Kundenmeinungen
Warum den Zigeunern eine solche zwischenmenschliche Brutalität in die Schuhe schieben???, 8. Oktober 2007
Der Film ist ein einziges Herunterleiern von Clichés und abgegriffener Slapsticks. Praktisch alle zwischenmenschlichen Beziehungen darin reflektieren entweder das Verhältnis "Ausbeuter - Ausgebeuteter" oder dasjenige zwischen jemandem, der etwas besitzt (Geld, Wissen) und demjenigen, der diesem diesen Besitz mit List entreissen möchte. Auf gut Deutsch, der Starke quält den Schwachen, der Listige hintergeht selbst den besten Freund (auch wenn der Ausdruck "bester Freund" in diesem Film keinen grossen Sinn macht), um an dessen Besitz zu gelangen.. Traurig, traurig... Umsomehr als man dies nun den Zigeunern in die Schuhe schieben möchte!Ich sehe hier keine Romantik, keine "kulturelle Vielfalt des Balkans" (wie ein anderer Rezensent meint), und noch weniger sehe ich in diesem Film die Genialität von Fellinis Amarcord!Ich sehe in diesem Film viel Schmerz, Trauer, Elend und... Gemeinheit (die vom Regisseur bis ins kleinste Detail beschrieben wird!). Zuviel für den Intellektuellen unter den Filmliebhabern.
Kuriose Liebeserklärung an den Balkan, 21. Juni 2007
Ein verrottendes Hausboot. Der Zigeuner Matko liegt auf seiner Hängematte neben einer Vielzahl kurioser Gegenstände, Möbel und allerlei flatternder Tiere. Matko steht nur auf, wenn ein Boot mit Russen kommt, denn er verdingt seinen bescheidenen Lebensunterhalt mit Schwarzhandel von alten elektrischen Geräten und Dieselöl. Von den Russen übervorteilt, wendet er sich an Onkel Girka, um sich ein großes Ding vorfinanzieren zu lassen, das er mithilfe des Syndikat-Bosses Dadan durchziehen möchte. Der folgende Zugüberfall geht natürlich völlig in die Hose, weil die bestochenen Bahnbeamten ihr eigenes Spiel betreiben. Dadan kann das nur recht sein, denn er zwingt nun Matko, dessen gutaussehenden Sohn Zare mit seiner kleinwüchsigen Schwester Ladybird zu verheiraten. Doch ersterer hat sein Herz schon anderweitig verschenkt und Ladybird will noch auf die Liebe warten. Umstände, die ein furioses Finale während ihrer Hochzeit einleiten. "Schwarze Katze, weißer Kater" setzt einen herrlichen in sich geschlossenen Mikrokosmos aus abgründigen Balkan-Klischees ins Bild, auch wenn der schmale Grat zur Albernheit manchmal überschritten wird. Der Film fängt von Anfang an eine unglaublich lebensbejahende Athmosphäre ein und die Vielzahl trashiger, kurioser Details ist äußerst bemerkenswert. Wer ein dermaßen verqueres Bild seiner Heimat zeichnet wie Regisseur Emir Kosturica, kann diese nur sehr lieben.
Ein bißchen wie eine Mischung aus "Tarantino mit Balkanensemble"..., 22. Februar 2007
...Ein Film jedenfalls zum Träumen...und zum Kennenlernen des Balkans und seiner Menschen aus der Sicht Emir Kosturicas.Tarantino deshalb, weil der Film voller einzigartiger Charaktere ist, die Handlung bzw. die ganzen Handlungsstränge verrückter fast schon nicht mehr sein konnten, weil die Musik von "Schwarze Katze, weißer Kater" noch mehr "einfährt" als Tarantinos Filmtitel "Misirilou" und weil der Film Leidenschaft pur ist.Kosturicas Film ist halt einfach nur schön. Und eben ideal, um zu zeigen, wie bunt und menschlich der Balkan eigentlich in seinem Geist und seiner Geschichte ist.Fünf Sterne, einen goldbezahnten Gypsy-Trompeter und einen Balkan-Reiseführer für den nächsten Urlaub jedenfalls von mir...
einfach..., 4. Februar 2007
genial!kein film zum nebenbeischauen, kein film für zarte gemüter, die sich berieseln lassen wollen....der film ist super! musste mir zu meinem glück direkt noch die musik dazu kaufen!5 sterne!
Fellinis Erbe?, 19. September 2006
Angesichts der vielen derben Zoten des Films, der skurillen Gestalten (Zwergwüchsige, Riesen, schrullige Alte, verliebte Junge, hübsche Mädchen, weniger hübsche betagte Damen) und den lose aneinandergereihten Handlungsabläufen, die in einer Hochzeit gipfeln, die jedoch nie vollzogen wird, kann man in Emir Kusturica (1955 in Sarajewo geboren, 1978 Abschluss an der FAMU - wo er Menzel kennenlernte - 1989 Verleihung des Roberto Rosselini Preises) einen würdigen Erben Fellinis sehen. "Schwarze Katze, weißer Kater" ähnelt von der Atmosphäre her dem "Amacord" doch sehr, auch wenn er weniger episodenhaft verläuft und womöglich auch ein bisschen gewalttätiger und manchmal auch etwas lauter anmutet. Der Hang zum Fellinesken war auch vorher schon bei Kusturica zu bemerken.Der Film ist der erste, bei dem Kusturica nicht mit seinem Kamermann Vilko Filac zusammenarbeitet und vor allem DAS Werk, das nach seiner Ankündigung, keine Filme mehr zu drehen (als Reaktion auf den sehr unterschiedlich aufgenommenen "Underground" (1995)), entstanden ist.Alles in allem ein wirklich sehr schöner, sehr unterhaltsamer Film... Jedoch kann ich die radikale Befürwortung oder Ablehnung, die sich in unzähligen 5-Sterne-Bewertungen und einigen 1-Stern-Bewertungen bemerkbar macht, nicht ganz nachvollziehen ;)
|