Kundenmeinungen
Über Sinnlichkeit, 3. Juli 2007
Nach Amadeus von Milos Forman ist dies mein liebster Film, in dem klassische Musik im Mittelpunkt steht. Und wie bei Amadeus geht es auch hier um die Konflikte, die das Genie mit den durchschnittlichen Menschen in seiner Umgebung austragen muss. Wobei wir allerdings in Farinelli gleich zwei solche Genies sehen können. Da ist zum einen Farinelli selbst, ein wunderbarer Sänger, dessen Stimme aber nur durch die Kastration vor dem Stimmbruch gerettet werden konnte. Und da ist Händel, der nach der Essenz in der Musik sucht, die barocken Verzierungen seines Zeitalters verabscheut und stattdessen menschliche Gefühle in der Musik darstellen will. Beide Genies finden leider nur schwer zueinander. Denn Farinelli ist Pop in Händels Augen.
Den wahren Konflikt muss Farinelli aber mit seinem eigenen Bruder austragen. Nicht nur, dass der komponierende Bruder den genialen Sänger nur auf die eigene Musik festlegen will. Er bemächtigt sich auch seiner Sexualität. Während Farinelli mit seiner Stimme und seiner leicht androgynen Ausstrahlung reihenweise Frauen flachlegt, ist es sein Bruder, der schließlich den Akt zu Ende bringt, denn der Kastrat kann zwar Liebe machen, aber nicht zeugen. Und so ist Farinelli auch die Geschichte einer Befreiung aus persönlicher Abhängigkeit, einer Emanzipation. Aber obwohl es zunächst scheint, dass die guten und bösen Rollen in diesem Film bereits sehr früh festgelegt sind, ist ganz am Ende dennoch Raum für eine Synthese. Und so dürfen wir uns trotz aller Grausamkeiten schließlich über eine Art von Happy End freuen.
Wie bei Amadeus auch wird die klassische Musik hier schon fast mit Sexualität gleichgesetzt. So sind die optisch stärksten Szenen (außer den Opernauftritten) die, die sich liebende Menschen im Bett zeigen. Auch diese Szenen kann man gut oder besser filmen, hier sind sie fast am besten gelungen. Ich hätte in einem Film, der von einem Kastraten handelt, keinesfalls soviel Erotik erwartet. Und so sieht sich der Film wunderschön an, sei es, dass Farinelli singt oder eine der hübschen Darstellerinnen beim Austausch von Zärtlichkeiten.
Bei meinem nächsten Date versuche ich es auch mal mit Barockmusik.
Was dabei rauskommt, wenn Dir dein Bruder die Hoden quetscht, 7. Mai 2007
Das Zeitalter Georg Friedrich Händels. Mezzosoprane führen die Operngesänge und bringen die Frauenwelt zum abtauchen in die Ohnmacht. Ein Bruderpaar aus Italien, der eine geschickt, der andere eine mit einer göttliche Stimme begnadet reißen alle Menschen in Ihrer Umgebung mit sich, brechen die Herzen der Frauen und leben ihr Leben aus vollen Zügen. Reisen von Italien durch die Welt bis sie in England in einen Wettstreit zwischen Telemann und Händel dem König von England ihre atemberaubende Kunst darbieten.
Fazit: historische Schauplätze und Handlung, künstlerisches triebhaftes Leben, wunderbarste Gesänge und Töne, eingekleidet in eine historische Kulisse mit einzigartigen Darstellern. Einfach zum genießen.
Eindrucksvolle Bilder, eindrucksvolle Musik, 31. Oktober 2001
Dieser Film ist ein sinnlicher Augen- und Ohrenschmaus. Die Personen (Farinelli) bleiben zwar weitestgehend unbekannt, ihre Leidenschaft, Liebe, Trauer etwas diffus. Dennoch: ein eindrucksvoller, dramatischer Film mit wunderschöner Musik und der Traumstimme von Farinelli (Kunststimme, zusammengeschnitten aus der wunderbaren Stimme des Countertenors Derek Lee Ragin und der Sopranistin Ewa Mallas-Godlewska).
Farinelli ist der beste Film der letzten 20 Jahre, 29. Juli 2001
Wer Film als Kunstwerk liebt und nicht auf den Schund abfährt, der uns in letzter Zeit aus Hollywood geliefert wird, wo es laufend Peng macht und einem das Hirn weggepustet wird, für den wird Farinelli der reinste Genuss sein! Dieser Film ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk. Da ist zunächst die Story, die auf so vielen Ebenen, die alle miteinander verwoben sind, dramatisch spannend ist und die unglaublichsten Konflikte, aber auch die unglaublichsten kunsthistorischen Aspekte mit einer wahrhaft meisterhaften Musik darstellt. Da sind diese grandiosen Schauspieler, nicht nur Farinelli selbst, oder sein Bruder, oder Händel, oder gar Porpora, der immer aussieht, als habe man ihn gerade aus einer Mülltonne herausgeholt, aber eine so unglaubliche Autorität ausstrahlt, oder der Junge mit der Glasknochenkrankheit, oder sei es die Theaterfrau oder all die Anderen! Was für Figuren! Was für herrliche Snobs in London! Und immer wieder, was für herrliche Musik! Farinelli konnte über dreieinhalb Oktaven singen und das ist hier meisterhaft von einer wunderbaren Sängerin und einem Tenor -per Computer angeglichen in der Art- auf wunderbare Weise dargestellt. Und was für Bilder! Auch was für Erotik -gar auf der Bühne- durch Musik. So ein Film kann, glaube ich, nur noch in Frankreich entstehen. Ich liebe diesen Film und danke allen Beteiligten für diesen schönen Genuss für alle Sinne. Rainer Keller, Frankfurt am Main, Juli 2001
Special effects der besonderen Art, 15. März 2001
Der Film Farinelli ist ein typisches Beispiel, wie heutzutage mit Qualitätsprodukten umgegangen wird, denn es handelt sich hier um einen Superfilm, aber: Kennen Sie ihn? Erzählt wird die Geschichte von Carlo Broschi (1705-1782) alias FARINELLI. Im 18. Jh. war es üblich, Knaben mit göttlicher Stimme vor Eintritt des Stimmbruches zu kastrieren. Farinelli war der Berühmteste von ihnen. Selbstverständlich existieren (leider) keine Tonaufzeichnungen von Kastratenstimmen, so daß die eigentliche Herausforderung (und Klasse!) des Filmes in der Nachbildung von Farinellis Stimme liegt. Aus Sopran und Tenor wurde am Computer ein Klangerlebnis konstruiert, daß ebenso einzigartig ist wie es das Original gewesen sein dürfte - ein special effect der ganz besonderen Art! Sehr einfühlsam wird über das Leben des Kastraten erzählt, fehlende Details dabei nicht einfach durch Phantasien ersetzt. Auf seine Länge kommt der Film durch reichliche Hörerlebnisse jenes einmaligen Gesanges. Trotzdem erfahren wir einiges über Farinelli, seine Karriere, seine Liebschaften, seine Ängste und seinen allergrößten Wunschtraum: Kinder zu haben...
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