Kundenmeinungen
Das Gewicht des Rauchs, 1. August 2002
New York 1990. An einer unscheinbaren Strassenecke befindet sich "Brooklyn Cigar & Co", der kleine Tabakladen von Auggie Wren (Harvey Keitel). Auggie stellt sich jeden Morgen um Punkt 8.00 Uhr vor seine Tür und fotografiert "seine" Kreuzung. In einer der schönsten Szenen des Films zeigt Wren einem seiner besten Kunden, dem Schriftsteller Paul Benjamin (William Hurt) die Alben mit tausenden von Fotos, die offenbar immer nur die ewig gleiche Ecke zeigen. Exemplarisch für eine zu erwartende Reaktion des Zuschauers zeigt sich Benjamin verständnislos und arbeitet sich, mit für Auggie ungebührendem Tempo, durch die Bilder, so dass der Fotograf, und durch ihn der Regisseur, den Betrachter gemahnt, mit mehr Ruhe ans Werk zu gehen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Und so öffnet sich in den fünf Kapiteln des Films eine Welt, die in ihrer Darstellung ganz den Bildern in Auggies Fotoalben entspricht. Wir sehen Menschen ihr Leben, verpackt in Anekdoten oder Geständnissen, in den Laden tragen. Mal kehren sie wieder, wie Paul, der regelmäßig seine Zigarillos bei Auggie kauft und von dem wir aus Erzählungen erfahren, dass er nicht mehr schreiben kann, seitdem ihn "das Glück verließ" und seine Frau Helen Opfer eines Überfalls wurde. Helen kann nicht wiederkehren, aber sie hat Spuren Auggies Alben hinterlassen. Nach und nach erschliesst sich episodenhaft die Atmosphäre des Films und man taucht völlig ein in die Welt des Paul Auster, der seinen Figuren liebevoll und facettenreich in den Mikrokosmos Tabakladen drapiert. Man sieht den jungen Thomas, der es, mit ein wenig Hilfe von Auggie und Paul, schafft, zu seinem Vater Cyrus (Forest Whitaker, der, ebenso wie Keitel und Hurt, schauspielerisch seinen Rang zu behaupten weiss) zurückzufinden; es begegnet uns Auggie Wrens Jugendliebe Ruby, die ihn nach 18 Jahren aufsucht um ihre drogensüchtige Tochter und deren ungeborenes Kind zu retten; nebenbei handelt Auggie mit kubanischen Zigarren und Paul und Thomas gehen mit einer Verkäuferin aus einer Buchhandlung tanzen. Dies sind nur einige der aufgeblätterten Bilder und Lebenslinien, die sich, zusammen mit dem Schluss, nämlich "Auggie Wren`s Weihnachtsgeschichte", formen zu einem Plädoyer für die Würde des Unscheinbaren.
Hollywood im kleinen Kreise, 9. März 2001
Auggie Wrens (Harvey Keitel) Tabakladen in Brooklyn ist im Laufe seiner 14-jährigen Existenz zum Treffpunkt in der Nachbarschaft geworden. Hier kann man sich unterhalten, hier werden Anekdoten erzählt, und es wird - natürlich - geraucht. In mehreren Episoden wird die Geschichte des Autors Paul Benjamin (William Hurt), dem die Muße abhanden gekommen ist, ebenso erzählt wie die von Auggies Freundin Ruby (Stockard Channing), die nach 16 Jahren mit einer drogenabhängigen Tochter zurückkehrt.
Wayne Wangs Verfilmung einer Kurzgeschichte von Paul Auster ("THe New York Trilogy") ist eine amüsante Hommage an Brooklyn, die durch seltsame Charaktere und nette Ideen zu gefallen weiß. Es bringt einfach Spaß, diesen Bildern zuzusehen, doch wer auf große Action hofft, ist hier fehl am Platz.
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