnen sind unvollendet, andere reflektieren einen Komponistenn noch auf dem Weg, seine Kunst zu beherrschen. Aber die meisten sind nicht nur von vorübergehendem Interesse, und einige sind von bezaubernder, peinigender Schönheit. Kempffs Set mit Werken von Schubert ist seit seiner Veröffentlichung als LP ein Klassiker geworden; dass er jetzt in einer platzsparenden CD-Box zu einem günstigen Preis zu haben ist, ist ein echter Grund zum Feiern. --Dan Davis
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Kundenmeinungen
Dank, 8. März 2007
Wir schulden Wilhelm Kempff Dank. Nicht nur, dass er uns eine hervorragende Gesamtaufnahme hinterlassen hat, sondern auch dafür, dass er uns im Laufe seines Künstlerlebens die Klaviersonaten von Schubert nahebrachte. Durch sein Spiel wird deutlich, dass die Klaviersonaten von Schubert denen eines Ludwig van Beethoven oder eines Wolfgang Amadeus Mozart in nichts nachstehen. Ein Schattendasein brauchen sie auf keinen Fall zu führen.Wilhelm Kempff spielt die Klaviersonaten klar strukturiert und sehr lebendig. Auch wenn er manchmal für mein Empfinden zu schön spielt, so kommt dennoch das Wesen überzeugend zum Ausdruck.Ein Kauf, der sich lohnt.
"Mein Klassiker", 21. Dezember 2002
Wenn ich aufgefordert wäre, nur eine Musik auf eine einsame Insel mitnehmen zu dürfen, zögerte ich einen Moment lang: es gibt so viel schöne Musik von Schubert.Meine Wahl trifft die Klaviersonaten, die eine so unmittelbare emotionale Sprache sprechen, eine Sprache des Berührtseins mit dem Innersten. Von 21 Sonaten, die Schubert beginnt, vollendet er 12, und nur 3 erscheinen zu seinen Lebzeiten. Unter dem Einfluß des von ihm so sehr bewunderten Beethovens stehend,ist Schubert zwar noch eng der klassischen Tradition verbunden, die romantische Geisteshaltung und Empfindung bestimmen aber deutlich seine musikalischen Inhalte.Mein Herzensstück ist eine seiner letzten, in seinem Todesjahr 1828 geschriebenen Sonaten in B-dur (D960), die ich in sechs Einspielungen besitze. Wilhelm Kempffs ist mir die liebste. Ohne dramatische Übertreigungen in zurückhaltender, poetisch anmutender Weise vortragend, vermittelt er Bewunderung und Achtung vor dieser Musik. Nicht zur Virtuosität fühlt er sich, seinen eigenen Worten folgend, aufgefordert, sondern zur Begleitung des ewigen Wanderers Schubert in jenes Land, das er sehnsuchtsvoll gesucht habe. Der erste Satz der Sonate ist wie ein vorsichtiger, aber bestimmter Aufbruch, der Verheißung birgt, stetig voranschreitend, voller überströmender Melodiefülle. Aus dem folgenden Andante sostenuto dagegen sprechen Schmerz, Wehmut und Sehnsucht, nicht ungestüm aufbegehrend, sondern voller Akzeptanz und Gefühlen des Abschieds vom Leben. Dramatisch vereinen die letzten beiden Sätze die emotionalen Diskrepanzen. Eine Lebensfreude klingt an, die angesichts der fortschreitenden Krankheit Schuberts kaum faßbar ist. Heiter, fast gesellig zum Tanz aufspielend, verbirgt und trägt die Musik die Melancholie des Einsamen, dem Tod Nahen.Es ist gut zu wissen, daß es noch 20 andere Sonaten gibt, denn Schuberts Musik ist eine besonders tröstende. Vor ihr stürzt, wie Adorno es einmal sagte, die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen...wir weinen, ohne zu wissen warum; weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es verspricht.
Ein bedeutendes Dokument., 12. Mai 2002
Einer der großen Schubert-Meister, Wilhelm Kempff. Man muss weinen, so schön ist seine Übermittlung dieser unfassbar ausdrucksintensiven Musik. Dabei ist sein Spiel im Grunde nie depressiv, geschweige denn hässlich oder dämonisch, wie es einem z.B. bei Sviatoslav Richter gelegentlich die Sprache verschlägt. Immer ist ein Schimmern da, meist ein Leuchten und eine so deutliche Sprache, dass man sich schwer ihren vielen Facetten entziehen kann. Dieses unmittelbar menschliche, auf gewisse Art friedvolle, dadurch aber nicht spannungslose, das Kempff aus jener Musik wie auch aus der von Bach, Beethoven, Brahms oder Schumann zu vermitteln fähig ist, gibt seinen Aufnahmen einen ungeheuren Wert. Kempff, selbst auch Komponist, wusste noch genau, was die Schöpfer jener Musik aussagen wollten, wie sie ihre eigenen Werke verstanden haben. Und so findet er seinen Weg, uns dies zu vermitteln.
Angesichts der Genialität und Menschlichkeit der Komponisten und angesichts der hier vermittelten Wirkung und Aussage ihrer Musik, Schuberts in diesem Fall, gewinne ich den Eindruck, dass, wenn sie einen auch nicht gerade zu einem guten Menschen macht, man aus ihrem Erleben doch wenigstens als etwas „besserer Mensch" hervorgehen kann, um einen Gedanken Menhuins zu zitieren. Diese Musik Schuberts ermöglicht es einem, Gefühle von höchster Qualität zu erleben, sie bietet einem Rundwege durch Gebiete des Lebens, die in ihrer Form nur durch sie zugänglich sind; sie lässt die Menschen teilhaben an ihrem eigenen unermesslichen Schatz. Große Worte, die hoffentlich nicht zu weit verfehlt sind?
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