Kundenmeinungen
Ein Titan unter den Western, 15. Dezember 2007
Fred Zinnemann wusste schon, mit wem er da arbeitete: Gary Cooper und Grace Kelly in den Hauptrollen. Die Musik von Dimitri Tiomkin. Dazu eine archaische Story - gradlinig und clean. Ich finde, man hat es visuell hauptsächlich Gary Cooper zu verdanken, dass dieser Film zu einem Meilenstein der Filmgeschichte wurde. Das Spiel seiner Augen im Close-Up, diese Ruhe und Gelassenheit, geradezu Coolness. Gepaart mit diesem angenehmen Understatement macht ihn zu einer der glaubwürdigsten Figuren des amerikanischen Westens. Für mich einer der besten Filme aller Zeiten.
5 Sterne Wert, ganz klar!, 15. September 2007
Gary Cooper und Grace Kelly sind echt einsame Spitze! Überhaupt ist derFilm ein echt gelungener Western. Dies müsste auch der Vorläufer der Serie24 sein, denn diese Echtzeit Idee gab es schon hier in 12 Uhr Mittags!Überhaupt ist der Film teilweise recht cool. Das fängt schon ganz zuAnfang an, als Lee Van Cleef von sein Stein aufsteht und in total coolerPose ein paar Schritte geht und einen Reiter sieht! Diese Szene habe ichbestimmt schon über 10x gesehen! Außerdem spielt hier Lee Van Cleef amBahnhof etwas Mundharmonika! Und hier dürfte sicher jedem klar sein, dasLeone mit seinen Italo Western Spiel mir das Lied vom Tod, einiges von USWestern nur abgeguckt bzw. inspiriert hat! Der Showdown am Ende von 12Uhr Mittags hätte aber ruhig etwas dramatischer sein können. Vor allembeim ersten und zweiten und vierten Gegner, hätte man sich mehr Zeitnehmen können sie zu erledigen.Schade das der Film nicht in Farbe ist. Auch ein 16:9 Format hätte denFilm gut gestanden. Aber nichts spricht dagegen solch eine Version malzu machen. Man müsste den Film nur chlorieren und das Bild könnte manruhig auf das 16:9 Format matten. Aber solch eine Version wird esnatürlich niemals geben!! Oder vielleicht doch?!?!?!?
Do Not Forsake Me, Oh My Darlin', 10. Juli 2007
Als der gebürtige Wiener Fred Zinnemann "Hign Noon" Mitte 1952, das heisst inmitten der McCarthy-Ära, drehte und in die US-Kinos brachte, waren die Meinungen geteilt. Rechte Kräfte fanden den Film "unamerikanisch" und den Sheriff Will Kane (Gary Cooper) zu verweichlicht und verbittert, angeblich drehten Howard Hawks und John Wayne 1959 "Rio Bravo" daher als Antwort auf "High Noon".Die amerikanische Linke hingegen identifizierte sich mit dem von der Gemeinschaft (aus Angst) im Stich gelassenen Kane. Als eine Art Parabel auf die Kommunistenhetze war der Film wohl auch gemeint.Tatsache ist jedenfalls, dass "12 Uhr mittags - High Noon" einer der besten Western (oder sogar der besten Filme) überhaupt ist, dass es kaum je einen großartigeren Showdown in der Filmgeschichte gegeben hat und Grace Kelly als prüde-pazifistische Ehefrau von Kane alle Sexsymbole der Neuzeit um Längen schlägt.Die DVD-Ausgabe (Ton: deutsch und englisch mit Untertiteln) ist solide, als Extras gibt es eine kurze Doku über Fred Zinnemann und außerdem den genialen, von Tex Ritter gesungenen, Titelsong.
guter Film, falscher Schluss, 15. Juni 2007
"High Noon" ist ohne Zweifel ein Klassiker, glänzend inszeniert und gespielt und alles. Trotzdem finde ich, dass der Film seinem eigenen Anspruch nicht ganz gerecht wird. Ein Film, der so deutlich zu verstehen gibt (z.B. durch die stilisierende Schwarz-Weiß-Ästhetik, die demonstrative Beachtung der aristotelischen Einheiten usw.), dass er keine beliebige Pferdeoper sein will, sondern eine klassische Tragödie im Gewand des Westerns, müsste diesen Anspruch auch durchhalten. Das tut er aber, meiner Meinung nach, nicht.Das Problem ist der Schluss. Über eine Stunde lang hat Marshall Kane versucht, Helfer für seinen Kampf gegen Frank Miller und dessen drei Komplizen zu finden. Vergeblich. Wie die Menschen in Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" nach und nach ihre Habgier enthüllen, so offenbaren Kanes Mitbürger ihre Feigheit. Nicht einer will ihm beistehen, alle reden sich heraus. Kanes vergebliche Suche nach Helfern beruht auf der - durchaus realistischen - Annahme, dass er allein gegen Millers Gang keine Chance hat. Es ist daher unlogisch und unsinnig, dass er am Ende doch allein, nur von seiner - im Kämpfen ungeübten - Frau unterstützt, die Feinde besiegen kann. Unlogisch, weil damit die Voraussetzung, unter deren Vorzeichen der größte Teil der Handlung ablief, als Unfug entlarvt wird, und unsinnig, weil das, was als Tragödie daherkommt, auch tragisch enden müsste. Der ganze Film läuft konsequent auf die Katastrophe zu. Am Ende müsste Kane tot im Staub der Hauptstraße liegen, umstanden von seinen betroffenen Mitbürgern. Aber sobald die Schießerei beginnt, hört "High Noon" auf, eine klassische Tragödie zu sein, und wird zu einem ganz gewöhnlichen Western, in dem die Guten treffen und die Bösen immer um Haaresbreite danebenschießen.Wohlgemerkt: das ist ein guter Film. Cooper, Kelly und Katy Jurado spielen großartig, die vielen biederen Feiglinge sind sorgfältig ausgewählt, und Lee an Cleef ist ein idealer Bösewicht. Der Showdown ist perfekt choreographiert, das Lied ist toll - da gibt es nichts zu meckern. Nur das Ende ... aber genug davon.Die DVD enthält ein hochinteressantes Porträt des Regisseurs und ist überhaupt exzellent gemacht.
Ein Klassiker, 28. Februar 2007
Die Handlung sei kurz skizziert: Sheriff Will Kane hat gerade geheiratet, als er erfaehrt, dass Frank Miller vorzeitig entlassen wurde. Dieser Moerder, den der Sheriff vor Jahren selbst hinter Gitter brachte, ist nun unterwegs zu ihm, um sich zu raechen. Wird Kane fluechten oder standhalten? Nach kurzem Schwanken entscheidet er sich zu bleiben. In den naechsten zwei Stunden muss er aber feststellen, dass keiner der braven Buerger beim anstehenden Showdown Feuerhilfe leisten will. Was der Zuschauer nun sieht ist nicht einfach nur ein Western, sondern ein Film ueber die ganz grossen Themen: Liebe und Hass, Mut und Feigheit, Treue und Verrat, Individualismus und Herdentrieb. Es ist ein Film aus der Zeit vor postmoderner Beliebigkeit. Es gibt ein klares Konzept der Welt, und die ist so wie sie eben ist, naemlich voller Gefaehr und Schlechtigkeit, aber aufrechte Maenner koennen Ordnung schaffen. Der Film ist aufgebaut wie ein geschlossenes Drama: die Handlung spielt an nur einem Ort, es gibt nur eine kontinuierlich fortschreitende Zeit ohne Vor- und Rueckblenden, und es gibt nur einen Handlungsstrang, der konsequent durchgehalten wird. Das gibt dem Film Dichte und Intensitaet. Darueberhinaus ist der Film in Echtzeit gedreht, ein weiteres spannungssteigerndes Moment. Die Entscheidung faellt, wie der Titel schon andeutet, um 12.00 Uhr mittags, dann wenn die Sonne in ihrem Scheitelpunkt steht. Nach so viel Suspense hat es der Zuschauer auch verdient "erloest" zu werden.Besonders beeindruckend finde ich, wie das Opus mit einfachsten Mitteln Atmosphaere schafft und grosse, allgemeingueltige Aussagen macht. Sehr schoen ist die Szene am Bahnhof, als die Ex-Geliebte des Sheriffs, ein leichtes Maedchen aus Mexiko, im Zug davonfaehrt, waehrend seine Angetraute (wunderbar gespielt von Grace Kelly) beschliesst, zu ihm zurueckkehren und ihm beizustehen: wahre Liebe und oberflaechliche Beziehung, in einem Moment ist alles klar. Auch die Spielweise Coopers ist sehr sparsam. Er spricht nur wenig, aber Mimik und Gestik des knochigen Huenen sagen alles. Der Film schafft es durch Wiederholungen Spannung und Rhythmus zu schaffen. Immer wieder sehen wir die Pendeluhr, die das unerbittliche Verrinnen der Zeit anzeigt. Immer wieder sehen wir auch die wartenden Gangster am Bahnhof, die auf ihren Anfuehrer Frank Miller und den Showdown warten. Einen weiteren Pulsschlag bekommt der Film von der duester-melancholische Musik Tex Millers: Do not forsake me. Da kann der Zuschauer nur noch mitfiebern.
|