Kundenmeinungen
Inzestdrama, 27. August 2005
Als der Vater der vier Geschwister Julie, Jack, Sue und Tom an einem Herzinfarkt stirbt, sind diese mit der Mutter auf sich alleine gestellt. Doch sie wird bald schwer krank und stirbt ebenfalls. Da die Familie sehr abseits lebt, fällt ihr Tod niemandem auf. Die älteren Geschwister lassen sich etwas einfallen, damit der Tod der Mutter weiter unentdeckt bleibt, aus Angst getrennt zu werden.
Als Julie dann mit ihrem neuen Freund Derek auftaucht, ahnt dieser bald, dass etwas nicht stimmt, ausserdem entwickeln die Geschwister Julie und Jack mehr als geschwisterliche Gefühle füreinander...
Wer düstere und makabere Geschichten mit beklemmender Atmosphäre mag, sollte sich "Der Zementgarten" auf jeden Fall ansehen. Die Verfilmung des Romans von Ian McEwan ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen und steht dem Buch in nichts nach. Mit Charlotte Gainsborg und Andrew Robertson sind die Rollen der Geschwister Julie und Jack ideal besetzt und auch die anderen Schauspieler spielen ihre Rollen perfekt. Allen die das Buch mögen, wird es wahrscheinlich bei dem Film nicht anders gehen.
Der Zementgarten, 17. Dezember 2002
Nach dem Herztod ihres Vaters müssen 4 Kinder (Julie 17, Jack15,Sue 12,Tom 7Jahre alt) sich schon zum Teil selbst versorgen, weil ihre Mutter immer bettlegriger wird und nur noch oben im Schlafzimmer des allein stehenden Einfamilienhauses liegt.Wer soll hier die häuslichen Pflichten übernehmen?Wer hat hier zu bestimmen und etwas zu sagen? Mc Ewan schildert hier sehr sensibel die Auseinandersetzungen zwischen dem pubertierenden Jack und seinen Geschwistern, besonders zwischen ihm und seiner älteren Schwester.Während Jack seine Schwester bewundert, hat er selbst ein sehr negatives Selbstbild. Da er zusehen muss, wie die Pickel auf seinem Gesicht immer mehr zunehmen, hört er schliesslich auf sich zu waschen.Wer ihn wirklich liebt, soll ihn auch lieben, wenn er ungewaschen ist und stinkt.Ein Science Fiktion Roman, ein Geburtstagsgeschenk seiner jüngeren Schwester, hilft ihm durch das Vorbild des Kosmonauten Commander Hunt aus der pubertären Zwickmühle.Jacks Mutter hat mehrmals ein liebevolles Gespräch mit ihrem Sohn und rät ihm auf dem Krankenbett, möglichst niemandem etwas von ihrer Abwesenheit zu sagen, wenn sie für längere Zeit ins Krankenhaus muss."Dann reisst man die Familie auseinander...man bringt euch ins Heim" Ein paar Tage später liegt die Mutter tot im Schlafzimmer, und Jack und Julie sowie Sue erfüllen letztlich den Willen ihrer Mutter, den Tod zu verheimlichen, durch ein Hausbegräbnis in einem Zementsarg.Das klingt hier zwar skurril und makaber, ist im Roman und im Film jedoch so gut vorbereitet, dass es dem Leser fast wie natürlich und selbstverständlich in der extremen Situation der Kinder vorkommt.Duch diese Extremsituation erfährt Jack, was es heißt Verantwortung zu übernehmen, und auch die Beziehung zwischen vorher stark konkurrierenden Kindern wird plötzlich sozialer und enger.Julie übernimmt z.B. gegenüber dem kleinen Tom die Mutterrolle.All dies spielt sich dann in den gerade beginnenden Sommerferien ab. Es handelt sich in diesem Roman keineswegs um das Austoben skurriler und abweichender Neigungen von Kindern, sondern viel eher um die Frage, ob Kinder sich nicht von Natur aus in solch einer Extremsituation ebenso verhalten würden.Die Metapher des Zementgartens ist hier treffend gewählt,wenn wir uns vergegenwärtigen, dass auch in einem mit Zement planierten fruchtbaren Garten irgenwann Risse entstehen, durch welche die Kraft der Natur wieder durchbricht.Der Inzest zwischen Jack und seiner älteren Schwester fällt hier mit dem Erscheinen der Polizei und mit dem Ende des Romans zusammen, so dass man hier auch keinesfalls davon sprechen kann, dass dieses Buch von einer fortlaufenden inzestuösen Beziehung handelt.Kein Leser erwartet hier eine Wiederholung!Im Gegenteil: Das Ende des Romans zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Utopie des Schriftstellers handelt, nämlich um eine Beziehung und eine Welt, die bei uns keinen Ort hat.In dieser Hinsicht gleicht die ganz unschuldige und ungewollte Liebe zwischen Jack und Julie all den Liebesmotiven in der Geschichte der Literatur, die ebenfalls zwei Menschen haben zusammenkommen lassen, die nach den Normen der Gesellschaft nicht zusammenkommen durften.Der Schriftsteller versteht es, in den Dialogen die gewisse Sprachlosigkeit der Kinder sehr echt wiederzugeben.Die Art und Weise, wie hier jedes Kind des Romans für die Anerkennung seiner Eigenart eintritt, wirkt auf den erwachsenen Leser rührend und erweckt auch Sehnsüchte bei ihm nach nicht gelebtem Leben.
Hier wächst kein Gras mehr! Daumen hoch!, 13. Februar 2001
Wunderbar gelungene Annäherung an ein schwieriges Thema.
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