Kundenmeinungen
Wo bleibt Preußens Gloria?, 26. Februar 2008
Anhand der guten Rezensionen und durch mein Interesse an dieser Epoche habe ich mir diesen Film auf DVD zugelegt und wurde teilweise doch sehr enttäuscht. Ja, dieser Film ist pompös und handwerklich gut gemacht, aber wo bleibt der Glanz? Mitten in der Schlacht hört man Pazifistengehäule. Der Blutzoll war hoch, aber dieses Gejammer zerstört vollens die Szenerie der Schlacht. Zudem konzentriert sich ein Großteil des Films auf Wellington und Napoleon. Die Preußen werden barbarisch und geradezu mordlüsternd dargestellt und dürfen nur so nebenbei mitmarschieren. Im Gegensatz zu Waterloo hat ein Film wie Kolberg, trotz klarer pol. Propaganda, keine Seite diffamiert.Waterloo hat grenzenlos Potential verschenkt ... was bleibt ist die Gewissheit, dass diese Schlacht noch nicht die Verfilmung bekam, die sie verdient hat.
Monumentales Schlachtengemälde, 23. August 2007
"Waterloo" ist ein klassischer Monumentalfilm mit einer Heerschar von Komparsen, gewaltigen Schlachtenszenen, einem Rausch an Uniformen und der typischen Fixierung auf so genannte historisch bedeutende Persönlichkeiten. Zum Inhalt: Nachdem Napoleon I. zur Abdankung gezwungen und ins Exil nach Elba geschickt worden war, kehrt er kurze Zeit später mit einer Tausendschaft an Getreuen zurück. Erneut lässt er sich als Kaiser feiern, die Armee folgt ihm. Napoleon marschiert nach Belgien, um die verbündeten Engländer und Preußen anzugreifen, ehe diese in Frankreich einfallen können. Bei Waterloo kommt es zum entscheidenden Aufeinandertreffen.In die Rolle des Napoleon Bonaparte ist Rod Steiger geschlüpft. Die optische Ähnlichkeit ist verblüffend. Steiger scheint den Empereur gut studiert zu haben: Motivationsfähigkeit, Pathos, cholerisches Temperament, aber auch Nachdenklichkeit. So könnte das historische Vorbild tatsächlich agiert haben. Napoleons großer Gegenspieler war Arthur Wellesley, seines Zeichens Herzog von Wellington, ein eitler englischer Hocharistokrat, der viel Wert auf Etikette legte und sein bunt zusammengewürfeltes Heer aus Trunkenbolden verachtete. Als Oberbefehlshaber der alliierten Streitmacht (Briten, Niederländer, Hannoveraner, Braunschweiger, u.a.) obliegt ihm die Aufgabe, Napoleon zu stoppen. Christopher Plummer tritt als ein sehr überzeugender Duke of Wellington in Erscheinung. In einer Nebenrolle, leider viel zu kurz, verkörpert Orson Welles den übergewichtigen Louis XVIII. Der Rest der Akteure ist eher unbedeutend.Gedreht wurde der von Sergei Bondarchuk inszenierte Film in Italien (Dino de Laurentis Studios) bzw. in der Ukraine. Es bedurfte einer Menge an Statisten, Uniformen, Waffen und Pferden, um Waterloo wiederzugeben. Schließlich gab es 1970 noch keine CGI-Effekte. Und alles musste so wirken, als würden in der Tat 150.000 Soldaten auf der Leinwand aufmarschieren. Diese Illusion ist gut gelungen.Schwächen hat "Waterloo" aber auch. Die eingebauten kriegskritischen Szenen wirken künstlich und kitschig. Es wird zu sehr ein Heldenmythos erzählt. So verliert Napoleon hauptsächlich nur deswegen, weil seine Marschälle Ney und Grouchy versagen. Andererseits werden die Preußen unter Blücher zwar immer wie deus ex machina beschworen (Wellington im Angesicht der drohenden Niederlage: "Ich wünschte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen",) dürfen dann aber nur kurz durchs Bild reiten. Vielleicht lag das einfach am cineastischen Zeitgeist oder an der Aversion eines Sowjetregisseurs gegenüber deutschen Truppen. Wie auch immer: "Waterloo" ist eindrucksvoll veranschaulichter Geschichtsunterricht.
Genialer Film, schlechte Neusynchronisation!, 25. Juni 2007
Als Historiker und "Fan" der napoleonischen Ära bin ich auch heute noch schwer begeistert von diesem Film, den ich als Kind zum ersten Mal sah. Genau so sollten meiner Ansicht nach historische Filme sein. Dass es die eine oder andere Ungenauigkeit gibt, stört in diesem Falle wirklich nicht und ist der filmischen Umsetzung geschuldet. Besonders gelungen finde ich den Versuch, die Protagonisten der Ereignisse als normale Menschen darzustellen, mit all ihren Ängsten und Wünschen. Das gelingt vor allem bei Napoleon, aber auch bei Ney, dessen ambivalente Rolle in diesem letzten Akt gut dargestellt wird.Ärgerlich fand ich nur, dass die DVD stellenweise neu - und schlecht - synchronisiert worden ist. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.
Ich wollte, es wäre Abend..., 10. März 2007
Napoleon ist zurück und fasst nicht mehr Fuss. In aller Eile stellt er eine Armee zusammen und versucht, dem Rest Europas noch einmal zuvorzukommen. Das Glück hat ihn aber verlassen, zu oft ist er auf den Zufall angewiesen.Seine besten Marschälle bleiben fern, nur Ney und Grouchy sind noch da. Der eine ist ungestüm, der andere zaudert, keiner ist für den ersten Platz wirklich geeignet, und dennoch fällt beiden ein wichtiger Part zu. Sie erhalten ihren Platz im Film, der das Wesentliche gut herüber bringt. Ein Dokumentarfilm war ja nicht beabsichtigt und es ist auch in einem Dreistundenfilm schwer möglich, die ganze Schlacht detailgetreu nachzuzeichnen.Die Besetzung ist erstklassig, insbesondere Christopher Plummer bringt wie immer seine Entschlossenheit und auch eine verhaltene Brutalität gut herüber. Den Feldherrn, der den Sieg bringt, gibt er überzeugend. An Rod Steiger gibt es auch wie immer nichts auszusetzen, sein Napoleon lässt keinen Zweifel offen, und natürlich passt der fast zu einem Cameo-Auftritt geschrumpfte Part von Orson Welles gut.Die Massenszenen sind allein schon sehenswert, weil es echte Menschen auf echten Pferden sind und keine Animationen. Der Schrei des anonymen Soldaten (Warum...) ist allerdings aufgesetzt und bringt nichts, aber man kann nicht alles haben.Ein Meisterwerk ist es nicht geworden, aber solides, gutes Handwerk. Ich sehe ihn mir immer wieder gern an.
grosses Kino!, 29. Dezember 2006
Rod Steiger in der Rolle von Napoleon ist einfach unübertroffen. Er kommt der realen Figur sehr nahe, so muss er damals auf sein Umfeld gewirkt haben. Der Aufwand mit all den Komparsen und den historischen Uniformen ist für damalige Verhältnisse (70er Jahre) enorm. Die Filmmusik ist grandios.
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